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Duftmarketing gezielt einsetzen - nicht nur zur Weihnachtszeit

Mit Düften den Kunden verführen.
Gabriele Braun | 23.09.2010

„Die Nase weiß Dinge, die der Verstand nicht kennt“, stellte der Mathematiker und Religionsphilosoph Blaise Pascal (1623-1662) fest. Auch Goethe setzte auf den Duft der Äpfel, die sich in seiner Schreibtischschublade befanden.

Duftmarketing ist ein Bereich des Marketings, in dem mit Zuhilfenahme von Duftstoffen der Absatz von Produkten gesteigert und die Kundenbindung gestärkt wird. Herbeigeführt wird dies durch Duftstoffe, die den Verkaufsraum mit Raumbeduftungsgeräten manipulieren. Auch auf Teilräumen, wie Verkaufstheken oder -regalen, kann mit „Nahbereichsbeduftung“ der Verkauf gezielt gesteigert werden. Die Einbindung von Düften in Drucksachen ist schon lange bekannt. Selbst Klopapier erhält einen „Corporate smell“.

Wissenschaftlich erwiesen ist, dass bei der Verarbeitung von Reizen, die von der Nase aufgenommen werden, sehr alte Teile des Gehirns in Anspruch genommen werden. Für die Sinneswahrnehmung sind die Rezeptorenzellen zuständig. Gleich nach dem Auge mit 120 Mio. Rezeptorenzellen kommt die Nase (20 Mio.) gefolgt vom Schmerz (3 Mio.).

Anja Stör (Universität Potsdam) stellte bei einer Untersuchung von 200 Sportfachgeschäften vor und nach der Beduftung eines Verkaufsraumes eine gesteigerte Kaufbereitschaft um 14,8 Prozent vorlag, 3-6 Prozent wurde mehr Umsatz erzielt. Auch die Beratungsbereitschaft wurde um 18,8 Prozent gesteigert ebenso die Verweildauer um 15,9 Prozent.

Doch was wirkt wie? Anbei einige zusammengetragene Anregungen:

1. Angenehme Gerüche können glückliche Erlebnisse auslösen
Angenehme Gerüche sorgen für angenehme Gefühle. Setzen Sie deshalb auf einen frischen und blumigen Duft wie Meer, Wald, Lebkuchen, Kaffee, Vanille, Zitrus oder Backwaren.

2. Grüne Äpfel verbessern das Büroklima
Georg Ortner, Kölner Begründer des modernen Duftmarketing, schlägt vor Apple Computer nach frischen grünen Äpfel duften zu lassen – dies würde zur Verbesserung des Büroklimas führen.

3. Rosmarin fördert die Durchblutung
Doch nicht nur das, auch die Sauerstoffaufnahme wird verbessert und wir fühlen uns erfrischt und wohl.

4. Zitrusdüfte hellen die Stimmung auf
Dazu zählen etwa Zitrone, Orange, Lemongras oder Limette. Bei Antriebsschwäche kann Mimose helfen, bei Überlastung und Stress der würzig riechende Lorbeer.

5. Lavendel entspannt und harmonisiert
Ist Entspannung und Harmonisierung gefragt, kann auf den Duft des Lavendels zurückgegriffen werden.

6. Orangenduft gegen Angst
In einer Studie der Universität Wien wurde herausgefunden, dass Orangenduft Angst vertreibt. Der Orangenduft wurde bei einer Gruppe im Wartezimmer versprüht, bei einer anderen nicht. Dann wurde diese Gruppen nach ihrem Gefühlszustand gefragt. Obwohl der Duft von den weiblichen Patienten nicht wahrgenommen wurde, waren die weiblichen Patienten wesentlicher ruhiger und angstfreier als die in der anderen Gruppe. Die männlichen Probanden spürten keinen Unterschied. Es wurden ausschließlich naturreine Düfte eingesetzt.

7. Duftlounge für Messen
Hier sitzen Besucher in bequemen Sesseln und betrachten 360-Grad-Projektionen von verschiedenen Regionen und schnuppern dazu die passenden Düfte.

8. Düfte auch außerhalb einsetzen
Wohlgerüche, wie frische Brötchen, Kaffee oder Beerenduft, kann die Kunden bereits auf der Straße verführen. Und nicht zu vergessen der Lebkuchenduft auf dem Weihnachstsmarkt, der jedes Jahr aufs Neue verführt.

9. „Corporate smell“ für die CI
Unternehmen, die etwas auf sich halten lassen sich einen “Corporate smell” für ihr “Corporate Identity” kreieren. So versucht Robert Müller-Grünow, Geschäftsführer von Scentcommunication in Köln, und seine Kollegen unter anderem, für ein Produkt seinen eigenen, unverwechselbaren "Corporate Smell" zu kreieren. Über 4000 verschiedene Düfte haben sie in den vergangenen zwölf Jahren für Markenhersteller kreiert.

10. Düfte wirken wie Medikamente
So hat das Team um Hanns Hatt an der Ruhr-Universität Bochum belegt, dass ein fruchtig, grapefruitähnlicher Duft im Gehirn den gleichen Effekt auslöst wie Valium.

11. Übertreiben Sie nicht
Ein vermehrter Einsatz von Duftstoffen und Aromaölen kann leider auch zu Beschwerden beim Menschen führen, viele leiden unter Allergien. Ein sorgsamer Umgang mit Duftstoffen ist deshalb geboten.


Weiterführende Literatur

Hanns Hatt: Das Maiglöckchen-Phänomen: Alles über das Riechen und wie es unser Leben bestimmt. – 300 S., 19,90 Euro, Piper, 2010.
Patrick Hehn: Emotionale Markenführung mit Duft: Duftwirkungen auf die Wahrnehmung und Beurteilung von Marken. – 276 S., 46,00 Euro, Forschungsforum, 2006.
Hans Knoblich & Bernd Schubert: Marketing mit Duft. – 180 S., Oldenbourg, 2003.
Patrick Süskind: Das Parfum: Die Geschichte eines Mörders. – 319 S., 9,90 Euro, Diogenes Verlag, 1994.

Link-Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Duftmarketing
http://www.duftregie.de/pdf/Duftvortrag-handel.pdf
http://www.fitforfun.de/beauty-wellness/gesundheit/aroma/tiefschlaf-duftende-traeume_aid_6496.html
http://koeln-bonn.business-on.de/duftmarketing-marketing-innovation-duftlounge-duft-synchron-_id15564.html
http://www.sueddeutsche.de/wissen/duftforschung-der-richtige-riecher-1.963016