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Deutsche geben mehr für Urlaub aus als fürs Auto

GfK-Studie: Knapp fünf Prozent der Kaufkraft der Deutschen, rechnerisch 1.020 Euro pro Kopf, fließen in Urlaubsreisen.
GfK SE | 16.03.2017
 

Kreuzfahrten sind dabei vor allem im Norden beliebt, Sport- und Wellnessreisen im Süden. Dies sind Ergebnisse der ersten Studie zur regionalen Kaufkraft für Urlaubsreisen, die GfK zur ITB Touristikmesse in Berlin veröffentlicht.

Im bundesweiten Durchschnitt haben die Deutschen im Jahr 2017 für Urlaubsreisen rund 1.020 Euro pro Kopf zur Verfügung. Das macht knapp fünf Prozent der allgemeinen Kaufkraft – dem verfügbaren Nettoeinkommen – von 22.239 Euro im Jahr 2017 aus. Damit schlagen durchschnittliche Ausgaben für Urlaubsreisen pro Jahr deutlich mehr zu Buche als etwa Autokäufe (835 Euro pro Kopf im Jahr 2016).
Von den fünf einzeln untersuchten Reisetypen verbuchen die Badereisen ans Mittelmeer mit rechnerisch 161 Euro das höchste pro-Kopf-Potenzial, gefolgt von Hochseekreuzfahrten (60 Euro), Städtereisen (57 Euro), Badereisen zu Fernzielen (40 Euro) und Sport-, Wellness- und Aktivreisen (34 Euro). Die restliche Reisekaufkraft fließt in Urlaubstypen wie Rundreisen, Campingurlaube, Bauernhof-Ferien oder Ferienhausurlaube.

Die pro-Kopf-Kaufkraft misst das durchschnittliche, verfügbare Ausgabepotenzial am Wohnort der Konsumenten und bezieht sich auf alle Einwohner einer Region. Dementsprechend gering fällt der rechnerische pro-Kopf Durchschnittsbetrag bei den einzelnen Reisetypen im Vergleich zum Gesamtreisepreis – etwa einer Kreuzfahrt – aus. Eine Ausweisung pro-Kopf erlaubt jedoch den direkten Vergleich zwischen den Kaufkraftpotenzialen je Reisetyp und je Region.

Reisetypen sehr ungleich verteilt
Die Studie zeigt bis zur Ebene von Gemeinden und Postleitzahlen, dass das Potenzial verschiedener Reisetypen sehr ungleich in Deutschland verteilt ist. Selbst auf der Ebene der 402 deutschen Kreise zeigen sich dabei laut Dörte Nordbeck, Head of Travel & Logistics bei GfK in Deutschland, viele Überraschungen: „Die neue Studie zeigt klare Unterschiede des Potenzials je nach räumlicher Struktur, die selbst uns beeindruckt haben. Das Potenzial in Städten ist bei den meisten Reisetypen völlig anders als das in eher ländlichen Regionen. Auch die Unterschiede zwischen Süd- und Norddeutschland, aber auch ost- und westdeutschen Regionen zeigen, dass Reiseanbieter viel Potenzial haben, wenn sie ihr Marketing und ihren Vertrieb räumlich gezielter ausrichten.“

Reisepotenzial in Städten am höchsten
Das Gesamtpotenzial für Urlaubsreisen ist räumlich relativ gleichmäßig verteilt, wenn man die Werte je Einwohner betrachtet. Deutlich stechen allerdings die Städte hervor: Im Ranking der pro-Kopf-Kaufkraft für Urlaubsreisen sind die Top 30 Kreise ausschließlich Stadtkreise.

Die Studie zeigt, dass das regionale Potenzial für Urlaubsreisen zwar mit der Bevölkerungsstruktur und der allgemeinen Kaufkraft zusammenhängt, aber nicht linear. Die Berliner sind etwa zwar bei der allgemeinen Kaufkraft unterdurchschnittlich, liegen jedoch beim Reisepotenzial rund 20 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, nämlich auf Rang zwei hinter den Regensburgern und vor den wesentlich einkommenskräftigeren Münchnern. Sowohl Regensburg als auch Berlin haben eine junge Einwohnerstruktur mit vielen Einpersonenhaushalten.

Deutlich unterdurchschnittlich bei der Reisekaufkraft ist etwa der Landkreis Cloppenburg, der zugleich einer der Landkreise mit dem höchsten Anteil von Familien mit Kindern ist. Hier zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen hoher Haushaltsgröße und geringerer Kaufkraft für Urlaubsreisen.

