Das Internet sollte ursprünglich primär dem Informationsaustausch von Personen und Einrichtungen an räumlich entfernten Punkten dienen. Im Zuge seiner kommerziellen Nutzung trat neben den Informationsaustausch der Leistungsaustausch, das Internet wurde zum Angebots- und Verkaufsforum. Dabei blieb die Organisation der Transaktionen, von der Produktsuche über das Angebot bis zum Kauf, aufgrund der Struktur des Webs und der Arbeitsweise der Suchmaschinen, weiterhin weiträumig bis global ausgerichtet. Lokale Märkte spielten online lange Zeit kaum eine Rolle.
Erst in den letzten zwei Jahren machte sich die Einsicht breit, dass nicht jeder, der im Internet recherchiert, gleich ein Markenprodukt zu einem möglichst günstigen Preis kaufen möchte, egal, wo der Verkäufer gerade sitzt. Gesucht wird dort eben auch z.B. nach dem nächst gelegenen Fahrradladen, denn etwa 30 Prozent der Suchanfragen in Deutschland haben lokalen Charakter. Dies hat zu einem verstärkten Nachdenken über lokale, regionale und national abgegrenzte Suchvorgänge und Angebote geführt. Nicht zuletzt auch deshalb, weil hier ein großes Potenzial an werbetreibenden Unternehmen zu finden ist, die bisher im Web nur eingeschränkt berücksichtigt wurden. Deren Investitionen im Online Marketing allerdings nicht zu unterschätzen sind. Immerhin fließen 50 Prozent der Werbeaufwendungen in Deutschland an lokale und regionale Werbeträger.
National operierende Suchmaschinen - Konkurrenz für Google und Co. ?
Ein Beispiel für die in Gang gekommene Diskussion war die Präsentation zweier neuer, auf regionale Märkte spezialisierter Suchmaschinen im Rahmen der Search Engines Strategies-Konferenz in München. Vorgestellt wurden die Suchmaschinen von Seekport und Neomo.
Seekport Internet Technologies GmbH, ein unabhängiges deutsches Unternehmen, hat seine Suchmaschine auf den nationalen Bereich hin ausgerichtet. Die Suchmaschine verfügt mit 150 Mio. Seiten über den größten deutschsprachigen Index, der zusätzlich von einem nationalen Index-Team gepflegt und verwaltet wird. Neun vordefinierte Themen- bzw. Recherchebereiche helfen, Suchanfragen einzugrenzen und damit die Ergebnisse präziser zu machen. Die Suchmaschine beherrscht weiterhin die homografische Suche und fragt bei mehrdeutigen Begriffen automatisch nach, welche konkrete Wortbedeutung gemeint ist. Als besonderes Feature bietet Seekport zu jedem Suchtreffer eine Vorschau-Funktion an. Dabei werden die gefundenen Seiten als verkleinerte Frames in die Ergebnisliste eingefügt. Der Nebeneffekt: Die Vorschau filtert alle interaktiven Elemente der betreffenden Seiten heraus, auch Popups und Dialer, was Seekport einen gewissen Spam-Schutz verleiht.
Zum Zuge kommt die Seekport-Suchtechnologie derzeit auch bei der Archiv-Suche in den Online-Angeboten verschiedener Tageszeitungen wie der „Welt”, der Berliner Zeitung und des Hamburger Abendblattes. Zu seinen Kunden zählt Seekport weiterhin verschiedene Medien-Kanäle wie Sport 1 und N24. Im Bereich der Werbung über Sponsored Links kooperiert das Unternehmen mit Espotting.
