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Maschinelle Übersetzung als Wettbewerbsvorteil

Stichwörter: Qualität, Geschwindigkeit, Ressourcenbindung, Stallgeruch, Kontext, Volumen von Dr. Axel Poestges
SDL Language Solutions | 08.07.2013
Wettbewerbsvorteile im globalen Business hat derjenige, der in einem neuen Markt als erster nachhaltig positive Kundenerfahrungen erzeugt. Dazu ist die maschinelle Übersetzung von Content eine Möglichkeit schnell und qualitativ angemessen lokalisierte Inhalte bereitstellen zu können. Insbesondere die schnellen digitalen Präsenzen in neuen Märkten können mit maschineller Übersetzung schon sehr früh genutzt werden.

Wer sich aus (potentieller) Anwendersicht auf die Diskussion über Sinn und Zweck maschineller Übersetzung einlässt, landet relativ schnell bei einer überschaubaren Anzahl von Begriffen:

- Qualität
- Geschwindigkeit
- Ressourcenbindung
- Stallgeruch
- Kontext
- Volumen


Keine Frage der Qualität

Ganz ohne Frage, maschinelle Übersetzung ist (noch) nicht in der Lage, an die Qualität einer Humanübersetzung auf Experten-Niveau heran zu kommen. Das ist keine Frage der angewendeten Technologie, sondern muss einfach als Faktum hingenommen werden. Natürlich wird die Qualität maschinell übersetzter Texte durch einen 'Lerneffekt' umso besser, je mehr an übersetztem Volumen im selben Kontext verarbeitet wird. Aber selbst bei signifikantem Trainingsaufwand für die Übersetzungssoftware - das Qualitätsniveau einer Humanübersetzung wird (noch) nicht erreicht. Mit der manuellen Nachbearbeitung von maschinell vorübersetzten Texten lässt sich hingegen in kürzerer Zeit ein gleichwertiges Qualitätsniveau der Übersetzungsergebnisse erreichen. Das Erreichen eines 100% igen Qualitätsniveaus ist aber auch nicht immer zwingend? Auf vielen Portalen ist z.B. die schnelle Verfügbarkeit der Information in der Zielsprache für die eigene Entscheidungsfindung viel wichtiger als der grammatikalisch letzte Schliff. Dem fremdsprachlichen Mitarbeiter, der ein technisches Problem zu lösen hat, geht es primär um die Problemlösung, nicht darum, ob er perfekt in seiner Muttersprache angesprochen wird. Aus Business-Sicht als ein klares Votum für die maschinelle Übersetzung.


Weil es meistens schnell gehen muss

Geschwindigkeit steht synonym für übersetzte Worte pro Zeiteinheit. Das ergibt aber nur einen Sinn unter Einbeziehung der Aspekte Business-Eignung und Qualität (siehe oben). Die Geschwindigkeit unter diesen Aspekten wird durch die Nutzung maschineller Übersetzung natürlich deutlich besser. Maschinelle Vorübersetzung und Nachbearbeitung durch branchenerfahrene Übersetzer führt schneller zu besseren Ergebnissen. Dort wo es a priori nicht auf 100% Qualität ankommt, spricht der Geschwindigkeitsvorteil unbestritten für die maschinelle Übersetzung. Gute Beispiele sind Chats und Email-Kommunikationen wo es auf Zeitnähe und Geschwindigkeit ankommt. Je trainierter eine Software in einem definierten Umfeld ist, umso schneller und besser sind die Ergebnisse. In puncto Leistung gibt es einen klaren Geschwindigkeits-Vorteil für die maschinelle Übersetzung. Wo immer global zeitnah übersetzt werden muss, ist maschinelle Übersetzung quasi die einzige Alternative. Relevanten Geschäfts- und Anwendungsfelder bei denen die Geschwindigkeit globaler Kommunikation erfolgskritischer ist als deren inhaltliche Qualität finden sich u.a. im Wissenstransfer, Knowledge Management oder Best-Practice-Management.

