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Teilen und tauschen statt besitzen – 25 Geschäftsideen

Die fortschreitende Digitalisierung und der Durchbruch der sozialen Medien führen zu einem elementaren Paradigmenwechsel.
Gabriele Braun | 21.03.2013

Shareconomy war Leitthema der diesjährigen CeBIT. Das Kunstwort wurde von der Deutschen Messe kreiert und leitet sich von Share Economy ab. Der Harvard-Ökonom Martin L. Weitzman prägte diesen Begriff. Die Grundidee von Share Economy besagt: Je mehr Marktteilnehmer untereinander teilen, desto mehr erhöht sich der Wohlstand für alle. Auch der Begriff Collaborative Consumption wird gerne in diesem Kontext genannt.

Das Internet hat sich mittlerweile in allen Lebensbereichen durchgesetzt. Die fortschreitende Digitalisierung und der Durchbruch der sozialen Medien führen zu einem elementaren Paradigmenwechsel. Immer mehr Marktteilnehmer lassen sich vom gemeinsamen Nutzen von Wissen, Erfahrungen und Ressourcen begeistern. Nach einer repräsentativen Umfrage der BITKOM nutzen mittlerweile 97 Prozent aller 14- bis 29-Jährigen bereits selbstverständlich das Netz als Ort zum Teilen von Wissen, Ressourcen und Erfahrungen.
Dies hat auch enorme Auswirkungen auf unternehmerische Prozesse. Schon heute öffnen sich moderne Unternehmen dem Markt. Kundenbewertungen, User-Generated Content, Blogs, Wikis, Crowdsourcing oder Service Communities sind bereits Realität.
Welche Geschäftsmodelle gibt es. Wir möchten Ihnen heute 25 vorstellen.

MOBILITÄT

1. Carsharing
Carsharing hat sich mittlerweile durchgesetzt. Der Bundesverband CarSharing zählt heute 110 Mitglieder von Carsharing-Anbietern bundesweit. Mittlerweile nutzen 500.000 Autofahrer Carsharing-Angebote. Deutschland liegt hier im internationalen Vergleich auf Platz 2. Die umweltfreundliche Autonutzung ist gefragt mit Tendenz steigend. Bekannte Beispiele sind hier: Autonetzer, DriveNow, Flinkster, Car2go.

2. Mitfahrgelegenheit – eine Kooperation mit dem ADAC
Das gibt es schon lange: Mitfahrgelegenheiten. Durch die Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten im Internet ist jedoch vieles einfacher und schneller geworden. Alle Mitfahrten sowie günstige Reisealternativen per Bus, Bahn und Flug werden angeboten.

Hinweis von Stephan Eichenseher: Neben den klassischen Mitfahrzentralen gibt es auch Mitfahrnetzwerke wie flinc. Anders als klassische Mitfahrzentralen ist flinc besonders auf Kurzstrecken und damit für Pendler interessant. GPS-genau vermittelt flinc Fahrten von Tür zu Tür. Auch ist flinc in die Navigationssysteme von Bosch und Navigon integriert (und in den DriveNow Fahrzeugen). Flinc ist kein schwarzes Brett, auf dem Sie lange suchen, sondern sucht selbstständig und innerhalb von Minuten passende Fahrer oder Mitfahrer. Flinc ist kostenlos, auch fallen keine Nutzungsgebühren an. Über 400.000 Fahrten werden jeden Monat über flinc eingestellt.

3. Linienfernbusse greifen Mitfahrzentralen an

Mitfahrgelegenheiten bekommen von Fernbussen Konkurrenz. So will MeinFernbus bis zum Sommer 2013 das größte deutsche Fernbus-Liniennetz anbieten. Busreisen von Heidelberg nach Berlin gibt es schon ab 25,00 Euro. Das Unternehmen arbeitet mit Busunternehmen zusammen. Das Unternehmen wirbt mit CO2-neutralen Reisen sowie mit WLAN kostenlos und Fahrradtransport für 9 Euro pro Fahrt.

4. myTaxi-App verbindet den Fahrgast direkt mit Taxifahrer
Niclaus Mewes und Sven Külper gründeten im Juni 2009 myTaxi. Mittlerweile beschäft das Hamburger Startup 100 Mitarbeiter in Deutschland, Österreich, Schweiz, Spanien, Polen und den USA. Die App gibt es in zwei kostenlosen Versionen. Eine für die Fahrgäste und eine für die Fahrer. Taxifahrer sind nicht an eine Zentrale gebunden. Fahrgäste können bereits während des Bestellprozesses die Telefonnummer, das Bild des Fahrers und die durchschnittliche Fahrerbewertung sehen. Mit dem eingebauten GPS können sie die Anfahrt des Taxis live verfolgen.