Rheinische Badenixen und nordische Seefahrtfans
Der Hotspot für Badereisen ans Mittelmeer liegt laut GfK-Studie in Düsseldorf. Die Menschen geben dort 28 Prozent mehr als der Bundesdurchschnitt für diesen Reisetyp aus.

Die Studie belegt die Wahrnehmung vieler Reiseveranstalter: Die Rheinländer sind die größten Badenixen der Nation. In den Top 30 Kreisen nach pro-Kopf-Kaufkraft für Badereisen ans Mittelmeer finden sich 21 Kreise aus Nordrhein-Westfalen. Doch auch die Menschen in Braunschweig, Bremerhaven, Kiel, Hamburg, Berlin oder Leipzig buchen ihre Heimatstädte bis in die Top 30. Mittlere Einkommensgruppen und Familien mit Kindern bevorzugen diesen Urlaubstyp, weil er eine gute Mischung aus Bewährtem, Abwechslung und Erschwinglichkeit bietet. Die Regionen, in denen der Anteil dieser Verbrauchergruppen hoch ist, haben demnach insgesamt ein hohes Potenzial für Badereisen ans Mittelmeer.

Neben der Familien- und Einkommenssituation spielt auch die Altersstruktur einer Region eine wichtige Rolle, welche Reisetypen an welchem Ort ein hohes Potenzial haben. Beim Thema Hochseekreuzfahrt ist das Potenzial im Norden und Osten Deutschlands deutlich überdurchschnittlich – auch in insgesamt einkommensschwachen Gebieten. Gerade in diesen Regionen ist aber auch der Anteil der älteren Bevölkerung, die generell kreuzfahrtaffiner ist, höher. Die Bevölkerungsgruppen, die zugleich zu den einkommensstarken gehören, heben dort somit das Potenzial für Hochseekreuzfahrten deutlich über den Bundesdurchschnitt an.

„Hochseekreuzfahrten erfreuen sich zwar seit einigen Jahren auch bei jüngeren Zielgruppen wachsender Beliebtheit. Aber der Wachstumsgarant sind sie, zumindest bisher, keineswegs überall und für alle“, kommentiert Dörte Nordbeck.

Die Kaufkraft für Hochseekreuzfahrten liegt etwa in Berlin 46 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, im reichen München hingegen nur fünf Prozent. Im ebenfalls wohlhabenden Baden-Baden liegt die Kaufkraft für Kreuzfahrten sogar zehn Prozent unter dem deutschen Durchschnitt.

Auch bei Reisen: Wozu in die Ferne schweifen?
Nicht zuletzt zeigt die Studie auch beim Thema Reisen die Wichtigkeit des Faktors Nähe beziehungsweise Erreichbarkeit: Dass die nordostdeutschen Regionen eine hohe Kaufkraft für Hochseekreuzfahrten aufweisen, liegt neben den oben genannten Faktoren auch an der guten Erreichbarkeit der wichtigen Abreisehäfen – von Hamburg über Kiel bis Rostock. Die Beliebtheit von Sport-, Wellness- und Aktivreisen in Süddeutschland ist auch auf die Alpennähe mit vielfältigen Wintersport- und Wanderoptionen zurückzuführen.


Die Studie „GfK Urlaubsreisenkaufkraft Deutschland 2017“ basiert auf dem Mobilitätsmonitor, welcher anonymisiert die Reiseausgaben einer repräsentativen Stichprobe von rund 19.000 Haushalten in Deutschland misst. Erfasst werden private, vorab gebuchte Reisen mit mindestens einer Übernachtung. Auf Basis dieser Verbraucherinformationen kann der Bereich Geomarketing von GfK über geostatistische Modellierungen eine regionale Kaufkraft für verschiedene Urlaubsreisetypen ausweisen. Die neue Studie untersucht neben der allgemeinen Kaufkraft für Urlaubsreisen das Potenzial für Badereisen am Mittelmeer, Badereisen zu Fernzielen, Hochseekreuzfahrten, Sport-/Wellness-/Aktiv-Reisen sowie Städtereisen. Die Daten liegen flächendeckend für alle administrativen und postalischen Gebietseinheiten vor – von den Bundesländern über Kreise und Gemeinden bis hin zu 5-stelligen Postleitzahlen und Straßenabschnitten.

Die Kaufkraft wird als nominaler, das heißt nicht inflationsbereinigter, Prognosewert ausgewiesen. Sie bezieht sich auf den Wohnort der Verbraucher. Die Daten stellen Durchschnittswerte für alle Einwohner bzw. Haushalte einer Region dar.