"Humanressourcen" schonen

Ressourcenbindung ist immer ein kritisches Thema, zumal wenn der Übersetzungs- und Review-Workflow zeitkritisch ist oder wenn es sich um speziell qualifizierte und teure Ressourcen handelt. Der Übersetzer bringt sprachlich-kulturellen Fit in eine Übersetzung und sorgt zudem für den globalen Transport der Business-Inhalte. Das kann ein Übersetzer natürlich umso besser, je mehr er sich um spezifische Inhalte kümmern kann und je weniger er sich um 'Brot-und-Butter-Inhalte' kümmern muss. Ein qualifizierter Übersetzer kann mit dem Post-Editing von vorübersetzten Texten wesentlich mehr und höherwertige Wertschöpfung leisten, als wenn er eine Komplettübersetzung angehen muss. Das bedeutet, dass bei gleicher Ergebnisqualität die Ressourcenbindung abnimmt bzw. bei gleicher Ressourcenbindung die Ergebnisqualität dramatisch zunimmt. Maschinelle Übersetzung wird das Anforderungsprofil von Übersetzern verändern und deren spezifische Wertschöpfung nachhaltig erhöhen. Ob diese Veränderung wirklich in absehbarer Zeit Raum greift, oder ob das Beharrungsvermögen des Einzelnen hier einen Strich durch die Rechnung macht ist unsicher.

Stallgeruch lässt sich trainieren

Stallgeruch ist sicher eines der Erfolgsgeheimnisse, auch von Übersetzungen. Viele haben entsprechend frei zugängliche Übersetzungssoftware im Netz ausprobiert und waren ob des Ergebnisses entsetzt. Diejenigen, die ein in Asien gefertigtes und dokumentiertes Produkt gekauft haben, können über ähnliche Erfahrungen berichten. Wenn also die maschinelle Übersetzung in der Lage ist, Stallgeruch zu vermitteln, dann ist eine weitere erfolgskritische Forderung erfüllt. Stallgeruch kommt durch gezieltes Training. Termini und Business-Kontext sind unabdingbar. Der Übersetzter mit Branchenexpertise bringt all diese Voraussetzungen mit - die Übersetzungssoftware muss sie erst erlernen. Aber auch dieser Prozess ist beherrschbar. Einige hunderttausend Worte (vorausgesetzt, sie wurden angemessen ausgewählt) reichen aus, um maschinell mit Branchenfokus übersetzen zu können - und mit jedem übersetzten Dokument wird die Übersetzungssoftware besser. Stallgeruch ist bei der maschinellen Übersetzung eine Frage des Trainings und ein so langwieriger Lernprozess wie bei einem professionellen Übersetzer ist da definitiv nicht nötig.

Kontext und Stallgeruch hängen eng zusammen. Angemessener Kontext kann einer Übersetzungssoftware nur durch die Wahl der Trainingsdokumente vermittelt werden. Je fokussierter und facettenreicher diese Dokumente ausgewählt werden, umso besser wird das Ergebnis der maschinellen Übersetzung sein. Kontext ist erfolgskritisch und die Auswahl der Trainingsdokumente die die Herstellung eines entsprechenden Kontexts sicherstellen sollen, ist eine hochsensible Aufgabe, die viel Expertise und Erfahrung erfordert.

Volumen ist für die maschinelle Übersetzung wie Expertise für den Übersetzer. Mehr Volumen korreliert mit Trainingsgrad und Ergebnisqualität - vorausgesetzt, der Kontext stimmt.

Wegen der postiven Kundenerfahrung

Was kann man daraus nun schlussfolgern? Maschinelle Übersetzung ist längst über den 'Exotenstatus' hinaus. Es ist eine Technologie, die sich trainieren, fokussieren und auf definierte Business-Erfordernisse und Randbedingungen ausrichten lässt. Jedes Unternehmen, das seine Globalisierungsstrategie konsequent und zielorientiert im Geschäftsmodell abbilden möchte, kommt an der Nutzung maschineller Übersetzung nicht vorbei. Qualität, Geschwindigkeit, Ressourcenbindung, Stallgeruch, Kontext und Volumen sind die Messgrößen, die eine möglichst frühe, positive Kundenerfahrung in einem fremden neuen Markt positiv beeinflussen, unabhängig davon über welchen Kanal, welche Plattform oder mit welchem Medium diese Kundenerfahrung zustande kommt. Maschinelle Übersetzung macht eben diese früheren positiven Kundenerfahrungen in neuen Märkten möglich und frühere positive Kundenerfahrungen sind die Basis für nachhaltige Wettbewerbsvorteile.