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Maximaler Profit, minimales Risiko

Als Logistik-Dienstleister für ausländische Händler agiert Amazon in einer Rechtslücke: Marktüberwacher können die Ware nicht kontrollieren.
Maximilian Bach | 12.09.2015

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Eine Rechnung mit Angabe der Mehrwertsteuer, das kann doch nicht zu viel verlangt sein, dachte Peter H. Der Unternehmer hatte bei einem Amazon-Händler namens „ZookkiDirect-DE“ Kamera-Zubehör bestellt. Das Paket kam schnell an, allerdings ohne Rechnung.

H. hakte per E-Mail beim Händler nach. Die Antwort verblüffte ihn: „Es tut uns so leid, aber wir können die Rechnung nicht leisten. Denn unsere Produkte werden im Zoll besteuert und von Amazon verschickt.“ Erst jetzt wurde H. klar: Er hatte es mit einem chinesischen Verkäufer zu tun, der seine Produkte bei Amazon in Deutschland lagert. Und der offensichtlich nicht weiß, dass er in Deutschland neben Einfuhrumsatzsteuer auch Umsatzsteuer zahlen und Rechnungen ausstellen muss. H. fragte auch bei Amazon nach, wurde dort aber wieder an den chinesischen Händler verwiesen.

Die Geschichte ist für H. mittlerweile nur noch ein kleines Ärgernis, aber sie steht beispielhaft für eine gigantische Wettbewerbsverzerrung im Online-Handel: Amazon lagert und verschickt immer mehr Ware, für die bei Problemen niemand Verantwortung übernimmt. Denn Amazon muss als Logistik-Dienstleister weder Kontrollen zulassen noch Sanktionen fürchten. Und die Händler sitzen in China, außerhalb der Reichweite deutscher Behörden. Das Nachsehen haben Händler mit Sitz in Deutschland oder der EU: Nur sie müssen tatsächlich Konsequenzen fürchten, wenn sie gegen Sicherheitsanforderungen verstoßen oder Steuern hinterziehen.

„Fulfillment by Amazon (FBA)“ beziehungsweise „Versand durch Amazon“ nennt Amazon seinen Logistik-Service. Dabei lagert, verpackt und verschickt das Unternehmen die Ware anderer Händler. Das kostet 1,60 bis 5,66 Euro pro Produkt, je nach Größe und Gewicht, unabhängig vom Preis. Hinzu kommen Lagergebühren von 12,50 bis 18 Euro pro Monat und Kubikmeter.

Händler, die schon ein Verkäufer-Konto bei Amazon haben, können FBA mit ein paar Mausklicks aktivieren. Die Nachfrage wächst in atemberaubendem Tempo: Allein im Jahr 2014 stieg die Zahl der FBA-Händler weltweit um 65 Prozent. Die Zahl der Händler aus China und Hongkong, die über Amazon international verkaufen, legte sogar um 80 Prozent zu.

Den Transport aus China in die deutschen Amazon-Lager organisieren Speditionen. „Die Logistik ist kein Problem“, schreibt ein chinesischer Händler. „UPS, DHL, 4PX und viele andere Unternehmen helfen dabei, Waren direkt zu Amazon zu schicken.“

In vielen Produktkategorien auf Amazon.de dominieren Verkäufer von außerhalb der EU schon das Angebot. Sucht man zum Beispiel nach „Selfie Stick“, erscheinen auf den ersten beiden Seiten sechzehn Angebote aus China, vier aus den USA, vier aus England und nur sieben aus Deutschland.