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Schlagfertigkeit erfordert gutes Benehmen

Zu den Dingen die wir nicht zurückholen können, gehört neben der verlorenen Zeit und der verpassten Gelegenheit, das unbedacht gesprochene Wort.
Elisabeth Motsch | 01.06.2015

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Seminar über Image und Outfit, eine reine Männergruppe, es geht um das Thema Krawatten. Jenem Teil des Outfits, bei dem oft ein Fauxpas passiert und ein Teilnehmer sagt ganz laut in die Runde: „Herr Maier, Ihre Krawatte sieht so aus, wie diese Nullachtfünfzehngeschenke über die man sich so gar nicht freut. Wo haben Sie die denn her?“
Manche lachen bei dieser „Wortmeldung“ und manche zucken fühlbar zusammen und sind betreten, weil doch jeder irgendwann einmal schon zu einer unpassenden Krawatte gegriffen hat.
Der so angesprochene Teilnehmer ist wütend und fasssungslos. Auch ich bin sprachlos über diese Unverfrorenheit mit der einer der Teilnehmer meint sich produzieren zu müssen, auf Kosten eines anderen.
Ich bin nicht imstande schlagfertig zu argumentieren, weil mir in diesem Moment einfach die Worte fehlen. Im Nachhinein weiß ich natürlich wie ich diese Situation hätte retten können. Ich spreche den Seminarteilnehmer in der Pause direkt an. Er meint, das wäre doch nur Spaß: "Haben Sie denn keinen Sinn für Humor Frau Motsch. Ja ich weiß, Frauen sind immer etwas empfindlich". Anscheinend hat er durchaus mit Kalkül den Kollegen vorgeführt, eine beliebte und gängige Gruppendynamik.

Schlagfertigkeit kann man lernen
Sehr gut funktioniert es, den Spieß umzudrehen und den Inhalt einer scheinbar bösen Verbalattacke zu nutzen und zurückzuschießen. Im o. a. Beispiel hätte der Krawattenträger z. B. erwidern können,„Ja, Herr Maier, Sie wissen ja, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“. Die Antwort sitzt.

Gute und schlechte Schlagfertigkeit
Es ist durchaus lustvoll und stilvoll auf intelligente Art zu kontern. Schlagfertigkeit ist im Allgemeinen positiv besetzt und man fühlt sich wohl, wenn ein geschickt gekonterter Sager eine eingefahrene Kommunikationssituation auflöst. Wer auf Provokationen schlagfertig reagiert und sie treffsicher abwehrt, bekommt unsere Aufmerksamkeit und gilt als wortgewandt. Jemand der sich über dumme Sprüche, unfaire Bemerkungen oder zynischen Kommentare auf Kosten anderer amüsiert, kann meiner Meinung nur bei denen punkten, die von Kommunikationsregeln und Achtsamkeit nicht viel Ahnung haben.
Wer war nicht schon einmal in der Situation, in der ein schlagfertiges Kontern gefragt gewesen wäre und wer hat sich nicht schon mal im Nachhinein geärgert, weil ihm kein treffender Satz eingefallen ist. So etwas passiert doch täglich. Ist es da nicht besser, ein gutes Gespräch zu führen und sich lieber auf die Zunge zu beißen, als den anderen bloßzustellen. Ist es nicht viel lösungsorientierter, eine Form zu finden, verletzende Gesprächssituationen, auch wenn es eine Herausforderung ist, anzusprechen und zu klären?

Sind Frauen weniger schlagfertig als Männer?
Wir alle kennen diese stupiden Verallgemeinerungen wie „Frauen können nicht Auto fahren...“ „Männer denken immer nur an das eine…“ Leider sind Klischees dieser Art noch sehr weit verbreitet und nicht leicht auszurotten. Für diese Situationen ist es gut, ein paar treffende Argumente parat zu haben um für solche Situationen in Sachen Schlagfertigkeit gerüstet zu sein.
Wie reagieren Frauen, wenn jemand untergriffig schlagfertig ist? Ist es nicht so, dass Frauen dazu neigen, darüber hinweg zu lächeln und ihren Ärger und ihre Wut zu verbergen. Typisch blond, Frau mit Brille, mein letzter Wille...

Schlagfertigkeit im Business
Sie beherrschen alle Umgangsformen, sie treten stilsicher auf, sie kennen die Regeln der Etikette und des guten Geschmacks, doch immer wieder passiert es, dass vor allem Personen, die im Rampenlicht stehen, unbedacht Dinge sagen, mit denen sie ihre Einstellungen preisgeben. Besonders peinlich finde ich es, wenn Politiker ins Fettnäpfchen treten. Immer wieder können wir miterleben, wie sie mit einem einzigen unbedachten Satz ihre Karriere knicken. Und wie das die Medien ausschlachten.
Im Geschäftsleben kann ein unpassendes Wort oder ein salopp formuliertes Argument ein gutes Verkaufsgespräch zum Kippen bringen. Jeder kennt diese Situationen in denen man dann irgendwie betreten ein Geschäft verlässt. Da wünscht man sich, dass sich der Verkäufer an die Regel gehalten hätte, dass Reden Silber ist und Schweigen Gold.

Stilvoll schlagfertig sein
Wer Wert auf Höflichkeit legt, wer dem anderen seine Wertschätzung und seinen Respekt ausdrücken möchte, verkneift sich stillose Äußerungen und wird einen stilvollen Eindruck hinterlassen. Taktvolle, rücksichtsvolle und kultivierte Antworten machen ein Gespräch zu einem Gewinn für beide Seiten. Auch mir liegt manchmal etwas auf der Zunge, besonders wenn Gespräche in einer eher lockeren und ungezwungenen Atmosphäre ihren Lauf nehmen, das die zwischenmenschliche Beziehung empfindlich stören könnte. Da denke ich mir meinen Teil, denn meine Lust wird der Frust des Anderen.