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Karriere um jeden Preis?

In der Auseinandersetzung mit Konkurrenten kann die Durchsetzungskraft durchaus auch von Fairness begleitet bleiben.
Ulf D. Posé | 04.02.2015

Karriere um jeden Preis?

Philip und Max kennen sich schon seit Jahren. Sie arbeiten beide in einem IT-Unternehmen, das ständig wächst. Beide sind erfolgreich, beide wollen Karriere machen. Als ein neuer Leiter für den Kundeninnendienst gesucht wird, werden beide vom Personalchef angesprochen: „Bewerben Sie sich, Sie hätten gute Chancen.“ Da beide miteinander reden, wissen sie sehr bald, dass sie ab jetzt Wettbewerber sind. Philip findet das ziemlich blöde, denn er mag Max gut leiden und versteht sich auch gut mit ihm. Kann er gegen seinen Kollegen vorgehen, ihm den Job wegschnappen? Die Kollegen finden den Wettbewerb zwischen den Kollegen unmöglich: „Das ist eine Riesensauerei. Man darf euch doch nicht gegeneinander ausspielen“, ist die einhellige Meinung.

Haben die Kollegen Recht? Auch Max und Philip sind sich nicht sicher. Lieber wäre ihnen gewesen, der Personalchef hätte entschieden. Dann hätten sie nicht gegeneinander antreten müssen.

Aus ethischer Sicht kommt es darauf an, wie die beiden den Wettbewerb untereinander gestalten. Ethik hat gegen Wettbewerb zunächst einmal nichts. Welche Art des Wettbewerbs wählen die beiden? Sie haben dazu zwei Möglichkeiten. Sie können Gegner sein im Bewerben um den Abteilungsleiterjob. Sie können jedoch auch Feinde sein in diesem Wettbewerb, Genau in dieser Unterscheidung liegt die ethische Komponente.

Es ist ein erheblicher Unterschied, ob jemand mein Gegner in einer Wettbewerbssituation ist oder ob er von mir als Feind wahrgenommen wird.

Wird Wettbewerb über Feindschaft definiert, dann geht es darum, jemandem Schaden zufügen zu wollen. In der Feindschaft besteht immer die Gefahr, dass die Feindschaft in Hass umschlägt, wenn man merkt, man verliert gegen seinen Feind. Dieser Zustand ist in der Feindschaft unerträglich. Der nun entstehende Hass sorgt dafür, dass ich selbst auf die Gefahr hin, mir selbst zu schaden oder mich gar selbst zu vernichten, den anderen trotzdem eliminieren muss. Der Kampf ist immer zwanghaft. Gegnerschaft ist ganz anders definiert. Hier geht es nicht darum. Jemandem schaden zu wollen, sondern es geht darum zu gewinnen. Dieser feine Unterscheid wird von Kindern schon im Kindergarten gelernt. Im Spiel kommt es vor, dass ein anderes Kind gegen mich gewinnt. Jedoch merke ich sehr schnell, dass es deswegen nicht mein Feind ist. So versuche ich mit fairen Mitteln zu gewinnen. Wenn es klappt, freue ich mich. Wenn es nicht klappt, also der andere gewinnt, ist das nicht so schlimm. Dann versuche ich es beim nächsten Mal noch einmal, vielleicht klappt es ja dann. Ich kann mit dem Verlieren locker umgehen, es macht mir nicht so viel aus. Zumindest bringt es mich nicht um.

So hat die Einstellung, der andere ist mein Feind, eine andere Vorgehensweise zur Folge, als die Einstellung, der andere ist mein Gegner. Wer seinen Wettbewerber als Feind wahrnimmt, will dem anderen Schaden zufügen, befindet sich immer in einer Kampfsituation, ist handelt eher lebensmindernd, also nekrophil. Das Ergebnis ist immer eine schlechte Konfliktlösung. In der Gegnerschaft geht es nicht darum, dem anderen Schaden zufügen zu wollen, sondern es geht darum, zu gewinnen. Damit geht es um ein Spiel, nicht um einen Kampf. Die Vorgehensweise ist somit auch nicht kämpferisch, sondern spielerisch, nicht verspielt. Diese Vorgehensweise ist eher lebensmehrend, also biophil. Das passt zu einer lösungsorientierten Konfliktstrategie.

Bei Philip und Max kommt es also darauf an, ob die beiden den Wettbewerb in Feindschaft oder in Gegnerschaft austragen. Das ist nicht immer ganz einfach, weil es Menschen gibt, die in jedem Wettbewerb immer nur feindlich agieren oder reagieren können. Die Evolution hat uns durchaus die Fähigkeit vermittelt, kämpfen zu können. Das war in der Vergangenheit auch immer wieder einmal notwendig. Wie mussten gegen die Widrigkeiten der Natur kämpfen. Nicht selten waren uns Raubtiere und auch Menschen nicht wohlgesonnen. Wir mussten also kämpfen, um zu überleben. Das hat sich inzwischen durchaus erheblich geändert. Wir müssen für unser Überleben nicht mehr so kämpfen können wie in vergangenen Jahrtausenden. Gleichwohl ist die Fähigkeit des Kämpfen-könnens geblieben. Und die sucht sich bei manchen Menschen ein Ventil. Und das Ventil heißt dann nicht mehr kämpfen-können, sondern kämpfen-müssen. Das kämpfen bekommt etwas Zwanghaftes. Das liegt daran, dass manche Menschen im Laufe ihres Lebens verlernt haben, dass die Fähigkeit des Kämpfen Könnens niemals degenerieren sollte in eine Art Zwang, immer kämpfen zu müssen. Genau hier findet das ethische Dilemma statt.

Menschen, die meinen, immer nur kämpfen zu müssen, sind in ihrer Vorgehensweise auch immer auf Vernichtung des Feindes angewiesen. Das ist weit weg von einer lebensmehrenden Ethik. Allerdings findet genau das nicht selten in der Wirtschaft statt. Die Automobilindustrie ist durchaus feindlich organisiert. Der Wettbewerber muss vernichtet werden.

So wäre Wettbewerb in Gegnerschaft ethisch jederzeit in Ordnung, wenn:

• eine ethische Moral entwickelt wurde, also den Beteiligten ethische Prinzipien durchaus vertraut sind.

• ethische Normen im und für den Umgang mit dem Wettbewerb entwickelt wurden und jemand sie realisiert, also zumindest die Bereitschaft und die Fähigkeit dazu besitzt

• auf unethische Praktiken verzichtet wird

• die Biophiliebilanz nach Innen und außen positiv ist

• die ethische Maxime einbettet ist in die Unternehmenskultur

• niemand gezwungen wird, gegen sein Gewissen zu handeln

• die Primärtugenden beherrscht werden

Max und Philip haben also eine gute Chance, wenn sie in ihrem Wettbewerb begreifen, dass sie keine Feinde, sondern Gegner sind. Feindbilder erzeugen immer kriegerische Handlungen, ein Gegnerbild erzeugt sportlich-spielerische Handlungen. Wenn es beiden darum geht, zu gewinne, und nicht siegen zu müssen, dann haben sie auch eine realistische Chance, ihr gutes Verhältnis zueinander auch nachdem einer der beiden Chef geworden ist, weiterhin zu bewahren. Zu wünschen wäre es ihnen.