Fachtext aus dem Kesselhaus-Blog der Agentur 4iMEDIA
http://kesselhaus-blog.de
Der digitalen Schöpfung scheint nichts mehr im Weg zu stehen - auf ins „Second Life“?
Am Anfang war das Programm - so könnte jedenfalls die Schöpfungsgeschichte der digitalen Parallelwelt Second Life beginnen, die das kalifornische Software-Unternehmen Linden Labs 2003 kreierte. Second Life ist ein virtuelles Nichts, in dem jeder sein eigener Schöpfer und Herr über Sein oder Nicht-Sein ist. Ein Niemandsland, das grenzenlose Begehrlichkeiten und einen unstillbaren Eroberungsdrang weckt. Und das offensichtlich momentan unter Unternehmen der freien Wirtschaft. Beinah verständlich, denn was niemandem gehört, könnte ja durchaus auch meine sein. Also nichts wie rein ins Pixeluniversum, die Ärmel hochgekrempelt und fröhlich Himmel und Erde erschaffen. Fiat lux!
Im Wettlauf um die raren Plätze als “First Mover” im Pixelparadies stürmten bereits Konzerne wie BMW, IBM, Daimler-Chrysler, Adidas oder Dell nach vorn und eröffneten, mal publikumswirksam wie im Falle der Mercedes-Niederlassung und mal eher schweigsam wie Dell, virtuelle Präsenzen im Second Life. Und, hurra, Sabine Christiansen ist ja auch schon da.
Allerdings wird doch sehr schnell verständlich, warum es nicht so einfach ist in die Fußstapfen Gottes zu treten und die große Leere mit Dingen der digitalen Schöpfung zu füllen. Der eine erschafft sich im ersten Versuch eine kurvenreiche Frau in Rot. Der andere einen krummen Stuhl. Nicht jeder verfügt nämlich auf Anhieb über grenzenlose Programmiermächte. Dafür gibt es Agenturen. Wenn es um Second Life geht, leuchten die (Linden)Dollar-Zeichen in den Augen der PR-Profis. Ihre Heilsversprechen dröhnen vermutlich momentan wie Donnerschläge in den Ohren der Marketingverantwortlichen der Unternehmen.
Nur ganz vorsichtig möchte man da auf den Apfel am Baum der Erkenntnis hinweisen und das Wort “Hype” in geneigte Ohren wispern. Aber ehrlich, hat hier irgendjemand mal in aller Ruhe überlegt, warum um Gottes Willen ein Dasein im Second-Life-Universum sinnvoll für die Markenstrategie von BMW & Co. sein soll? Die Zahl der aktiven Nutzer stagniert bei 1 Million weltweit und welchen Publicity-Effekt kann sich der geschäftstüchtige Weltenlenker in der digitalen Sphäre schon erhoffen, wenn die Kapazitäten des Systems den Ansturm der digitalen Wesen auf höchstens 100 Besucher gleichzeitig begrenzen. Von Markenkonsistenz in einer phantastischen Welt der unbegrenzten Möglichkeiten will ja gar keiner reden. Die große Frage ist aber, ob die Unternehmen überhaupt in der Lage sein werden, ihrem virtuellen Dasein Leben einzuhauchen. Momentan scheint es sich bei den verschiedenen Präsenzen einfach nur um teures Ödland zu handeln. Mal schauen, wer als erster das Licht wieder ausknipst.



























