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Managing Growth: So hält die Logistik Schritt

Onlinehändler müssen vor allem eines: ihre Logistik im Griff haben. Gute Organisation und Planung sind dafür die Voraussetzung.
ecom consulting GmbH | 15.05.2018

Eine gute Logistik, so heißt es in Branchenkreisen, ist die, über die man nicht spricht. Doch die Voraussetzung dafür, dass jedes Rädchen gut geschmiert und lautlos im logistischen Getriebe surrt, ist eine gute Unternehmensorganisation, die sicherstellt, dass alle beteiligten Abteilungen in regelmäßigem Austausch stehen.

In diesem Punkt allerdings hapert es in der täglichen Praxis gewaltig. Allzu oft fungiert die Logistikabteilung als letztes Glied in der Prozesskette, bekommt relevante Informationen zu spät oder gar nicht und muss die daraus entstehenden Probleme dann auch noch alleine ausbaden. Dahinter steckt zumeist gar keine böse Absicht. Stattdessen sind sich die einzelnen Abteilungen schlicht nicht bewusst, wie ihre eigenen Aktionen gewohnte Prozesse in der Logistik zum Teil erheblich verändern.

„20 Prozent auf alles“ – der Horror für jeden Logistiker



Ein gutes Beispiel sind Vertrieb und Marketing. Harmlos klingende Werbeaktionen wie „Kostenfreier Versand“ oder „20 Prozent auf alles“ werfen klassische Forecasts im schlimmsten Fall komplett über den Haufen. Schlägt eine solche Aktion ein, muss die Logistik nicht nur mehr Bestellungen abwickeln - auch die Struktur der Warenkörbe verändert sich. Bei versandkostenfreier Lieferung beispielsweise reduziert sich normalerweise der Warenkorb auf weniger Stücke je Auftrag. Wer hier mit alten Strukturdaten plant, hat schnell zu viele Leute im Lager. Bei 20 Prozent Rabatt auf das komplette Sortiment hingegen muss in der Regel plötzlich in allen Sortimentsbereichen - vom Renner bis zum Penner - mehr gepickt werden. Auch hier ist ohne entsprechende Voraborganisation der Logistikkollaps vorprogrammiert. Mit deutlich weniger Logistikaufwand ist hingegen eine Rabattaktion auf ein bestimmtes Sortiment verbunden. Das allerdings weiß das Marketing nur, wenn es mit der Logistik im Austausch steht.

Auch der Einkauf und dessen Sortimentssteuerung hat Auswirkungen auf die Logistik. Ein aktueller Trend im Onlinehandel ist es, das eigene Stammsortiment um passende oder interessante, angrenzende Sortimente zu erweitern. Doch müssen Händler, die plötzlich nicht nur Elektroartikel verkaufen, sondern beispielsweise auch Haushaltswaren, ihren Wareneingang und Folgeprozesse neu organisieren. Denn Elektroartikel werden von den Herstellern zumeist versandfähig angeliefert, Haushaltswaren jedoch müssen in der Regel erst einmal einzeln verpackt werden. Weil derartige Produkte auch häufiger kaputt beim Kunden ankommen, steigt zudem der Aufwand im Retouren-Handling.

Rennern, Pennern und Durchlauferhitzern auf der Spur



Vor der Einführung neuer Sortimente ist es also unabdingbar, dass Einkauf und Logistik sich an einen Tisch setzen und über die Organisation sprechen. Und im Anschluss daran müssen beide Abteilungen die wichtigsten Kennzahlen bei der Bestandssteuerung im Blick behalten und sich darüber weiterhin regelmäßig austauschen. Ein wichtiges Thema dabei ist die Entwicklung von Rennern und Pennern. Denn wenn Lager mit Sortimenten zugestopft werden, die nicht gut drehen, wird es teuer: Nicht nur, dass mehr in Wareneingang und Lagerflächenausbau investiert werden muss. Auch die Picking-Zeiten steigen durch die größere Fläche und die längeren Wege. Ein weiteres Augenmerk sollten beide Abteilungen auf Artikel mit hohen Retourenquoten behalten und diese sogenannten „Durchlauferhitzer“ kontinuierlich identifizieren und aussortieren.

Was bei der Unternehmensorganisation auch häufig übersehen wird, ist der Einfluss der Auftragsstruktur auf die Lagerorganisation. Für einen großen TV-Shopping-Sender beispielsweise wurde ein Lager gebaut, das auf Multi-Pick ausgelegt war, also darauf, dass in einem Auftrag viele Positionen zu bearbeiten waren. Irgendwann stellte das Unternehmen sein Geschäftsmodell um und die Kunden bestellten großteils nur noch einzelne Produkte. Die Folge: Die ursprünglich geplanten Abläufe in dem neuen Lager waren nicht in der Lage, dieses Single-Item-Picking effizient darzustellen.

