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Technology Review: „Bürokratie keine Ausrede für findige Existenzgründer“

Wirtschaft sieht das anders - Eigenverantwortliche Unternehmer werden in Deutschland ausgebremst
marketing-BÖRSE | 31.07.2006

Hannover/Heidelberg, www.ne-na.de - Widrige Rahmenbedingungen sollten Erfinder nicht schrecken. Diese Ansicht vertritt Falk Strascheg, einer der ersten Wagniskapitalgeber in der Bundesrepublik, im Gespr&auml;ch mit dem Magazin Technology Review http://www.heise.de/tr/. „Wenn man die richtigen Voraussetzungen mitbringt, dann ist es egal, wo man seine Unternehmen gr&uuml;nden will. Wer schon an den Formalit&auml;ten scheitert, wird den Rest erst recht nicht schaffen.&quot; Aus Deutschland k&auml;men reichlich patentierte Erfindungen, bislang werden jedoch nur relativ wenige erfolgreich vermarktet. Allerdings w&auml;chst die Hoffnung, dass sich das &auml;ndert: Strascheg erwartet nach eigenen Angaben „in den n&auml;chsten Jahren eine Gr&uuml;nderwelle&quot;. Zudem habe das Gesch&auml;ftsklima f&uuml;r Investitionen in junge Unternehmen in diesem Fr&uuml;hjahr einen Rekordstand erreicht. In der Wirtschaft wird dieser Optimismus nicht geteilt: „Die Ansichten von Herrn Strascheg sind an Naivit&auml;t kaum zu &uuml;bertreffen. Die Zahl der Firmengr&uuml;ndungen hatte nur eine kurze Zeit Hochkonjunktur w&auml;hrend des New Economy-Booms. Der neue Unternehmergeist ist allerdings schnell verflogen. Daf&uuml;r war allerdings nicht nur der Crash des Neuen Marktes verantwortlich, sondern auch die autorit&auml;ren Strukturen in Wirtschaft, Verwaltung und Politik. Eigenverantwortung, freier Wettbewerb, Selbst-Management und Privatinitiative z&auml;hlen nicht gerade zur deutschen Leitkultur. Mit unserer Beamten- und BAT-Mentalit&auml;t kommen wir nicht sehr weit. Im System der Wissenschaft erzeugtes Wissen muss unternehmerisches Wissen werden. &Ouml;ffentlich-rechtliche Elfenbeint&uuml;rme k&ouml;nnen wir uns nicht mehr leisten. Alle staatlichen Einrichtungen und auch die Hochschulen m&uuml;ssen sich als ‚katalytischer’ Unternehmer verstehen. Ein Blick zum MIT in Boston, zur Universit&auml;t Cambridge oder zu israelischen Universit&auml;ten gen&uuml;gt, um zu verstehen, wo die Reise hingehen muss“, fordert Michael M&uuml;ller, Experte f&uuml;r Dienstleistungs&ouml;konomie und Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der a &amp; o-Gruppe, die sich auf IT-Dienstleistungen spezialisiert hat.



