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Ist Höflichkeit weiblich?

Wer einen Mann aus Höflichkeit und Zuvorkommenheit fragt, ob man ihm helfen könne, wird meist einen in seiner Männlichkeit gekränkten Mann erleben.
Elisabeth Motsch | 22.10.2016

„Was meint er oder sie, dass ich Hilfe benötige? Ich doch nicht!“ Lieber fährt der Mann dreimal mit dem Auto im Kreis, bevor er den Rat seiner Beifahrerin annimmt. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Hilfe, die braucht ein richtiger Mann nicht. Auch wenn er diese dringend notwendig hätte. Er würde es kaum zugeben. Diese Form der Höflichkeit und Unterstützung trifft den Mann am falschen Fuß.

Wenn dagegen einer Frau Hilfe angetragen wird – egal, ob ihr diese eine Frau oder ein Mann anbietet –, so bedeutet das zuallererst Freude für sie. Mehr noch, für sie ist es eine Form von Aufmerksamkeit, Höflichkeit und Anerkennung als Person und Frau. Wird sie doch wertgeschätzt und sogar unterstützt!

Wie immer, wenn es um das Thema Mann und Frau geht, beachten Sie bitte, dass die erwähnten Eigenschaften und geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen ein stereotypes Verhalten aufzeigen und natürlich nicht auf jeden Menschen zutreffen, sondern auch Ausnahmen und Individualität zulassen.

Was heißt Höflichkeit

Recherchen über die Definition von Höflichkeit ergaben, dass diese immer in einem sozialen Kontext stattfindet. Sie ist verbaler oder nonverbaler Art und zeigt die Beziehungen der Menschen in einem bestimmten Zusammenhang auf. Damit meint man, dass in jedem sozialen Umfeld bestimmte zwischenmenschliche Verhaltensweisen / Umgangsformen herrschen.
Höflichkeit bringt die Achtung vor den Gefühlen anderer und den Respekt, den man anderen entgegenbringt, zur Geltung.

Frauen leben Beziehungen höflicher als Männer.

Wobei es, will man Soziologen glauben, wohl darauf ankommt, welchen Mann man mit welcher Frau vergleicht und in welchem Kontext die beiden aufeinander treffen. Grundsätzlich jedoch lieben Frauen Höflichkeit, Zuvorkommenheit und Unterstützung mehr als Männer - schon aufgrund ihrer Erziehung und aus dem Bedürfnis des Geliebt-werden-Wollens.

Darüber hinaus, je besser Menschen sich kennen, je näher sie sich stehen und sich schätzen, umso höflicher wird das Miteinander und betont Gemeinsamkeiten. Wenn die soziale Distanz steigt, wird in der Regel auch mehr Unhöflichkeit an den Tag gelegt.

Männer konkurrieren, Frauen kooperieren

Männer bevorzugen Distanz und hierarchische Strukturen, sie messen sich und möchten bewundert werden. Unabhängigkeit, Macht und Individualität sind Ihnen sehr wichtig. Zu höfliches Gehabe ist ihnen dabei nicht männlich genug und kostet zu viel Zeit.

Frauen zeigen mehr Interesse an den Gefühlen ihres Gegenübers als Männer, und zwischenmenschliche Beziehungen sind für sie das Bonbon des Tages. Dabei-Sein und Dazu-Gehören sind Ihnen wichtig, Macht und Status sind nicht ihr Ziel. Normalerweise jedenfalls.

Im Gespräch drücken Frauen vermehrt Freundlichkeit aus und ertragen Unfreundlichkeit kaum. Eine falsche Tonlage, ein unhöfliches Wort - und Frauen sind für Stunden damit beschäftigt, darüber nachzudenken, was sie denn falsch gemacht hätten. Fakt ist: Frauen agieren und reagieren um des Friedens willen, weil sie gemocht werden wollen, viel höflicher als Männer. Das wiederum regt Männer auf, weil es ihnen zu viel Getöns um nichts ist.

Warum ist das so?

Männer klopfen sich auf die Brust, sie müssen sich untereinander beweisen, wie gut sie sind. Das führen sie den anderen ständig vor Augen. Sie spielen Superman. Witze unter der Gürtellinie machen die Runde, der schwache Kollege wird wieder bloßgestellt und alle lachen über ihn.
Ob diesen das kränkt oder nicht, ist egal. Hauptsache, die Runde wird unterhalten und der „Schmäh“ läuft. Kritik, die als Witz ankommen soll, und tausend andere kleine und große Sperrspitzen sind Gang und Gäbe. Fragt man hinterher, ob es unterhaltend war, bejaht jeder und meint: Das war ja alles nur lustig. Viele Männer haben kein Gefühl für Grenzübertretungen im höflichen Miteinander.