Intralogistik: Die Komplexität steigt



Hat man seine Organisation im Griff, muss die Intralogistik optimiert werden. Denn die Zeiten, in denen nur Einzelpakete an einen Carrier übergeben wurden, sind für große E-Commerce-Player inzwischen weitgehend vorbei. Die meisten Versender arbeiten mit mehreren Carriern, bieten Same-Day-Delivery an, integrieren Speditionen in ihre Versandprozesse, müssen international verschicken oder aufgrund von Multichannel-Services ihre Filialen mit Onlinebestellungen beliefern. Dazu müssen Aufträge nach ihrem Empfänger und ihrer Versandart unterschieden und die physikalische Infrastruktur im Warenausgang an diese neuen Aufgaben und Anforderungen angepasst werden. All dies erfordert eine saubere Planung mit entsprechendem Vorlauf, was auch von großen Unternehmen nach wie vor unterschätzt wird.

Unterstützung bieten mittlerweile eine Reihe von Startups, die für verschiedene Bereiche smarte Lösungen bieten. So erleichtert Parcelone Onlinehändlern die Internationalisierung, indem das Unternehmen bereits für niedrige Paketmengen gute Konditionen bietet. Das Startup Pamyra ermöglicht Zuladungen für Speditionstransporte und das Startup Paqato liefert eine Track-and-Trace-Lösung für Multicarrier.

Robotics: Die Zukunft ist jetzt



Ein weiteres wichtiges Thema, mit dem aktuell viele Händler kämpfen, ist der Wareneingang. Hier muss geklärt werden, ob die Produktdaten akkurat und eindeutig sind und die Ware so vereinnehmbar ist, dass die Prozesse reibungslos ablaufen können. Der E-Commerce-Riese Amazon erzieht seine Lieferanten in den letzten Monaten mithilfe massiver Strafzahlungen für Vergehen an der Rampe gerade dahin, perspektivisch automatisiert kommissionieren zu können.

Doch das Feld der Automatisierung sollten Onlinehändler nicht den großen Playern wie Amazon oder Alibaba allein überlassen. Wer fünfstellige Auftragsstückzahlen am Tag zu bewältigen hat, kann dies irgendwann nicht mehr nur mit der Skalierung von Lagermitarbeitern realisieren – und seien es auch nur Saisonspitzen wie Cyber-Week oder Weihnachten. Stattdessen sollten sich Händler schon jetzt mit Automatisierung und Robotics auseinandersetzen und mit kleinen Pilotprojekten frühzeitig ausloten, wie man diese sinnvoll in den Logistikprozess mit einbinden kann.

Die Kosten dafür sinken kontinuierlich und sind weit niedriger als mancher Händler glauben mag. So ist ein Pick-Roboter inzwischen für 30.000 bis 50.000 Euro zu bekommen. Doch muss es nicht nur Picking sein. Mittlerweile sind Roboter in der Lage, nachts bereits Ware auszulagern, die Mitarbeiter dann morgens im Kommissionierbereich bearbeiten können. Follow-me-Roboter können mit Kommissionierwägen für schwere Ware den Mitarbeitern im richtigen Abstand folgen. Und Putzroboter können über Nacht das Lager säubern.

Um Use-Cases für den Einsatz von Robotics zu finden, muss man längst nicht mehr nur über den großen Teich gucken. So nutzt Engelbert Strauss bereits seit 2015 in seinem Frankfurter Retourenlager 75 kleine rote Roboter, die für den Transport von 800 Regalen zuständig sind und so den Mitarbeitern den Weg zur Ware ersparen. Doch braucht es in Deutschland noch mehr innovative Unternehmen, die ihre Logistik automatisieren und sich so Wettbewerbsvorteile verschaffen.

Was also sind abschließend die Key-Parameter einer erfolgreichen Logistik? Planbarkeit, Transparenz der Prozesse, Effizienz der Prozesse und daraus resultierend eine Zuverlässigkeit der Logistik. Dabei sollten Logistik-Kapazitäten basierend auf historischen Daten immer sechs bis zwölf Monate im Voraus geplant werden. Denn die Umsetzung neuer Lager und die Lieferung der benötigten Infrastruktur benötigt derzeit viele Monate Vorlaufzeit. Onlinehändler, die dies berücksichtigen, profitieren von zwei Effekten: Die Kundenzufriedenheit geht nach oben und die Kosten gehen nach unten. Und dann wird über Logistik auch nicht mehr gesprochen.

Power-Tipps für Deine Online Logistik:


1. Gib deiner Logistik eine aktive Stimme im Top-Management
2. Plane deine benötigten Logistikkapazitäten sechs bis zwölf Monate im Voraus
3. Plane dein Tagesgeschäft rollierend für zwei Wochen auf Tagesbasis
4. Stimme Sortimentsanpassungen und Werbeaktionen vorab mit deiner Logistik ab
5. Messe Produktivitäten in der Abwicklung je Bereich und optimiere diese Kennzahlen
6. Beschäftige dich frühzeitig mit Möglichkeiten der Automatisierung und Robotics-Lösungen
7. Bilde motivierte Mitarbeiter zu Springern über alle Funktionsbereiche aus