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Finanzieller Erfolg von Nachrichten-Apps mit Strategie

Finanzierung von Nachrichten-Apps durch User möglich. Allerdings nur eine Nutzenorientierung führt zum Zahlungsmodell wie eine Studie zeigt.
Hans Herrmann | 26.06.2011

Nur eine Nutzenorientierung führt zum Zahlungsmodell.

Die Lust an TV ist ungebrochen. So nahm die Nutzung in 2010 durch-schnittlich auf fast 4 Stunden pro Tag zu. Auf dem deutschen Fernsehmarkt existieren bundesweit mehr als 135 private und 23 öffentlich-rechtliche frei empfangbare Fernsehprogramme. Darüber hinaus gibt es noch ein breites Angebot an Pay-TV-Angeboten. Während weltweit die Anzahl der Nutzer von Bezahlfernsehen zunimmt, ist dies für die Anbieter in Deutschland ein verlustreiches Geschäft.

Kurz und knackig die Nachrichten für unterwegs.
Im Rahmen eines Pre-Tests erwiesen sich die präferenzrelevanten Pro-dukteigenschaften, wie der Preis, die Werbefreiheit, der Informationsge-halt, die Ladezeit, die Aktualität und die Bilder / Videos als ausschlaggebend für die Konsumenten. Wie nicht anders zu erwarten war, dominiert der monatliche Preis der App mit 44 Prozent vor der Werbefreiheit mit knapp 20 Prozent. Das Merkmal Ladezeit der Artikel steht mit einer relati-ven Wichtigkeit von 18 Prozent an dritter Stelle und ist damit für die Nutzer fast genauso wichtig wie das Attribut Werbefreiheit. Wenig relevant ist mit 10 Prozent der Informationsgehalt der Nachrichten sowie deren Aktualität und das Vorhandensein von Mulitmedia mit lediglich 4 Prozent.

Das seit langem vorherrschende Angebot an kostenlosen Nachrichteninformationen führt dazu, dass bei Konsumenten für Gratisanagebote ein Nutzenwert von 73 dominiert. Schon bei einem monatlichen Abonnementpreis von 0,79 Euro verringert sich der Nutzenwert des Infor-mationsportals auf 17 Einheiten. Allerdings steigt dieser Wert bei der Altersgruppe ab 30 auf 24 Einheiten an.

Werbefreiheit steht, wie nicht anders zu erwarten, hoch im Kurs der Kon-sumenten und lässt dann bei weiterer Erhöhung der Werbedichte den Nutzen bzw. deren Wert einer Nachrichten-App aber sinken. Jüngere Nutzer sehen Werbebanner eher weniger kritisch.

Weitere Merkmale, wie Schagzeilenübersicht, laufende Aktualisierungen sowie geringer Einsatz von Bildern und Video, kennzeichnen das weitere Anspruchsniveau an einen Nachrichtenprovider, sind aber nicht entscheidend bei der Wahl einer App..

Chancen für Paid-Content.
Mittels einer Conjoint-Analyse lassen sich hervorragend Marktsimulationen durchspielen. So wurde berechnet, dass beispielsweise bei einem Monatspreis von 0,79 Euro noch ein Marktanteil von 22 Prozent erzielt werden könnte, gegenüber einem Gratisdienst mit 78 Prozent. Werden dagegen Werbebanner zur Finanzierung des Nachrichtendienstes eingesetzt, könnte damit sogar noch ein Marktanteil von 39 Prozent erreicht werden. Der simulierte Marktanteil einer werbeinhaltenden App ist demnach fast doppelt so hoch wie der Marktanteil einer kostenpflichtigen Produktalternative.

Eine Finanzierung des Nachrichtendienstes ist als Geschäftsmodell für die Betreiber unausweichlich. Deshalb kann aus den Ergebnissen auf jeden Fall eine kostenlose App verbunden mit Werbebanner empfohlen werden. Eine aufwendige Gestaltung ist hierbei nicht erforderlich, da diese auf die Präferenzbildung der Nutzer keinen Einfluss haben, wie die Untersuchung gezeigt hat. Strategisch empfiehlt Prof. Frank Huber zusätzlich als Option das Angebot einer kostenpflichtigen App, wobei die Anbieter den potentiellen Käufern dadurch exklusive Zusatzleistungen verbunden mit einer geringen Werbedichte, anbieten müssten. Generell sollen die Konsumenten mit günstigen Einstiegsangeboten die Nutzenvorteile von Paid-Content Produkten gegenüber den Gratisdiensten erfahren. Langfristig kann dadurch sogar die Zahl der Nutzer von kostenpflichtigen Apps erhöht und ihre Zahlungsbereitschaft gesteigert werden. Es ist dabei unerlässlich, dass dieses Ziel nur mit einer gezielten Marketingstrategie zu erreichen ist.

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