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Frag doch den Einstein!

Wie Bemerkungen von gestern, Führungskultur von heute inspirieren können.
Barbara Graber | 02.07.2012




„Es ist doch immer wieder das Selbe,“ jammert ein Coaching Klient, der heute zum Erstgespräch in den Quantenraum gekommen ist, um über mögliche Unterstützung in und Begleitung durch die momentan triste Situation zu sprechen. Er ist erfolgreicher Personalchef eines weltweit tätigen Konzerns. Verantwortlich für hunderte MitarbeiterInnen im In- und Ausland. „Die Probleme wiederholen sich einfach“, erklärt er mir. „Es gelingt mir nicht, Harmonie unter den Führungskräften zu schaffen, immer wieder gibt es Zwistigkeiten, weil einer den anderen nicht ausstehen kann oder glaubt irgendwas besser zu wissen. Es ist doch nicht so schwer zu verstehen, dass wir geschlossen auftreten müssen und Einigkeit demonstrieren, nach unten. Auf unterschiedliche Pferde zu setzten hat noch nie etwas gebracht. Ach, wann werden die endlich vernünftig…?“

Geknickt sitzt der Endvierziger mir gegenüber und seufzt aus tiefster Seele. Während er über ellenlange Sitzungen ohne Ergebnis erzählt, über Menschen, die angeblich nicht „funktionieren“, über die Last, die deshalb auf seinen Schultern liegt und über die schwindende Lebens- und Arbeitsfreude.

„Ich hab das Gefühl, die Leute vertrauen mir nicht mehr so recht. Dabei hab ich doch so viel Erfahrung und weiß, wie es geht, die vorgeschriebenen Ziele und Zahlen zu erreichen; da lassen sich manch unpopuläre Entscheidungen eben nicht vermeiden – auch über die Köpfe hinweg.“

„Stimmt!“ antworte ich gelassen, um den Mann gleich darauf ein wenig aus der Fassung zu bringen: „Festgefahrene Strukturen erlauben keine Bewegung. Und Wachstum braucht stets auch Freiraum, in den hinein man sich entfalten kann. Wo genau ist dieser Raum in Ihrem Unternehmen?“

Schweigen. Langes Schweigen. Denken.
Dann folgte Arbeit. Viel Arbeit. An eigenen Denk- und Verhaltensweisen, am Schaffen von Räumen, die Persönlichkeiten zu Geltung kommen ließen, daran Vertrauen zurück zu gewinnen und daran, den Spaß-Faktor und die Freude wieder zurück in die Arbeitswelt zu bringen.

Der letztendliche Erfolg des Unterfangens war die sprichwörtliche Folge von vielen kleinen und größeren Veränderungen; erarbeitet und in Gang gesetzt in Coachings, Meetings und Workshops an unterschiedlichsten Orten, mit unterschiedlichsten Menschen aber mit einer Grundidee:

Aus Erkenntnissen und Bemerkungen Albert Einsteins, des wohl schrulligsten, humorvollsten und bekanntesten Quantenphysikers seiner und unserer Zeit, zu lernen. Wie kein anderer hat er es verstanden, bei aller Ernsthaftigkeit, die seine Forschung uns Arbeit erfüllte, auch die jeweils anderen Seiten der Medaillen mit Offenheit und oft mit einem Augenzwinkern zu betrachten.

Hier 7 einsteinsche Weisheiten und ihr Bezug zur heutigen Business-Welt:


1.
Die Moderne Physik weiß längst, dass es „Materie“ nicht gibt. Alles Leben, so sagt sie, ist Beziehungsstruktur. Das heißt also, es entstehen unterschiedlichste Erscheinungsformen, die wir Materie nennen, bloß aufgrund von besonderen Anordnungen der einzelnen Teilchen zueinander.
Das ist auch bei uns Menschen so: Wie wir zueinander stehen, bestimmt, wie und als was wir von außen wahrgenommen werden. Je besser es uns gelingt, unsere Beziehungen – also das, was zwischen uns ist- zu gestalten, ohne den anderen verändern und nach unserer Vorstellung Formen zu wollen, desto harmonischer können wir zusammen leben und arbeiten. Desto besser können wir uns dem Zweck unserer Zusammenarbeit widmen: dem gemeinsamen Erfolg.

Albert Einstein sagt dazu: „Nicht auf Personen kommt es an, sondern auf Werke im Dienste der Gemeinschaft!“

TIPP: Schaffen Sie in Ihrem Unternehmen Sensibilität für Beziehungsstrukturen.

2.
„Wer hätte das gedacht?“ Kollege Fermann weiß die Lösung, obwohl er gar nicht mit diesem Gebiet beschäftigt ist. Staunen geht durch die Mannschaft.- Den hätte man ja nun wirklich nicht gefragt. Gerade er. Der sonst so schwierig ist.
Kennen Sie sowas? Unverhofft kommt oft…besonders oft treffen wir auf unverhoffte Lösungen, wenn wir uns trauen, in unbekannte oder gemiedene Gebiete vorzustoßen. Oder in ganz alltägliche, von denen wir niemals geglaubt hätten, dass dort eine Lösung liegen könnte. Einstein weiß: „Aus dem Durcheinander findet sich Einfachheit, aus der Uneinigkeit, entwickelt sich Harmonie, inmitten der Schwierigkeiten, liegt die Möglichkeit.“
So stellen wir uns doch den Chancen, die sich bieten, anstatt die Augen davor zu verschließen – Leisten wir unseren Beitrag zum Gelingen, unter Ausschöpfung aller eigener MöglICHkeiten!

