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Betreutes Einkaufen im Internet: Curated Shopping

So funktioniert das Trend-Geschäftsmodell mit hohem Erfolgspotential.
Heinrich Holland | 20.02.2017
 



Fachartikel von Prof. Dr. Heinrich Holland, Lea Alice Bolz (Hochschule Mainz)



Das Curated Shopping ist ein innovatives Geschäftsmodell im Online-Handel, das die Vorzüge einer persönlichen Beratung im stationären Handel mit dem Convenience Aspekt des Online-Shoppings verbindet. Das „betreute Einkaufen“ wird aktuell insbesondere in der Modebranche umgesetzt, dabei stellen Online-Shops ihren Kunden eine persönliche Betreuung anhand von Beratern zur Verfügung. Das Prinzip: Ein Online-Händler oder eine Handelsplattform trifft eine Vorauswahl, um diese dem potenziellen Kunden zu präsentieren. Die Rolle des Händlers wird dabei als die eines Kurators (Beraters) gesehen. Die Grundidee ist, dass der Kurator aufgrund seiner Sortimentskompetenz eine bessere Produktauswahl treffen kann als der Kunde selbst.

Als erster deutscher Curated Shopping Anbieter wurde „Modomoto“ im Jahr 2011 in Berlin-Kreuzberg gegründet. Das Prinzip ist einfach: Der Kunde füllt einen kurzen Fragebogen zu Stilvorlieben, Wünschen und Größen aus, erfahrene Modeexperten stellen zwei komplette Outfits zusammen, die in der charakteristischen Modomoto-Box verschickt werden. Der Kunde kann zu Hause alles begutachten und anprobieren, er behält nur, was ihm gefällt, Versand wie Retoure sind dabei kostenlos.

Kurz nach der Eröffnung von Modomoto, wurde 2012 der Curated Online-Shop „Outfittery“ eröffnet. Seitdem kämpfen Modomoto und Outfittery um die Marktführerschaft. Mit „Kisura“ ist 2013 der erste Shop für betreutes Einkaufen für Frauen online.

Curated Shopping bietet ein individualisiertes Angebot und setzt die Idee der Kundenorientierung um. Der Kunde wird nicht anonym behandelt, sondern durch interaktives Marketing und durch den Dialog zwischen Kunde und Unternehmen. Das innovative online-basierte Geschäftsmodell ist aufgrund der Einkaufsunterstützung und der Produktvorauswahl sowie der Interaktivität zwischen den Marktteilnehmern besonders serviceorientiert.

Curated Shopping ist die logische Folge der Suche des Kunden nach mehr Beratung im Online-Shop; es verbindet das anonyme Online-Shopping mit der persönlichen Beratung im stationären Geschäft. Dieses Verkaufskonzept ist nicht neu, sondern spiegelt eine ursprüngliche Aufgabe des Händlers bzw. des Verkäufers in moderner Form wider. Der Händler oder die Handelsplattform übernimmt die Rolle eines Kurators, der durch seine Kompetenz und Beratung eine Vorauswahl von Produkten präsentiert, die als Anregung zu einer Kaufentscheidung dient.

Das Geschäftsmodell ist bei den meisten Curated Shopping Anbietern auf dem deutschen Markt sehr ähnlich:
• Werbung durch TV & soziale Netzwerke
• Anmeldung im Online-Shop
• Fragebogen (Größen, Farben, Stil)
• Individualisierte Informationen & persönliche Präferenzen
• Persönliches Profil des Kunden
• Persönliche Beratung (Chat, E-Mail, Telefon,...)
• Zusammenstellung der Produkte unter Berücksichtigung der Kundenwünsche
• Produktvorauswahl wird in Box an Kunden versendet
• Persönliche Ansprache & Feedback
• Zufriedenheit des Kunden
• Weiterentwicklung des Kundenprofils
• Beziehung zwischen Kurator und Kunde
• Dauerhafte Kundenbindung

Das betreute Einkaufen bietet nicht nur für die Modebranche und für „Shopping-faule“ Männer interessante Perspektiven, sondern ist auch für weitere Branchen und Zielgruppen relevant. Es finden sich ständig neue Startups neben den etablierten Anbietern auf dem deutschen Markt, die sich des innovativen Geschäftsmodells annehmen und in ver-schiedensten Branchen – von Mode über Bücher bis hin zu Möbeln – zahlreiche Zielgruppen bedienen. Das Potenzial und die Ressourcen sind vielversprechend und noch nicht erschöpft.

Bestehende stationäre und Online-Händler wie z. B. Zalando oder P&C greifen dieses Geschäftsmodell auf. Curated Shopping ist nicht nur ein zeitlich befristeter Trend sondern ein langfristig erfolgreiches Geschäftsmodell, das branchen- und zielgruppenübergreifend Erfolgspotenzial aufweist.


Bildquelle: fotolia / apinan