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Einzigartig erfolgreich oder vielseitig unglücklich?

Unsere Familie prägt unser Leben und entscheidet oft darüber, ob wir als Kinder glücklich und als Erwachsener erfolgreich sind. Muss das so sein?
Michael Bandt | 26.03.2013

„Moment!“, werden Sie jetzt denken, „Ich bin ein individueller Mensch, ich habe meine Freiheit und die Unabhängigkeit, das zu tun, was mir gefällt.“ Ist das so? Obwohl wir uns unsere Unabhängigkeit stets vor Augen führen, unsere Individualität, unsere Freiheit, ist der Einfluss unserer Familie von großer Bedeutung.

Auch kulturell bedingte Vorstellungen tragen dazu bei, dass ein Mensch heranwächst, der perfekt in die Schablone der sozialen Umgebung passt. Aber fangen wir von vorne an: Man wird in eine Familie hineingeboren. Sagen wir, der Vater ist Straßenbauer, die Mutter Hausfrau. Dem Vater war vor allem Respekt und Leistung wichtig: Seine drei Söhne Markus, Alexander und Paul sollen einmal stark werden, sodass Sie einen 8-Stunden-Job schwerer körperlicher Arbeit verrichten können. Respekt dagegen hatten ihm sein Vater und sein Chef beigebracht. Nur weil er Respekt zeigte und leistete was er konnte, steht er heute da, wo er ist.

Mutter dagegen sorgte für das Wohl der Familie. Ehrlichkeit und Gerechtigkeit standen für sie an erster Stelle: „Wie soll man diese drei Jungs sonst in den Griff bekommen?“ Vor allem in den ersten Jahren unserer Kindheit kopieren wir die Werte und Glaubenssätze aus unserem sozialen Umfeld.

So wachsen wir alle in Familien, Gemeinden und Kulturkreisen auf, die uns mit Botschaften überhäufen. Wir sollen gut in der Schule sein, danach eine gute Ausbildung machen. Wir sollen einen Job haben, bei dem wir gut verdienen. Wir sollen heiraten, eine Familie gründen am Ende noch ein Haus bauen und einen Baum pflanzen.

Der nächste Schritt in unserer persönlichen Entwicklung ist die Schule. Die Pädagogen
in Deutschland sind selten mit individuellen Lernstilen vertraut, sodass sowohl begabte als auch aus gesellschaftlicher Sicht unbegabte Kinder einem einheitlichen und strukturierten Lernumfeld ausgeliefert sind.

Durch planmäßiges Lernen in unseren Schulen wird uns ein Rahmen vorgegeben: Was wir lernen und vor allem wie. Jedes Schulkind muss sich diesem Plan unterwerfen, seinen eigenen Lernprozess anpassen und nach diesen Vorgaben organisieren.

Das führt dazu, dass viele menschliche Ressourcen, Talente und Begabungen verschwendet werden. Paul liebt von klein auf die Musik. Er verliert sich in Melodien und träumt bereits mit 5 Jahren davon ein Pianist zu werden. Er wäre eigentlich ein wunderbarer Musiker, aber er ist sehr schlecht in Mathe. Statt sein Talent Musik zu fördern, paukt er täglich Mathematik, damit er die erwartete Leistung erbringen kann. Würde Paul mit dem gleichen Engagement sein Talent Musik fördern, hätte er einmal die große Bühne betreten können, um ein großes Publikum mit seiner Musik zu bezaubern.

Aber gehen wir weiter: Paul schafft mit mittelmäßigen Noten seinen Schulabschluss. In Mathe hat er eine Vier, nur in Musik glänzt er mit einer Eins. Seine Eltern sind bedingt zufrieden mit ihrem Sohn: Von Musik kann man schließlich nicht leben, aber Mathe braucht man immer wieder.

Vater ist der Meinung, dass ein starker Mann eine körperliche Tätigkeit verrichten sollte und erst durch Respekt und Leistung seinen Weg gehen wird. Paul soll Handwerker werden, Vater hat ihm sogar schon einen Ausbildungsplatz bei seinem Freund Willi verschafft.