5. Waymate für die Reiseplanung
Bei der nächsten Generation von digitalen Reisebüros können Nutzer mobile und am PC alle Möglichkeiten der Fortbewegung von Flug und Zug über Car-Sharing bis zur Straßenbahn auf einen Blick vergleichen. Aktuell werden noch Beta-Versionen getestet. Der Launch ist für den 22. April 2013 angekündigt.

6. Triamizoo – Der Bringservice
Dieser Bringservice funktioniert so ähnlich wie myTaxi. Hier werden aber nicht Fahrgäste transportiert sondern Güter. Die Händler sind über ein Netzwerk mit Kurierdiensten verbunden. So liefert der Mobilitätsdienstleister bereits für Thalia aus. Der Buchhändler testet seit 31.1.13 in Hamburg die Zustellung am selben Tag. Auch die Shoppingplattform luxodo.com liefert mit Triamizoo zum Wunschtermin.

WOHN- UND SCHREIBTISCH-SHARING

7. Mitwohnzentralen
HomeCompany, Verband der Mitwohnzentralen e.V. , bringt Vermittlungsagenturen zusammen in 50 deutschen Städten und in europäischen Metropolen und in den USA. Freier Wohnraum kann weltweit untervermietet werden. Vorabprüfungstests können herausfinden, ob sich Gastgeber und Gast verstehen. Auch können Versicherungen abgeschlossen werden, um Probleme gleich von Beginn an zu vermeiden.
Bekannte Beispiele sind hier http://www.airbnb.de, http://www.9flats.com, http://www.wimdu.de

8. Deskwanted bietet die Nutzung freier Schreibtische
Gemeinschaftsbüros und Coworking Spaces bieten in diesem globalen Netzwerk freie Schreibtische an Selbständige und Freiberufler an. Deskwanded wurde im Jahr 2010 in Berlin von Carsten Foertsch und Joel Dullroy gegründet.

ARBEITEN

9. Jovoto – eine Plattform für kreative Produkte
Das Berliner Startup-Unternehmen jovoto vereint die internationale Kreativ-Community. Auf dem Online-Marktplatz für Kreativideen können Auftraggeber auf eine große Community von 100.000 Kreativen zurückgreifen. So nutzen auch Coca Cola, Renault Trucks, die Frankfurter Buchmesse und Greenpeace für ihre Kampagnen dieses hohe Kreativpotential.

10. Gidsy verbindet Konsumenten
Hier können Privatpersonen an Privatpersonen Dienste anbieten und damit ein Zubrot verdienen, zum Beispiel Graffiti Tour, SEGWAY Tour Berlin, Yoga-Kurse, Kochkurse, urbane Schatzsuche.

11. Guerilla Bakery – Privatpersonen öffnen ihre Küchen
In Wien haben sich drei Frauen auf gutes Essen spezialisiert und teilen diese Vorlieben mit Menschen, die gerne gutes Essen genießen. Guerilla Cooking findet man auch in Berlin, Hamburg, Köln….

12. Kinderfee – Kinderbetreuung nach Wunsch
kinderfee.de ist ein Netzwerk von über 8.000 Babysittern, die einen mehrstufigen Prüfungsprozess durchlaufen, bevor ihr Profil freigeschaltet wird. Viele der Babysitter sind ehemalige Au-pairs, ausgebildete Erzieher oder Studentinnen von pädagogischen Studiengängen. Eine private Unfall-Versicherung für die Kinder ist inklusive.

KUNDENSERVICES

13. giffgaff setzt auf seine Mitglieder
Der relativ junge britische Mobilfunkanbieter giffgaff, gegründet von Gav Thompson, will es auf dem hart umkämpften Mobilmarkt anders machen und setzt auf das Community-Konzept. Auf der Online-Plattform mit Foren und Services werden Fragen innerhalb von 24 Stunden beantwortet und das meist von den Mitgliedern selbst. Genutzt werden die Frequenzen von O2. Damit wird eine Netzabdeckung von 99,9 Prozent erreicht. Mit den Goodybags ab £ 10 bekommt man bereits 250 UK Freiminuten, unbegrenzt UK SMS und 1 GB Internet monatlich. Heute zählt die Community über 170.000 Fans und 22.000 Follower.

14. Hagebau Community-Mitglieder sammeln Taler
Fragen rund ums Heimwerken, Haus und Garten können bei hagebau an die Wissens-Community gestellt werden. Anworten der Mitglieder werden mit Taler belohnt. Zum Monatsende hat jeder einzelne Taler eine Gewinnchance.

