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Das Peter-Prinzip oder: Die Hierarchie der Unfähigen

12, 15, 2, 3 - Das sind meine ganz persönlichen Zahlen der letzten Woche: In 12 Minuten war mein neues Smartphone samt aller Daten reibungslos migriert, 15 Minuten hätte das auch für die SIM-Karte dauern sollen, 2 Tage gingen dafür aber ins Land und nach
Ralph Strobel | 18.06.2013

Eigentlich erstaunlich, dass es gar nicht so bekannt ist, aber schon in den 1960er Jahren hat ein amerikanischer Lehrer und Sozialberater das sogenannte Peter-Prinzip beschrieben, benannt nach ihm, Laurence J. Peter. Leider ist ihm in dieser doch recht langen Zeit, wie ich finde, nicht ausreichend gehuldigt worden, denn so wie die Sendung mit der Maus den Kindern (und auch vielen Erwachsenen) erfolgreich die Welt erklärt, machen es seine Thesen für das Wirtschaftsleben. Denn er beschreibt die Gesetzmäßigkeiten der in zahllosen Bereichen herrschenden Unfähigkeit, egal ob als Politiker, Manager, Lehrer oder Handwerker. Seine These: In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner persönlichen Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.

Okay, ich ahne, woran Sie jetzt denken: Sie gehen gerade gedanklich Ihren privaten und beruflichen Kosmos durch, sehen den Rektor ihrer Kinder, den neuen Einkaufsleiter Ihres Kunden und den Teamleiter der Nachbarabteilung. Und ja: Sie haben recht. Sie sehen Menschen, die komplett keine Ahnung von ihrer Aufgabe haben, dies aber verhältnismäßig souverän verkaufen können, die täglich, was auch immer, Brillantes leisten und Entscheidungen treffen, die auch bei größtem Wohlwollen nur als merkwürdig bezeichnet werden können. Und vor allem meist nicht zum Desaster führen, weil es Leute gibt, die das wieder alles heile machen.

Peter hat für seine Theorie des Phänomens fleißig analysiert und stieß dabei auf einen Kern: Alle Probanden waren allesamt kompetent und vor allem auch zufrieden - bis sie auf eine Stelle oder Hierarchiestufe befördert wurden, die sie schlicht nicht ausfüllen konnten und die sie und ihre Umwelt überforderte. Und je größer eine Organisation ist, desto eher besteht die Chance, als Leistungsträger in eine Position zu kommen, für die man nicht qualifiziert ist. Oder, wie er weiter darlegt: Nach einer gewissen Zeit wird jede Position von einem Mitarbeiter besetzt, der unfähig ist, seinen Job zu erledigen. Heißt: Nicht jeder studierte Teilzeit-Ingenieur ist ein guter Wirtschaftsstaatssekretär, nicht jeder Lehrer ein guter Studiendirektor, nicht jeder Controller kann Sales & Marketing und nicht jeder dynamische Geschäftsleitungsassistent kann Menschen gewinnen und führen. Und um beim Beispiel zu bleiben: Nicht jede Programmierer-Legende kann Kunde.

Übertragen hat Peter dies im Übrigen auch bei den vielerorts so beliebten Pseudobeförderungen oder auch den Top-Jobs wie die strategische Auswahl neuer Bilder und Pflanzen für die Bürofluchten. Peter hat damals auch schon festgestellt, dass fähige Mitarbeiter nicht befördert, sondern, wenn es ganz dumm läuft, auch noch entlassen werden. Warum? Weil, wie er sagt, Super-Kompetenz gefährlicher für die Hierarchie ist als Inkompetenz. Ja, da fallen einem über die Jahre schon ein paar Beispiele ein ...

So, und warum erzähle ich das alles? Weil der IT-Supporter letzte Woche früher sicher ein echter Crack war. In dem Job, den er mal beherrschte, was auch immer das gewesen sein mag. Vor allem aber, weil wir uns alle ehrlicherweise vor der Erkenntnis des Prinzips nicht verschließen sollten. Denn wenn ich etwas nicht kann, hole ich mir kompetente Unterstützung, von jemandem, der sich damit auskennt: Einen Elektriker oder eine SEO-Spezialistin. Oder professionelle Experten wie Projektmanager und Berater für den Geschäftsausbau, Trainer und Coaches für eine Restrukturierung. Oder Spezialisten für die Rekrutierung neuer Mitarbeiter. Fachleute also, die sich auf ihren Job verstehen. Die das gelernt haben. Die das einfach seit Jahren machen. Weil es besser läuft. In den Gesamtkosten wirtschaftlicher ist. Und am Ende das Ergebnis stimmt.

Also, danke nochmal lieber Netzanbieter für die Bestätigung. Das Peter-Prinzip gibt's übrigens auch als Buch, als ein Klassiker der Management-Literatur ein echter Geschenktipp zu Weihnachten.