Wir sind der Meinung, in der heutigen Zeit müsse jeder für sich selbst herausfinden und entscheiden, welches Leben, welche Arbeit er haben möchte. Ist das so einfach?

In jedem von uns befindet sich eine subtile Botschaft dessen, was von uns erwartet wird: Von unserer Familie, Freunden und dem sozialen Umfeld, ja sogar von der Gesellschaft als solcher. „Du solltest eigentlich...“, schwirrt uns bei jeder Entscheidungsfindung im Kopf herum. Zwischen dem, was wir wollen und dem was wir sollen, besteht ein Zwiespalt.

Paul ist von klein auf gewohnt, dass die Erwartung an ihn gestellt wird, ein Handwerker zu werden. Umso logischer ist es, dass er seinen Berufswunsch kaum hinterfragt und froh ist, dass er einen Ausbildungsplatz erhalten hat.

Er beginnt seine Ausbildung als Dachdecker. Auch diese Ausbildung verlangt von Paul, das zu lernen, was auf dem Lehrplan steht und den Erwartungen seines Vorgesetzten bestmöglich zu entsprechen.

Er schließt die Ausbildung in der vorgegebenen Zeit mit einem mittelmäßigen Notendurchschnitt ab. Sein Vorgesetzter Willi benötigt einen neuen Mann an seiner Seite und stellt ihn nach der Ausbildung direkt ein.

Willkommen in der Leistungsgesellschaft! Hier sind Güter wie Macht, Einkommen, Ansehen, Vermögen und Leistung das höchste Gut. Ein erfolgreicher Mensch muss seine Position, sein Geld, durch harte Arbeit verdienen. Leistung zu fordern ist selbstverständlich geworden.

Niemand möchte sich dem gesellschaftlichen Verdacht aussetzen, etwas gratis erhalten zu haben.

Wir ackern, malochen und arbeiten bis zum Umfallen, schieben Überstunden und sind alle brav dem gesellschaftlichen Leistungsgedanken verpflichtet. Über all dem thronen die Glaubenssätze: „Leistung zahlt sich aus!“ und „Von nichts kommt nichts!“

Mit dieser Wahrnehmung trauen wir uns sogar noch von Individualismus und Eigenverantwortung zu sprechen. Ich möchte damit keineswegs andeuten, dass wir nicht individuell sind und nicht eigenverantwortlich handeln können. Nein! Ich möchte damit sagen: Wir machen es viel zu oft nicht! Wir unterwerfen uns den Vorstellungen anderer, statt unsere Stärken herauszufinden und unseren Weg zu gehen.

Wäre Paul ein Musiker geworden, würde er heute vielleicht mehr verdienen als in seinem erlernten Beruf. Er wäre glücklicher, freier, hätte mehr Ansehen und würde Menschen mit seiner Musik bewegen.

Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich eine Welt vor, in der die Einzigartigkeit eines jeden Menschen gefördert wird. Wir hätten viel mehr kreative Köpfe, Künstler, Musiker und Sportchampions. Schön oder?

Unsere Lehrer wären in dieser Welt Talentscouts. Sie brächten ihren Schülern bei, die eigenen Stärken zu fördern, Schwächen zu erkennen, das eigene Selbstvertrauen in die individuellen Talente zu stärken.

Unsere Berufswahl würde sich in eben dieser Welt ins Unendliche steigern. Jeder könnte das tun, was er liebt, was er am besten kann. Jeder Job hätte eine große Übereinstimmung mit unseren Stärken und wir würden uns täglich auf die Arbeit freuen.

Hier die gute Nachricht: Die Tage, an denen der eigene Weg mit der ersten Berufsentscheidung endete, sind lange vorbei. Es ist nie zu spät, der zu werden, der man hätte sein können.

Wann machen Sie sich auf, Ihre Stärken zu finden und Ihre Vorstellung von Erfolg und Leistung neu zu definieren! Seien Sie einzigartig, erfolgreich und glücklich!