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Wandel durch Tradition: Zwei Pioniere der Kommunikationstechnologie in Deutschland

Vom Blechkram zur Applikationswelt.
Gunnar Sohn | 06.03.2012

Die Initiatoren des Blogs Slow Media http://www.slow-media.net/ folgen dem Diktum des Philosophen Odo Marquard: Je höher die Innovationsgeschwindigkeit ist, desto weniger veraltungsanfällig sind alte Lebensformen. Die moderne Wandlungsbeschleunigung würde selber in den Dienst der Langsamkeit treten. So sollte man beim modernen Dauerlauf Geschichte – je schneller sein Tempo wird – unaufgeregt überholen lassen und warten, bis der Weltlauf – von hinten überrundend – wie bei einem vorbeikommt. Der Wartende sei dann wieder an der Spitze der Bewegung.

„Selbst in Technologiebranchen sollte man ab und an Innehalten und sich an den klugen Sätzen von Odo Marquard orientieren. Ich habe das schon in den stürmischen Tagen der New Economy in meinem Buch ‚Change‘ erwähnt. Es gibt keine Zukunft ohne Herkunft. Besonders die neuen Medien benötigen alte Fertigkeiten. Das hat allerdings nichts mit dem Antimodernismus der Jammerathleten, Klagegenies und Kassandren vom Dienst zu tun. Beim programmatischen Ansatz von Slow Media geht es wohl darum, sich auf seine wahren Kompetenzen zu besinnen und sich von Dingen zu verabschieden, die bedeutungslos werden“, so der Bitronic-Chairman Peter B. Záboji. Slow habe nichts mit Maschinenstürmerei zu tun, sondern zielt auf einen möglichst intelligenten und sinnvollen Gebrauch von neuen wie alten, bewährten Technologien ab.

Fernsprecher mit acht Teilnehmern in Berlin

Zwei Firmen der Technologiebranche können in Deutschland auf eine sehr lange Tradition zurückblicken als Startups der Telefonie: Die Berliner Aastra-Tochter DeTeWe http://detewe.de/ und Avaya http://www.avaya.com/de/. Die Vorläuferfirmen wurden im 19. Jahrhundert gegründet. Es war der 1877 eingeführte Fernsprecher, dessen Technik und Funktion die Daniel Düsentriebs der Elektrotechnik in Deutschland beeindruckte, ohne zu wissen, wo die Reise hingeht. Berlin hatte 1881 gerade mal acht Teilnehmer gemeldet. Zwei Jahre später waren es 1625 „Abonnenten“, wie man damals sagte. Am 11. Mai 1887 gründete Robert Stock die „Telegraphenbauanstalt R. Stock“ in der Luisenstadt – dem heutigen Bezirk Kreuzberg. 1894 wurden Grundstücke in der Zeughofstraße gekauft und ein großes Fabrikgebäude errichtet, das ein Jahr später bezugsfertig war. Es ist auch heute noch Stammsitz der in DeTeWe umbenannten Firma. 1896 stellte Stock in Treptow das erste Telephon-Verbindungsamt vor und expandierte europaweit bei der Errichtung von Fernsprechämtern.

1899 wurde die Deutsche Privat-Telefongesellschaft Harry Fuld & Co. in der Liebfrauenstraße in Frankfurt am Main aus der Taufe gehoben – besser bekannt unter Telenorma, Bosch Telecom, Tenovis und nun Avaya. Sie spezialisierte sich auf die Vermietung und Wartung privater Telefon-Nebenstellenanlagen: „Wegen ihrer hohen Einrichtungskosten und Reparaturanfälligkeit riefen solche Anlagen geradezu nach preisgünstigen, aber langfristigen Abonnementsverträgen mit Wartungsgarantie“, schreibt Záboji in seinem Buch „Change“. Beide Pionierunternehmen expandierten durch die Aufhebung des Verbots, Haustelefonanlagen ans Amt anzuschließen – ein Beschluss der Reichpostverwaltung aus dem Jahr 1900.

Gründergeist für Kommunikationstechnologie

Am 11. Mai 2012 wird es in Berlin mit Wirtschaft und Politik eine große Feier zum 125. Jubiläumsjahr von DeTeWe geben. „Die Herausforderungen haben sich natürlich völlig geändert. Aber der Gründergeist von Robert Stock ist für uns immer noch vorbildlich. Man muss sich frühzeitig an neue Themen wagen. Wir haben die ersten ISDN-Anlagen auf den Markt gebracht und sind gut gewappnet, um das Zusammenwachsen von Telekommunikation und Informationstechnologie für unsere Firmenkunden richtig zu bewerkstelligen. Um als Integrator ernst genommen zu werden, muss man in beiden Disziplinen eine exzellente Expertise mitbringen. Es ist wichtig, sich bei der zunehmenden Vernetzung auf das Wesentliche zu konzentrieren, maßgeschneiderte und offene Lösungen anzubieten“, so DeTeWe-Geschäftsführer Christian Fron.

Die Aufgaben waren für Robert Stock vor 125 Jahren nicht einfacher. Fachkollegen verspotteten ihn und rümpften über seinen „Stanz- und Blechkram“ die Nase. Schon bald musste die Maschinenindustrie allerdings einsehen, dass bei großen Fernsprechämtern, in denen sich eine ungezählte Menge gleichartiger kleiner Stücke zusammenfand, mit den früheren Mechaniker-Methoden nichts mehr auszurichten war. „Jetzt sind es Software, Applikationen, Plattformen, modulare Systeme und Smartphones, die in der Kommunikationstechnologie dominieren und den Markt völlig verändern. Zwischen den einzelnen Technologien und Anwendungen entstehen immer mehr Synergien“, so Fron.

Und es ist vielleicht mehr als ein Zufall, dass DeTeWe von Avaya zum Partner des Jahres für Europa, den mittleren Osten und Afrika gekürt wurde. „Für die Wahl entscheidend waren mehrere Großprojekte, die wir gewinnen konnten, der Schulungsstand unserer Mitarbeiter sowie die erfolgreiche Zusammenarbeit bei Großkunden und Mittelstand. Das gilt für Projekte in der Sprach- und Datenwelt. Wobei der Schwerpunkt ganz klar bei Daten liegt“, resümiert Fron. Den Grundstein legten Robert Stock und Harry Fuld.


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