15. Hewlett-Packard Kundenforum
Auch bei Hewlett Packard können Kunden im Kundenforum Fragen einstellen und andere HP-Kunden können diese beantworten. Die Besten des Monats werden ausgezeichnet.

16. Hessnatur gründet Kundenrat
hessnatur, ein führendes Naturmodelabel im deutschsprachigen Raum, öffnet sich im Sinne seiner unternehmerischen Transparenz weiter und lädt ab sofort seine Kundinnen und Kunden dazu ein, im neuen hessnatur-Kundenrat mitzuwirken. Der Kundenrat, der aus 100 Kundinnen und Kunden bestehen soll, kommt am 1. Juni 2013 zum ersten Mal in Butzbach am hessnatur-Firmensitz zusammen.

17. Fashion For Home – Kunden bestimmen das Sortiment
Das Sortiment bei Fashion For Home wird vom Kunden beeinflusst. Für ihre Aktivität erhalten diese 10 Prozent auf ihr Lieblingsprodukt.

AUSLEIH-SERVICES

18. Leih-ein-buch.de – ein Online-Bücherei-Portal
Hier leihen sich Mitglieder gegenseitig Bücher aus.

19. Leihdirwas.de – die Verleihplattform für Privatpersonen
Sachen an andere verleihen ist der Grundgedanke von leihdirwas.de. Dinge wie Beamer, Spielekonsolen, Zelte oder Bohrmaschinen können an andere verliehen werden. Dabei ist es egal, wo die Menschen wohnen. Die meisten Sachen werden verschickt.

FINANZIERUNG und VERSICHERUNG

20. Kickstarter – eine Kreativ-Finanzierungsplattform
Auch Kickstarter ist eine Finanzierungsplattform. Allerdings auf kreative Projekte spezialisiert im Bereich Film, Spiele, Musik, Kunst, Design und Technologie. Die Plattform startete bereits 2009 und hat bereits über 500 Millionen Dollar finanziert.

21. 1000x1000.at – Crowdinvesting mit innovativer Finanzierungsform
2012 startete in Österreich die erste Crowdinvesting-Plattform. Hier können sich Mikroinvestoren mit 250 bis 5.000 Euro an ausgewählten Unternehmen beteiligen. Die Investoren werden entsprechend der Höhe ihres Investments mittels Genussscheinen prozentuell am laufenden Ertragswert (jährlicher Gewinn) sowie am Substanzwert im Falle des Unternehmensverkaufs beteiligt. Die Investoren des 1000x1000.at Netzwerkes finanzieren auf diese Weise Projekte mit jeweils bis zu € 100.000,-.

22. Friendsurance – Versicherung mal anders gedacht
Bei Friendsurance tun sich Menschen zusammen, um sich bei Top-Anbietern zu günstigsten Konditionen zu versichern. Das Besondere: Wenn keine – oder nur wenige – Schadensfälle reguliert werden müssen, erhalten Friendsurance-Kunden einen Großteil ihrer Versicherungsbeiträge zurück.

KLEIDER

23. Prêt-à-Louer - Kleider leihen statt kaufen
Hier finden sich zahlreiche Kleider, Taschen und Accessoires. Der gewählte Look wird innerhalb von vier oder acht Tagen geliefert. Nach dem Event wird das Outfit wieder zurückgeschickt. Um die Reinigung kümmert sich Prêt-à-Louer

24. Kleiderkreisel

Kleiderkreisel bietet nicht nur die Möglichkeit Kleider zu verkaufen, sondern auch zu tauschen oder zu verschenken.

25. Kleiderei – Kleider ausleihen
Gegründet wurde die Kleiderei von den Studentinnen Pola Fendel und Thekla Wilkening. Im Hamburger Laden können sich Frauen für 14 Euro im Monat für je eine Woche lang zwei Teile ausleihen. Auf den Kleiderstangen hängen insgesamt 350 Kleiderstücke.


KONGRESS

Diesem Thema wittmet sich auch der Kongress „Sharing Economy“ , der am 13. Mai 2013 in Berlin stattfindet.


WEITERFÜHRENDE LITERATUR

Martin L. Weitzman: The Share Economy. - Harvard University Press; Auflage: 3 rd Edition (1984)

Thomas Schildhauer & Hilger Voss: Crowdsourcing. – In: Gabriele Braun (Hrsg.): Leitfaden Digitaler Dialog. – S. 315-328., 2012.