TIPP: Würdigen und nutzen Sie die Unterschiedlichkeiten der einzelnen Menschen, die Ihr Unternehmen prägen!

3.
Denn:
„Man kann ein Problem nicht mit den gleichen Denkstrukturen lösen, die zu seiner Entstehung geführt haben“, erklärte Einstein, befragt zur großen Wirtschaftskrise seiner Zeit.
Auch diese Idee scheint aktueller denn je. Ob mit Blick auf Europa, Österreich, einzelne Unternehmen, die eigene Familie oder auf sich selbst als Führungskraft: Denkmuster zu verändern eröffnet neue Perspektiven. Diese wiederum öffnen oft neue Türen, und neue Türen führen meist zu attraktiven neuen Zielen. Darum bietet es sich an, neue Methoden auszuprobieren, Immer mal wieder vertraute BeraterInnen zu wechseln oder neu zu kombinieren, und sich frische Impulse zu holen um neue Horizonte zu erobern.

TIPP: Probieren Sie bewusst Neues aus. Ein anderer Ort für das wöchentliche Meeting, ein Neues Catering für die GF-Besprechung, eine neue Sitzordnung,
ein neuer Gesprächseinstieg,…


4.
Damit einher geht etwas, das so gar nicht unserer Businessplankultur entspricht, nämlich die heiligen Hallen der Logik und Vernunft zu verlassen und sich wild und frech der Phantasie zu widmen: „Phantasie ist wichtiger als Wissen, den Wissen ist begrenzt“, gibt uns Einstein mit auf den Weg, und: „Logik bringt uns von A nach B. Vorstellungskraft bringt uns überall hin.“ Wie gut, dass Einstein diese Vorstellungskraft gnadenlos nutzte; denn viele seiner Entwicklungen und bis heute gültigen Entdeckungen wurden von anderen Menschen mangels Vorstellungskraft oder -wille, als verrückt abgetan.

TIPP: Fördern Sie Phantasie und Kreativität: Richten sie eine Ideenbörse ein, schaffen Sie FreiRaum, forcieren Sie mutige Projekte!


5.
So verhält es sich übrigens auch mit dem Phänomen des Verstehens. Die meisten Menschen halten es für plausibel, dass die Tatsache, dass wir etwas (noch) nicht verstehen, kein Garant dafür ist, dass eine Sache nicht existiert. Wie sonst könnten wir uns jemals kognitiv entwickelt haben? Im Business-Kontext allerdings treffen wir immer wieder auf stark verstandesgeleitete Menschen, die uns das Gegenteil beweisen wollen. Einsteins diesbezüglicher Konter: „Man muss die Welt nicht verstehen, man muss sich nur darin zurechtfinden!“ Es geht also darum, Strategien zu entwickeln, den Gegebenheiten, wie sie sich momentan gestalten, möglichst flexibel zu begegnen.

TIPP: Ermutigen Sie Querdenker, Ihre Ideen kundzutun und unterstützen Sie den Austausch zwischen unterschiedlichen Unternehmens-Einheiten.


6.
Damit sind wir bei einer weiteren wichtigen Erkenntnis angelangt: Ist ein Mensch in Bewegung, fließen auch seine Gedanken deutlich lebendiger. Es ist kein Zufall, dass viele Dichter und Denker beispielsweise Spaziergänge liebten, um sich inspirieren zu lassen. Auch braucht es uns nicht zu wundern, dass sich in Sitzungen, die im ewig gleichen Raum, in denen jeder Teilnehmer schon seinen angestammten Platz und somit seine vertraute Perspektive hat, stattfinden, im wahrsten Sinne des Wortes nichts bewegt! Meeting Points mit Möglichkeit zur Bewegung, sind da viel effektiver. Sie helfen mit, in Bewegung und in Balance zu bleiben; frei nach Einstein: „Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muss sich vorwärts bewegen, um in Balance zu bleiben.“

TIPP: Bringen sie das Denken im Unternehmen ins Rollen, treffen Sie sich an unterschiedlichen Orten, richten Sie einen Raum ein, der zu kreativem Denken, Entspannen, zum Austauschen und Durchatmen einlädt.

7.
Zu guter Letzt noch ein Satz Einsteins, der auf den ersten Blick in die Pädagogik gehört, und doch auch für den Business-Kontext enorm wichtig ist: „Es gibt keine andere vernünftige Erziehung, als Vorbild zu sein. Wenn’s nicht anders geht, ein Abschreckendes.“ Die Vorbildwirkung einer Führungskraft ist uns wohl allen bewusst. Die Idee, wenn nötig auch abschreckend zu wirken, finde ich reizvoll. Es ist nämlich so, dass auch eine Führungskraft nicht die eierlegende Wollmilchsau sein kann der soll. Und wenn in einzelnen Bereichen die eigene Vorbildwirkung aus welchen Gründen auch immer nicht möglich ist, dann erlauben Sie sich ruhig auch, dazu zu stehen. Nobody is perfect!

TIPP: z.B. Gerade weil Sie selbst Raubbau betrieben haben, könnten Sie ein Programm zur betrieblichen Gesundheitsförderung ins Leben rufen. Oder gerade, weil sie die persönliche Betreuung ihrer Kinder vernachlässigt haben, könnten Sie für flexible Arbeitszeiten für Jungeltern eintreten.


Im eingangs erwähnten Prozess haben dank der intensiven Arbeit viele Veränderungen im Miteinander das Zusammenwirken positiv beeinflusst. Welche Weisheiten Einsteins könnten für in Ihrem Unternehmen Inspiration und Ansporn sein, MitEINander und zusammen zu wachsen?