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Deflation oder Inflation: Was kann der Beitrag der EZB sein?

Interessante Einsichten vom Chef Volkswirt der Commerzbank. Was macht die EZB am 22.1?
Hanno Goffin | 12.01.2015

Wirtschaftsaufschwung mit Inflation - Rezession mit Deflation?

Das Schreckgespenst der Deflation wird gerne von Volkswirten der EZB aufgezeigt, um die Notwendigkeit der Öffnung der Geldschleusen zu unterstreichen. Gerne wird der jahrzehntelange wirtschaftliche Stillstand Japans nach der Krise Ende der 80er Jahre als Schreckgespenst am europäischen Horizont aufgezeigt. Wie realistisch sind diese Vergleiche? Spielen hier ggf. partikulare, politisch wirtschaftliche Interessen eine besondere Rolle, um eine weitere Lockerung der Staatschuldenpolitik zu begründen?
Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Kramer zieht den Vergleich zu den Bedingungen im Japan der 90er Jahre und kommt zu einem klaren Ergebnis:

Das Drehbuch der japanischen Deflation:

Die Ursache des Beginns der Krise in Japan Ende der 80er waren extrem hohe Bewertungen von Aktien und Immobilien. Der Einbruch der Werte führte zu erheblichen Lücken in der Eigenkapitaldecke der Banken, worauf die Zentralbank mit sehr niedrigen Zinsen und der Toleranz schlecht bewerteter Schuldner in der Eigenkapitaldecke der Finanzinstitute reagierte. Kredite, die eigentlich als Ausfall bewertet werden mussten, konnten finanzklamme Unternehmen mit Zinsen nahe der 0% Linie scheinbar endlos weiter finanzieren. Tilgungen wurden durch neue extrem zinsniedrige Kredite finanziert. Die hohen Kreditsummen, die in fast illiquiden Unternehmen gebunden waren, standen andererseits investitionsbereiten, wachstumsorientierten Unternehmen nicht zur Verfügung. Das Wachstum der Wirtschaft lahmte und das System schleppte schwache Unternehmen durch.
Erst als Ende der 90er Jahre Banken gezwungen wurden, offensichtlich faule Kredite abzuschreiben und neues Kapital aufzunehmen kam Japan wieder heraus aus dem Deflationszyklus. Weiterhin geringfügig fallende Preise konnten die Unternehmen in Japan dank Entwicklung der Produktivität noch auffangen. Genau hierzu werden nach aktuellem Stand auch die europäischen Unternehmen in der Lage sein, insbesondere mit dem Blick auf die Kerninflationsrate, die steigende Preise ausweist, wenn man den extern bedingten Preisverfall des Rohöls herausnimmt. Diese Situation steigert sogar die Kaufkraft der Verbraucher in erheblichem Maß.

Die Chancen der EZB

Der Chef-Volkswirt der Commerzbank kommt zu dem klaren Ergebnis in seiner Betrachtung, dass das besondere Deflationsrisiko genau in der Verantwortung der EZB liegt: Wenn die EZB ihre „0%“ Zinspolitik fortführt, werden Banken belohnt, die in Krisenländern auf politischem Druck viele Staatsanleihen gekauft haben und diese in der Folge dank der EZB Käufe unter fallenden Zinsen sogar mit Gewinn abstoßen könnten. So haben Banken ein größeres Interesse risikolos Staatsanleihen zu kaufen, statt Geldmittel wachstumsorientierten Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Im normalen Wettbewerb kaum noch gesunde Unternehmen können dennoch dank günstiger Zinsen weiter operieren und binden weiter Kapital des Marktes. Außerdem wird durch die niedrigen Zinsen der Druck von den Regierungen genommen, die dringende Strukturreformen auf den Weg bringen müssen. Der ausbleibende Fortschritt der Veränderung bei den bekannten kritischen Kandidaten der Gemeinschaft belegt dies. Entsprechend dieser Analyse trägt die EZB mit ihrer Politik gerade zu dem Risiko der Deflation bei, welches sie gerne verhindern möchte.

Wirtschaftsentwicklung in Deutschland: Zeichen der Deflation?

Die Inflationsrate lag im Dezember auf 12 Monatsicht bei nur noch 0,2%. Kraftstoff trug mit einem Preisrückgang von 6,6% zu dieser niedrigen Quote erheblich bei.
Der von Commerzbank und Wirtschaftswoche herausgegebene wirtschaftliche Frühindikator „Early Bird“ zeigt jedoch weiterhin eine robuste wirtschaftliche Entwicklung mit Blick auf die nächsten 6-9 Monate auf. Das Vertrauen auf diesen Früh-Indikator wird zumindest auf Basis der historischen Daten des Indikators und der Korrelation zu der folgenden Wirtschaftsentwicklung seit 2005 unterstützt. Allerdings war im November ein Rückgang der Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe von 2,4% zu verzeichnen, der insbesondere auf einen Rückgang von 4,7% der Inlandsbestellungen zurückzuführen war (Ausland 0,7%).

Die Konsumindikatoren der deutschen Verbraucher stehen jedoch weiter im grünen Bereich. Im moderaten wirtschaftlichen Optimismus dieser Daten bleiben die globalen politischen Faktoren die größten Risikofaktoren, die auch am schwierigsten vorhersehbar scheinen. Hierzu können Sie auch in dem Artikel vom 12.1. im Keynote Speaker Blog zu der Einschätzung der Chancen und Risiken der Weltwirtschaft 2015 aus einer weltweiten Umfrage unter Wirtschaftsführern genaues erfahren.