Hinter Neomo, ebenfalls eine rein deutsche Entwicklung mit eigenem Index, stehen Stefan Fischerländer sowie verschiedene Telefonbuch- und Gelbe Seiten-Verlage wie z.B. der Greven´s Adreßbuch-Verlag in Köln oder der Frankfurter Trifels Verlag. Fischerländer gilt als Spezialist für Suchmaschinen und betreibt mit „suchmaschinentricks.de” seit Jahren eine der meist besuchten deutschsprachigen Websites zu diesem Thema. Die Entwicklungsarbeiten für Neomo befinden derzeit in der Schlussphase, die Suchmaschine soll aber noch im Frühjahr fertig gestellt werden. In ihrer Arbeitsweise wird der Index ganz auf die hiesigen Verhältnisse abgestimmt, das heißt auf deutschsprachige Inhalte konzentriert sein. Ein weiteres Anliegen von Neomo besteht darin, die Werbepartner deutlich besser zu präsentieren als dies bei der Konkurrenz der Fall ist.
Regionalisierung und Kooperation - die Auskunftsportale
Wie die von Neomo eingegangene Zusammenarbeit von Suchmaschinen-Betreiber und Adressbuch-Verlagen aussehen kann, führt seit geraumer Zeit schon Yahoo vor. Bei seiner „Lokalen Suche” arbeitet das Unternehmen dabei mit den Herausgebern der „Gelben Seiten” zusammen. Über die Korrelation von Einträgen aus den Bereichen der lokalen Wirtschaft, Telefon-Nummern, Namen und Kartenmaterialien in Verbindung mit einer präzisen Such-Technologie bedient die „Lokale Suche” Anfragen nach Informationen aus dem Nahbereich trotz Beta-Stadium schon recht gut.
Einen ganz anderen Weg mit lokal orientierten Suchanfragen umzugehen und dabei die regionale Wirtschaft ins Spiel zu bringen gehen verschiedene Portal-Betreiber. Das bekannteste Portal für die Suche im Nahbereich, meinestadt.de, gehört mit ca. 200 Mio. Seitenaufrufen im Monat mittlerweile zu den größten deutschen Internet-Portalen. Meinestadt.de bietet regional abgegrenzte Inhalte und Nachweise für sämtliche der knapp 12.500 selbstständigen Städten und Gemeinden sowie für 440 Land- und Stadtkreise und die 16 Bundesländer. Für jede Stadt oder Gemeinde unterhält das Auskunftsportal 12 Themenchannels, thematisch gegliederte Rubriken und Kataloge. Seine Informationsfülle erreicht meinestadt.de nicht zuletzt über eine Vielzahl von Kooperationen. Die Betreiber arbeiten sowohl mit Anbietern von kartographischem Material wie der Firma Falk eSolutions, Kommunen, anderen Portalen, den Arbeitagenturen sowie Online-Vermittlern in den Bereichen Gebrauchtfahrzeuge und Immobilien zusammen. Für die Werbung lokal gebundener Unternehmen bietet das Portal große Vorteile, denn hier lassen sich Einträge und Nachweise präzise auf das jeweilige Absatzgebiet eingrenzen und erscheinen in der passenden Rubrik.
Fazit
Insgesamt gesehen treffen bei den Bemühungen um verbesserte, regionale Suchmöglichkeiten verschiedene Ansätze aufeinander. Neue, national orientierte Suchmaschinen versprechen dem Nutzer präzisere Indexierungen und Nachweise für Informationen aus dem jeweiligen Land. Die großen Suchmaschinen wie Yahoo, MSN und Google versuchen, mit ihrem auf globaler Ebene und vor allem in den USA erworbenem Know-How Konzepte für die eingegrenzte Regional-Suche in Deutschland zu entwickeln. Portale wie meinestadt.de dagegen gehen von den bestehenden regionalen Strukturen bzw. den Verwaltungsstrukturen aus. Nach Einschätzung der SoQuero GmbH werden sich die Suchmaschinen und Portale eher ergänzen als miteinander konkurrieren. Denn die Portale verfügen regional über eine hohe Informationstiefe und lokalem Content während die Suchmaschinen das Eingangstor zum Web sind und über hohe Reichweiten verfügen.



























