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Alte Wege zu neuen Zielen? General Management und Komplexität

VW vs. Toyota: Die Vielfalt und Komplexität des Produktportfolios VW sind gewaltig. Was ist die Besonderheit der Komplexität im Management bei VW?
Hanno Goffin | 23.07.2014

VW gegen Toyota: Wer gewinnt in Größe und Profitabilität?
Seit Jahren kämpft VW der größte Autohersteller der Welt zu werden und Toyota in Stückzahlen zu überflügeln. Die Volumensteigerung, die VW in den letzten 10 Jahren aus internem Wachstum verbuchen konnte, ist durchaus beeindruckend. Die Vielfalt und damit einhergehende Komplexität des Produktportfolios sind gewaltig.
Diese Komplexität zu managen bedarf hervorragender Führung und Systeme im General Management. Die Führung unter charismatischer, strenger Hand des Erfolgsduos Piech/Winterkorn erscheint hier eine Ausnahmeerscheinung, die für die Zukunft jedoch wichtige Risiken bedeuten könnte. Rein altersbedingt ist diese Ära im General Management relativ stark begrenzt. Wird es danach Führungskräfte geben, die dies in mindestens gleichem Maß in dem komplexen Konzern, Technik und Produktportfolio beherrschen können? Welchen Führungsstil wird man danach dem Konzern und Mitarbeitern geben können? Das aktuell, durch die beiden verkörperten, konservative Führungsmodell bei VW wird ggf. bei einer neuen Führung nicht mehr akzeptiert. Kann der Konzern in seiner Komplexität jedoch einen kulturellen Führungswandel dann verkraften unter Beibehaltung der aktuellen Stärken?
Toyota hat in seinem Produktportfolio eine geringere Marken und Modellkomplexität als die Wolfsburger Nr. 2. Toyota verdient aber insbesondere mit seinen Autos deutlich mehr Geld. Die Umsatzrendite ist ca. 3-mal so hoch, wie die des VW Konzerns trotz besonders profitabler Premiumprodukte wie Porsche und Audi. (8,5% vs. 2,9% vom Umsatz)

Reduzierung der Komplexität: Hebel zum Erfolg
Ford schaffte seinen Turnaround nach der Krise 2008 durch eine konsequente Reduzierung von Marken und Modellen. Auch wenn der Umsatz des Konzerns dabei deutlich zurückging, drehte die Profitabilität des Automobilgeschäftes deutlich wieder in positive Bereiche. Nun hat auch VW erkannt, dass das Thema der Reduzierung von Komplexität ein wichtiger Hebel im General Management zur Steigerung der Profitabilität ist und verkündet eine deutliche Reduzierung in der zuletzt ausufernden, aber beeindruckenden Modellvielfalt.
Reduzierung von Komplexität in Firmen und Modellstrukturen hat sich als generell erfolgreiche Linie zur Entwicklung der Profitabilität bewiesen. Kosten der Komplexität sind ein wichtiges, meist kaum messbares Finanzgrab. Der Autor verfügt über zahlreiche Ergebnisse, die dies immer wieder belegen, aber im Kampf um Umsatz und Wachstum meist wenig beachtet werden.
Neue Gerüchte sprechen bei VW von einer Übernahme von Teilen oder auch des gesamten Fiat-Chrysler Automobilgeschäfts. Besonderes Ziel können dabei Marken wie Alfa Romeo und ein guter Zugang zum US Markt durch das Chrysler Netz sein. Im Fall von VW haben sich derartige Gerüchte meistens in Tatsachen bestätigt und könnten den Konzern durch Zukauf an die Weltspitze katapultieren. Mit dem Erlangen des Ziels der Steigerung der Profitabilität des VW Konzerns wird im Fall dieser neuen Konzern Konstellation mit Anteilen von Fiat-Chrysler aber sicher vorläufig auch nicht mehr gerechnet werden können.

Führungsmodell VW: Genialität und Risiken
Sollte VW der Husarenritt einer Integration von Fiat - Chrysler annähernd gelingen, wäre dies nach der Daimler-Chrysler Erfahrung ein neuer, beeindruckender Beweis des einmalig erfolgreichen Management von Komplexität des Führungsduos. Gleichzeitig würde dies im „Wettkampf“ um beeindruckendes Management VW im Vergleich zu anderen Spitzenkonzernen wie Daimler mit Zetsche und anderen nicht nur im Aufstieg zu Größe sondern auch in fast einmaliger Managementleistung die Größe eines an sich schon alten Führungsmodells aufzeigen. Dahinter steht freilich kein grundsätzlicher Widerruf neuer Führungsgrundsätze, sondern besondere Persönlichkeiten. Wesentliche Gefahren für VW legen aber gerade auch darin begründet.

General Management: Wie viel Genialität darf sein?
Viele vermeintlich charismatische Führungspersönlichkeiten haben in dem Stil des Glaubens an die eigene Genialität Konzerne in wirtschaftliche Beben geführt. Dieses Bild ruft auch wieder gerade Erfahrungen mit Daimler in Erinnerung, die mit Namen wie Reuter und Schrempp verbunden sind. Piech und Winterkorn hätten das Zeug dazu mit dem Glauben an die eigene Genialität. Dass es Ihnen aus heutiger Sicht nicht zu passieren scheint, belegt weiter die Einmaligkeit des Duos, die im VW Konzern in der Konstellation nicht wiederholbar sein wird. Der Ausnahme Erfolg ist vielleicht aber auch nur die Bestätigung einer Regel, nach der es heute in Führung in der Welt ansonsten anders geht.
Es bleibt weiter spannend: Sowohl in Fragen des General Managements zum Erfolg als auch der Entwicklung des VW Konzerns. Was ist tatsächlich der nächste Streich?
http://www.hannogoffin.com