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IfW Konjunkturprognose: Konjunktur kühlt ab, aber Krise noch nicht in Sicht

Konsumausgaben wirken stimulierend, Rezession droht nicht. Euroraum und Weltwirtschaft leicht gedämpft.
Konjunktur kühlt ab, aber Krise noch nicht in Sicht © Pixabay / echosystem
 

Die Flaute vom letzten Halbjahr wirkt nach. Die Konjunkturforscher des IfW Kiel revidieren ihre Vorhersage für die Zuwachsrate des deutschen BIP für 2019 von bislang 1,8 Prozent auf 1,0 Prozent. Für 2020 rechnen sie unverändert mit einem Zuwachs von 1,8 Prozent. Die gesamtwirtschaftliche Kapazitätsauslastung bleibt jedoch trotz konjunktureller Abkühlung überdurchschnittlich hoch. Die Überschüsse der öffentlichen Haushalte dürften deutlich sinken.

In ihrer aktuellen Konjunkturprognose rechnen die Forscher des Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel) in der ersten Jahreshälfte zwar mit Aufholeffekten nach den Produktionsausfällen im letzten Jahr durch das Niedrigwasser und den neuen PKW-Prüfstandard WLTP. Dennoch revidieren sie ihre Prognose für den Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes (BIP) auf Jahressicht um 0,8 Prozentpunkte deutlich nach unten auf nunmehr 1,0 Prozent.

Maßgeblich dafür ist auch der schwache Jahresauftakt in der Industrie. Außerdem belasten politische Unsicherheiten, Handelskonflikte und die Unklarheit über den wirtschaftlichen Zustand Chinas den Ausblick. Auch die Stagnationsphase der vergangenen zwei Quartale wirkt nach und drückt den jahresdurchschnittlichen Zuwachs, ohne diesen statistischen Effekt wäre die Rate höher.

„Die deutsche Konjunktur zeigt deutliche Bremssignale, die sich auch in den öffentlichen Haushalten bemerkbar machen werden. Aber derzeit spricht nichts für einen abrupten Einbruch der Konjunktur oder gar eine Rezession. Deshalb bleibt auch die Beschäftigungssituation stabil“, sagte IfW-Präsident Gabriel Felbermayr.

Für 2020 rechnen die Experten unverändert mit einem Zuwachs von 1,8 Prozent, der relativ hohe Wert rührt auch von der hohen Anzahl an Werktagen, die rechnerisch 0,4 Prozent ausmachen. „Das reine Zahlenwerk stellt die konjunkturelle Dynamik in diesem Jahr schlechter, im kommenden Jahr besser dar, als sie eigentlich ist“, sagte Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums am IfW Kiel. „Die deutsche Wirtschaft kühlt ab, aber sie friert noch nicht. Die Überauslastung der Kapazitäten bildet sich zurück, aber die Normalauslastung wird nach derzeitigem Stand auch im nächsten Jahr nicht unterschritten.“

Die Ausfuhren legen nur moderat zu, auch wenn die Zuwachsrate mit 2,8 Prozent den schwachen Wert des Vorjahres (+ 2 Prozent) übertrifft. Die Investitionsdynamik dürfte im Einklang mit der schwächeren Konjunktur etwas nachgeben, aber nicht einbrechen. Der Beschäftigungsaufbau nimmt zwar weiter zu, verlangsamt sich aber deutlich. Die Zahl der Beschäftigten steigt um 450.000 in diesem und 330.000 im kommenden Jahr (nach einem Plus von 570.000 im Jahr 2018). Die Arbeitslosenquote sinkt auf 4,8 Prozent (2019) bzw. 4,6 Prozent (2020).

Konsumausgaben wirken stimulierend, Rezession droht nicht



Stimulierend für die Konjunktur wirken vor allem die privaten und öffentlichen Konsumausgaben. Ursächlich hierfür sind stark steigende Löhne und Gehälter sowie zahlreiche Abgabensenkungen und Leistungsausweitungen des Staates. Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte legen in beiden Prognosejahren weiterhin kräftig um jeweils fast 3,5 Prozent zu. Hinzu kommen Maßnahmenpakete der öffentlichen Hand wie die Umsetzung des Digitalpakts, Anschaffungen für Verteidigung oder Investitionen etwa in den Breitbandausbau. Weiterhin hoch bleibt die Bautätigkeit mit jährlichen Zuwachsraten von 2,8 Prozent (2019) und 3,2 Prozent (2020), wobei die Baupreise mit Raten um die 5 Prozent weiter kräftig anziehen dürften.

Die Überschüsse der öffentlichen Haushalte gehen aufgrund umfangreicher Maßnahmenpakete zurück. Nach dem Rekordüberschuss von 58 Mrd. Euro 2018 dürften sie in diesem und nächsten Jahr nur noch bei 41 bzw. 26 Mrd. Euro liegen. Der Leistungsbilanzsaldo in Relation zum BIP wird im Prognosezeitraum wohl auf einem Niveau von über 7 Prozent verbleiben.

„Die Abkühlung der deutschen Konjunktur ist stabilitätspolitisch unbedenklich, da zunächst nur die Überauslastung der Kapazitäten nachlässt. Eine Rezession droht noch nicht, diese geht typischerweise mit einem abrupten Einbruch der unternehmerischen Investitionstätigkeit einher, die sich bislang aber nicht abzeichnet. Möglicherweise fällt nach dem langgestreckten Aufschwung jetzt auch der Abschwung weniger spektakulär aus“, sagte Kooths.

Euroraum und Weltwirtschaft leicht gedämpft



Auch für die Konjunktur im Euroraum und die Weltkonjunktur erwarten die Forscher nun geringere Zuwächse als bislang. Das BIP im Euroraum wird 2019 wohl um 1,2 Prozent zulegen, bislang erwarteten die Experten 1,7 Prozent. 2020 erwarten sie unverändert, dass sich der Produktionsanstieg leicht um 1,5 Prozent erhöht. Trotz der Eintrübung bleibt die Arbeitslosenquote rückläufig und dürfte nächstes Jahr den historischen Tiefstand von vor der globalen Finanzkrise unterschreiten. Die Verbraucherpreise dürften mit 1,3 Prozent im laufenden und 1,5 Prozent im kommenden Jahr weiter nur moderat zulegen, so dass frühestens im Jahr 2020 mit einer ersten Zinserhöhung seitens der Europäischen Zentralbank zu rechnen ist.

Das weltwirtschaftliche Expansionstempo dürfte sich im Vergleich zu den beiden Vorjahren deutlich verringern, mit einem Einbruch rechnen die Experten angesichts einer insgesamt expansiven Geld- und Fiskalpolitik aber nicht. Für 2019 und 2020 revidieren die Forscher ihre Vorhersage um 0,1 Prozentpunkte nach unten und gehen nun von einem Zuwachs der Weltproduktion von jeweils 3,3 Prozent aus, nach 3,7 Prozent im Jahr 2018.