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Mit Diplomatie zum Ziel

Praxisnaher Einblick in die Kunst der Diplomatie und Wegweiser, wie wir unser diplomatisches Geschick im Alltag verbessern können.
Autor: Stéphane Etrillard,
Verlag: Gabal Verlag
2013, 252 Seiten, 24,90 Euro ISBN: 9783869364735
Rezension von ErfolgX

Die Kunst der Diplomatie ist nur für die Beziehungen und Verhandlungen zwischen den Staaten unerlässlich – gerade unter angespannten Bedingungen. Sie hat die Absicht, die eigenen Zielsetzungen zu erreichen, ohne dabei die Beziehung zum Gesprächspartner zu belasten.

Ist das nicht auch für unsere alltägliche Kommunikation im Unternehmen und privaten Umfeld relevant? Ganz gleich, ob mit Kollegen, Vorgesetzten, Freunden, Familienmitgliedern oder Lebenspartnern: Wie kann es uns gelingen, keine Partei als Verlierer dastehen zu lassen und die unterschiedlichen Interessen unter einem Hut zu bringen? Wie können wir hart in der Sache sein, jedoch freundlich und verbindlich im Stil?
Stéphane Etrillard vermittelt uns, wie wir unser diplomatisches Geschick im Alltag verbessern können. Welche sozialen Kompetenzen dafür nötig sind. Und wie sich Diplomatie ganz konkret in unserer Sprache und in unserem Verhalten ausdrückt. Anhand konkreter Beispiele gibt der Autor Tipps, wie schwierige Gespräche zu meistern sind, die eigenen Emotionen kontrolliert werden können und mit Emotionen des Gegenübers umzugehen ist.

Allgemeinverständlich und nachvollziehbar geschrieben, animiert das Buch dazu, die Erkenntnisse u.a. aus der Rhetorik in täglichen Gesprächssituationen anzuwenden. Zunächst beleuchtet Etrillard, wie Streit entsteht – oft sind es belanglose, unbedachte Situationen, die einen Konflikt auslösen können. Mehr Fingerspitzengefühl – oder Diplomatie – kann Eskalationen verhindern. Ein Zaubermittel ist sie jedoch nicht, sagt der Autor.
Wertvoll ist z. B. das Kapitel „Das gute Gespräch“. Unser Leben ist voller Gespräche, die von Missverständnissen, Irritationen, Unaufmerksamkeit geprägt sind. Da lohnt es sich, sich einmal Gedanken darüber zu machen, wie das Miteinander Reden tatsächlich gelingen kann. Und sich klar zu machen, dass es neben der Sache immer auch um die Beziehung der Gesprächspartner geht – und der eigenen Einstellung zum Gegenüber. Dazu gehört z.B., ihn ernst zu nehmen und auf Augenhöhe wahrzunehmen, sich um Zuhören und Verstehen zu bemühen. Auch einmal Einsicht zeigen. Kurz: Wertschätzung zu zeigen. Dann gelingt ein gutes Gespräch.
Sicherlich stand jeder schon einmal mit mulmigem Gefühl vor einem heiklen Gespräch. Hier erst wird die Diplomatie zur Kunst, denn diese Gespräche kosten Überwindung, wir gehen ihnen oft aus dem Weg. Etrillard betont hingegen, wie wichtig es ist, sie zu führen: „Viele Schwierigkeiten, Kränkungen, Missverständnisse, Verletzungen und Konflikte (…) sind das Ergebnis nicht geführter oder misslungener Gespräche über heikle Themen.“ Das Buch weist Wege, wie man im Dialog bleibt, die auf viel Verständnis für den Leser basieren und doch mutige Schritte erfordern.

Pluspunkte der Buchgestaltung: Kästen mit Checklisten, z.B. „Worauf es beim Small Talk ankommt“ und Hintergrundwissen, z.B. „Veränderungen sind oft mit Ängsten verbunden“. Auch die Marginalien bieten einprägsame Merksätze zu jeder Buchseite.
Minuspunkt könnte die Kürze einiger Kapitel sein, die auf Kosten der Tiefe geht. Doch im Ganzen wird das Thema umfassend behandelt und bietet einen sehr guten Zugang auch für „Diplomatie-Neulinge“.