„Das Titelbild der Augustausgabe von Technology Review zum Thema ‚Deutschland, deine Erfinder’ zeigt fast nur '&auml;ltere' Herren und belegt, wie sehr viele redaktionelle Ansichten an der Realit&auml;t des Standorts Deutschland vorbeigehen“, kritisiert der Heidelberger Firmengr&uuml;ndungsexperte Frank Rinn vom Heidelberger Ingenieurb&uuml;ro Rinntech http://www.rinntech.com. Deutschland sei nicht nur hoch entwickelt und arbeitsteilig sei, sondern dar&uuml;ber hinaus auch noch extrem reguliert durch Gesetze und Verordnungen. „Innovationen bedeuten dann nicht nur Umsatzverluste etablierter Marktteilnehmer oder Kompetenzverluste von Beh&ouml;rden oder Verb&auml;nden, sondern auch die Notwendigkeit, Regulationen zu &auml;ndern. Und das kann Jahre bis Jahrzehnte dauern, vor allem auch, weil die etablierten Marktteilnehmer in Gremien und Verb&auml;nden etabliert sind und Einfluss auf zust&auml;ndige Beh&ouml;rden haben, die f&uuml;r Regulierungen zust&auml;ndig sind. Viele Innovationen k&ouml;nnen sich in Deutschland nicht etablieren, weil ihnen Verordnungen entgegenstehen oder die Einstiegsh&uuml;rden zu hoch sind“, wei&szlig; Rinn. F&uuml;r manche Produktinnovationen sei beispielsweise eine beh&ouml;rdliche Zulassung mit extrem hohen Kosten und enormem Zeitverlust verbunden. „Hinzukommen oftmals unglaubliche B&uuml;rokratiehindernisse - nicht nur solche, die auf Dr&auml;ngen und mit Unterst&uuml;tzung von etablierten Marktteilnehmern aufgebaut wurden, auch um unliebsame Konkurrenz zu unterdr&uuml;cken. Warum erfolgt die Stellenzuweisung von Bau&auml;mtern in Abh&auml;ngigkeit von deren Umsatz? Solange staatliche Strukturen wie auch Honorarordnungen Verschwendung beg&uuml;nstigen und Einsparungen bestrafen, werden viele Innovationen weiterhin immanent blockiert“, kritisiert Rinn. So brauche man oft Jahre, um eine Zulassung f&uuml;r ein energiesparendes Heizsystem zu bekommen. „Zudem werden Monopole wie das Gr&uuml;ne Punkt-M&uuml;lltrennungssystem durch den Staat gesch&uuml;tzt, obwohl der freie Markt die &ouml;kologisch und &ouml;konomisch besseren L&ouml;sungen bereits hervorgebracht hat, wie beispielsweise mit dem Trockenstabilatsystem“, so Rinn.



Der &ouml;ffentliche Ruf nach echten Innovationen wirke insofern wie der Wunsch, sich zu waschen ohne dabei nass zu werden: „Angeblich wollen alle Innovationen, wenn diese aber kommen, dann schreien die Betroffenen, k&auml;mpfen still und heimlich, um die Innovationen zu unterdr&uuml;cken oder zu verhindern. Solange Besitzstandswahrung bei uns nicht nur ein verst&auml;ndliches individuelles Streben ist, sondern die Grundlage eines staatlichen und beh&ouml;rdlichen Regulierungswahns, werden es echte Innovationen weiterhin schwer haben“, sagt Rinn. Da n&uuml;tzen auch angebliche Risiko-Milliarden wenig, so lange die Mehrzahl der Investoren und Business Angel wie die Lemminge dem Investitions-Mainstream folgen. „Was Deutschland braucht sind mehr eigenverantwortliche Unternehmer, die steuerlich nicht noch daf&uuml;r bestraft werden, dass sie im Gegensatz zu angestellten Managern pers&ouml;nliche Verantwortung &uuml;bernehmen. Unternehmer brauchen Kapital und ab und zu auch etwas &ouml;ffentliche Anerkennung ihrer Risikobereitschaft und ihres Engagements. Was wir nicht brauchen sind Manager, die mithilfe astronomischer Abfindungen von Job zu Job springen und ebenso wenig brauchen wir Beh&ouml;rden, die nur um ihre Existenz und Gr&ouml;&szlig;e dauerhaft zu rechtfertigen an &uuml;berkommenen Regeln und Strukturen festhalten. Die f&uuml;r den Ausbau echten Unternehmertums notwenigen steuerlichen &Auml;nderungen sind seit langem bekannt, bleiben aber in den Schubladen, denn die praktizierte Politik ist nichts anderes als das Ergebnis der lobbyistischen Einflusskr&auml;fte aus Gro&szlig;industrie, Verb&auml;nden und Beh&ouml;rden“, so Rinn. Solange es diesen bestimmenden Kr&auml;ften gut gehe, haben sie keinen Anlass zu &Auml;nderungen. Ein amerikanischer Unternehmerkollege von Rinn meinte dazu: &quot;The Germans only learn the hard way.&quot;


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