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Kleider machen Chefs

„Wie du kommst gegangen, so du wirst empfangen!“.
Schon Goethe wusste um die Macht und Kraft des ersten Eindrucks.
Elisabeth Motsch | 25.09.2014
Wer das beherrscht, setzt nach außen die gewünschten Signale und unterstreicht damit seine Position, seine Professionalität und seine Kompetenz. Je genauer Sie die Wirkung der Kleidung auf andere kennen, desto zielorientierter können Sie damit nonverbal kommunizieren.

Traut man gut gekleideten Menschen mehr zu?
Ja, sagt die Wissenschaft. Richtige Kleidung kann uns vertrauenswürdig, seriös und kompetent wirken lassen, und ein unpassendes Outfit kann das Gegenteil bewirken. Achten Sie daher sehr genau darauf, welchen Eindruck Sie Ihren Mitarbeitern und Kunden vermitteln möchten.

Chefs stehen im Rampenlicht
Wer kennt das nicht? Sie betreten als Kunde ein junges, innovatives Unternehmen, das kreative Software-Lösungen verkauft. Die Firmenfarbe ist ein knalliges Apfelgrün, und die Büroräume präsentieren sich erwartungsgemäß modern und stylish.
Sie werden jemandem vorgestellt und es stellt sich heraus, dass es sich um den Chef des Hauses handelt. Sie sind irritiert. Der Chef wirkt mit seiner Kleidung irgendwie altertümlich und empfängt Sie mit Ökolatschen an den Füßen.
Was genau irritiert Sie so sehr? Es ist das äußere Erscheinungsbild des Chefs. Es stimmt nicht mit seiner Rolle und dem Image überein, das dieses Unternehmen nach außen kommuniziert. Dieser Chef muss nicht aussehen wie George Clooney. Er muss auch nicht gestylt sein wie David Beckham. So ein Typ von Mann ist er nicht. Muss er auch nicht sein. Aber seine Kleidung sollte dynamisch wirken, wie sein Unternehmen, und sie sollte seinen Status demonstrieren. Hätte er etwa eine Jeans mit modernem Sakko, dazu passendem Hemd und passenden Schuhen getragen, wäre er im Vergleich zu seinen Mitarbeitern, die alle in Jeans und Polos gekleidet waren, eindeutig als Chef identifiziert worden. Und dies, ohne verkleidet zu wirken.

Chefs stehen im Rampenlicht und werden permanent kritisch beäugt. Von ihnen wird erwartet, dass sie sich adäquat kleiden und gut benehmen. Wer diese Erwartung nicht erfüllt, irritiert seine Gesprächspartner unnötig. Mit einem stimmigen Outfit wäre der Softwareboss auf den ersten Blick als Chef des Unternehmens erkannt worden.

Warum Chefs nicht immer gut gekleidet sind
Viele Chefs brauchen bei der Wahl ihrer Outfits Beratung. Sie tragen zwar Anzüge und Hemden mit Krawatte, die jungen und unkonventionellen unter ihnen, je nach Branche, auch ohne Krawatte. Aber so richtig stilsichere Chefs findet man interessanterweise nicht oft. Zum einen liegt es an der Erziehung. Männer lernen schlichtweg nicht, worauf sie beim Kauf von Kleidung, Anzügen, Schuhen etc. achten müssen. Zum anderen ist es vielen Männern ziemlich gleichgültig, wie sie gekleidet sind, Hauptsache bequem. Es liegt auch an mangelnder Beratung durch die Verkäufer, und viele Männer delegieren das Einkaufen und die Beratung an ihre Partnerinnen.

Die größten Fehler beim Outfit für Chefs
Nachlässige Kleidung, ausgeleierte Socken, unpassende Schuhe und Krawatten, die wie Billigangebote vom Discounter wirken, zählen zu den größten Fehlern, die Chefs machen können. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Es geht nicht in erster Linie um die Preiskategorie. Wichtig ist, dass die richtige Auswahl an Hemden, Krawatten und Schuhen getroffen wird. Der Anzug muss sitzen und die Ärmel- und Hosenlängen müssen perfekt sein. Ein Sakko sollte übrigens ein ständiger Begleiter von Männern in Chefpositionen sein - ob beim Gespräch mit Mitarbeitern, bei Kundenkontakten oder Amtsterminen: Das Tragen eines Sakkos ist ein Symbol für seinen Status und unterstreicht seine Position.

Chefs haben Vorbildwirkung
Mitarbeiter orientieren sich an Vorbildern. Oft bitten mich meine Seminarteilnehmer, ich möge ihre Chefs beraten, weil sie intuitiv ein Gespür dafür haben, dass das Outfit ihres Chefs nicht passt. Eine Seminarteilnehmerin erzählte mir, dass ihr Chef bei einer hochkarätigen Preisverleihung, bei der er selbst Preisträger war, einen hellen Anzug mit hellen Schuhen und weißen Gummisohlen getragen hat. Die Veranstaltung hat am Abend stattgefunden, und er war der einzige Mann auf der Bühne, der negativ aufgefallen ist. Dieses Beispiel ist exemplarisch. Vorbildliches Auftreten und stilvolles Verhalten geben den Mitarbeitern die Möglichkeit, ihre Chefs als Führungskräfte zu akzeptieren und sich unter anderem auch damit mit dem Unternehmen zu identifizieren.

Wenn die Zahlen stimmen, ist das Outfit unwichtig?
Immer noch gibt es Führungskräfte, die mit ihrer Kleidung oder mit ihren Umgangsformen nicht ihrer beruflichen Position entsprechen. Auch wenn Sie meinen, Ihrem Umfeld ist das egal, solange die Zahlen stimmen, so irren Sie. Unpassende und schlecht sitzende Kleidung sowie fehlende Umgangsformen vermitteln Desinteresse und Respektlosigkeit anderen gegenüber. Darunter kann die Reputation des Chefs und die seines Unternehmens leiden - und gute Zahlen können sich ganz schnell in rote Zahlen verwandeln.

Sind Chefinnen besser gekleidet?
Ich sehe auch immer wieder nicht gut gekleidete Frauen. Bei mir kommt die Botschaft an, dass sie sich nicht besonders um ihr Erscheinungsbild bemühen wollen, weil ja die Leistung zählt. Ich finde, dass diese Einstellung nicht richtig ist.
Frauen die meinen, mit einer unordentlichen Frisur und mit schlecht sitzenden Kostümen oder Hosenanzügen ihre Position zu festigen, dürfen sich nicht wundern, wenn die Akzeptanz bei Mitarbeitern, Vorgesetzten und Kunden irgendwann nicht mehr ausreichend gegeben ist. Frauen, die nachhaltig ihre Kompetenz und Autorität zum Ausdruck bringen möchten, sollten dies mit ihrem Outfit unterstreichen.

Haben es Männer leichter?
Scheinbar ja, weil sie weniger Auswahl haben und weniger falsch machen können. Andererseits haben sie auch weniger Möglichkeiten, einen persönlichen Stil zu entwickeln. Aber der Schein kann trügen, denn wer nicht weiß, was ihm steht, tut sich auch oder vor allem wegen geringerer Auswahl schwer mit dem Outfit - egal ob es ein Mann ist oder eine Frau. Denn, wer die Wahl hat, hat immer auch die Qual.

„Man empfängt die Menschen nach ihrem Kleide und entlässt sie nach ihrem Verstand“.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie Ihren Status mit Ihrem Outfit sichtbar machen.