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Gesundheitskarte: Europa hängt Deutschland ab

Diskussion um Kosten schadet dem Standort / Andere Länder bauen Vorsprung weiter aus

Berlin, 21. September 2006
Die Diskussion um die Kosten der elektronischen Gesundheitskarte schadet dem Wirtschaftsstandort Deutschland. „Hier wird die Chance vergeben, mit einem Vorzeigeprojekt die Effizienz und Transparenz im Gesundheitswesen zu erh&ouml;hen“, sagte Willi Berchtold, Pr&auml;sident des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) heute in Berlin. Vizepr&auml;sident J&ouml;rg Menno Harms erg&auml;nzte: „W&auml;hrend viele L&auml;nder l&auml;ngst entsprechende Projekte gestartet haben, wird die Gesundheitskarte hier zu Lande zugrunde geredet“. Eine Untersuchung der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton hatte zuvor angedeutet, die Einf&uuml;hrung der Karte werde deutlich teurer als geplant. „Die Studie arbeitet allerdings mit unvollst&auml;ndigen Annahmen und Zahlen. Daraus ergeben sich verzerrte Schlussfolgerungen“, sagte Harms. Schon deshalb d&uuml;rfe die Studie nicht instrumentalisiert werden.



Unumstritten ist, dass sich mit der elektronischen Gesundheitskarte j&auml;hrlich mehrere hundert Millionen Euro einsparen lassen. „In einem Gesundheitssystem, das unter der Ausgabenlast leidet, m&uuml;ssen solche Potenziale konsequent genutzt werden“, forderte Harms. Letztlich gehe es aber auch um den Innovationsstandort Deutschland. „Wenn wir in Deutschland zu lange warten, werden wir in wenigen Jahren die L&ouml;sungen nur noch aus dem Ausland einkaufen“, sagte Berchtold. Dabei h&auml;tten die deutschen Unternehmen inzwischen beachtliche Vorarbeiten f&uuml;r die Gesundheitskarte geleistet. Berchtold: „Ihre Vorinvestitionen belaufen sich auf circa 50 Millionen Euro.“

Dass andere L&auml;nder weiter sind, belegt auch eine neue Studie des BITKOM. Danach haben bereits sechs europ&auml;ische L&auml;nder eine Gesundheitskarte oder &auml;hnliche Projekte eingef&uuml;hrt, zehn weitere planen das. Beispiele:

n Gro&szlig;britannien: Der National Health Service hat mit dem „National Programme for IT“ eine der weltgr&ouml;&szlig;ten IT-Investitionen gestartet. Geplant ist eine breitbandige Vernetzung der niedergelassenen &Auml;rzte, Kliniken und Apotheker. Das Projekt umfasst unter anderem die Einf&uuml;hrung des elektronischen Rezepts, der elektronischen Patientenakte und der elektronischen Abrechung.

n Italien: In der Region Lombardei gibt es ein chipkartenbasiertes System f&uuml;r neun Millionen Versicherte. Die Gesundheitskarte enth&auml;lt alle wichtigen Notfalldaten des Patienten – wie zum Beispiel die Blutgruppe oder m&ouml;gliche Allergien gegen Medikamente. S&auml;mtliche Patienten- und Behandlungsdaten lassen sich elektronisch erfassen und weiterverarbeiten.

n D&auml;nemark: Schon seit l&auml;ngerem verwenden die D&auml;nen elektronische Patientenakten. Laut einer Untersuchung tauschen inzwischen 100 Prozent der Apotheken und der Kliniken sowie 92 Prozent der niedergelassenen &Auml;rzte medizinische Dokumente elektronisch aus. Allein bei einzelnen &Uuml;berweisungen werden die Einsparungen auf bis zu f&uuml;nf Euro gesch&auml;tzt.

Harms forderte die Beteiligten auf, sich f&uuml;r eine schnelle Einf&uuml;hrung der Gesundheitskarte auch in Deutschland einzusetzen. „Zum einen kann so die medizinische Versorgung verbessert werden“, sagte er, “zum anderen haben wir noch immer die Chance, die Grundlagen f&uuml;r ein Vorzeigeprojekt mit Weltmarktpotenzial zu legen.“

Ansprechpartner
Stephan Kahl
Pressesprecher Public Sector &amp; Neue M&auml;rkte
+49. 30. 27576-119
Fax +49. 30. 27576-400
s.kahl@bitkom.org

Dr. Pablo Mentzinis
Bereichsleiter Public Sector
+49. 30. 27576-139
Fax +49. 30. 27576-808
p.mentzinis@bitkom.org

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. vertritt mehr als 1.000 Unternehmen, davon 800 Direktmitglieder mit etwa 120 Milliarden Euro Umsatz und 700.000 Besch&auml;ftigten. Hierzu z&auml;hlen Ger&auml;tehersteller, Anbieter von Software, IT-Services, Telekommunikationsdiensten und Content. Der BITKOM setzt sich insbesondere f&uuml;r bessere ordnungsrechtliche Rahmenbedingungen, eine Modernisierung des Bildungssystems und eine innovationsorientierte Wirtschaftspolitik ein.