Müssten Männer nun sehr höflich und zuvorkommend sein, würden ihre Bedürfnisse von Unabhängigkeit und Macht gefährdet sein. Müssten Frauen das männliche Verhalten an den Tag legen, würden sie sich ausgegrenzt wähnen. Sie fühlen sich nicht mehr als Teil im sozialen Miteinander.

Frauen wollen geliebt werden

Frauen haben gelernt, wie man reden muss, dass man gemocht wird. Deshalb sprechen Frauen anders und versuchen lieb und nett zu sein. Sie agieren nett und Sperrspitzen kommen subtil - sind deshalb aber nicht minder unangenehm. Wichtig ist ihnen: Keiner sollte es merken.

Auf keinen Fall möchten sie aggressiv und offensiv sein - das wäre nicht ladylike, dieses Verhalten ist ihnen nicht in die Wiege gelegt. Sie empfinden Frauen, die wie Männer agieren in der Regel unhöflicher und unsympathischer. Spannend dabei ist, dass Männer jene Frauen, die die Führungsrolle raushängen lassen, die aggressiver und männlicher agieren, sympathischer empfinden, weil sie dieses (eigentlich ja männliche) Gehabe kennen. Umgekehrt kommt das bei Frauen ganz schlecht an.

Männer bemerken ihre Unhöflichkeit oft gar nicht

Männer übermitteln Informationen, Frauen Beziehungen. Das ist Fakt. Vielleicht kennen Sie das von den Emails. Männer schreiben kurz und bündig, Frauen länger und höflich. Achten Sie in der nächsten Zeit ganz bewusst auf Mails, die Frauen schreiben. Sie sind in der Regel charmanter und vermitteln ein Gefühl von „du bist mir wichtig“.

Schreiben Männer Mails, muss man froh sein, wenn sie ganze Sätze schreiben. Ganz zu schweigen von einer gewissen Form an Höflichkeit. Für den Mann ist das in Ordnung, gilt es ja nur, Informationen auszutauschen.

Frauen hören den Ton wie bei einem gesprochenen Wort bei jedem Mail, der sofort missverstanden werden kann. Dabei denken sich Männer nichts, wenn sie nur kurz und bündig das schreiben, worum es ihnen geht, etwa: „Wo ist die Rechnung?“

Schnell fällt die Frau in die Haltung, einen Fehler gemacht zu haben, interpretiert Dinge hinein, wo es gar nichts zu interpretieren gibt - und schon fühlt sie sich schuldig. Dabei findet mann die Rechnung einfach nicht, die er vielleicht selber irgendwo hingelegt hat. Aber mit der Aussage: „Wo ist die Rechnung, ist für frau Kritik an ihrem Tun schon in diese simple Frage mithineingepackt.

Dabei ticken Männer einfach anders. Was nicht heißt, dass alles in Ordnung ist. Männer könnten lernen, „etwas beziehungsorientierter zu agieren“, um Beziehungen zu schaffen. Und Frauen können von den Männern lernen, „ein klein wenig klarer zu agieren“, vor allem schneller auf den Punkt zu kommen, ohne die Höflichkeit zu vernachlässigen.

Wie kann Mann höflich sein, wenn er die Regeln kaum kennt ...

... es gibt sie natürlich, die charmanten Männer mit gutem Benehmen, selbstverständlich, nur leider sind sie dünn gesät. Die Zahl der Etikette-Verweigerer („ich bin wie ich bin“) oder jene derer, die gar nicht wissen, was sie falsch gemacht haben, ist groß. Deshalb kommt mann oft gar nicht auf die Idee, dass sein Verhalten andere irritiert. Nur weil man(n) gehen gelernt hat, kann er noch lange keinen Walzer tanzen.

Wir wissen, dass Frauen und Männer unterschiedliche Muster leben. Das Höflichkeitsempfinden variiert bei den Geschlechtern und birgt ein hohes Potential an Konflikten.

Frauen sind in meiner Wahrnehmung höflicher als Männer, weil das für sie zu einem guten Miteinander dazugehört. Männer unterschätzen das Thema Höflichkeit und könnten im Umgang mit Frauen und Männern von Frauen lernen, ja würden sogar manchen Umgangsformen-Kurs dringend benötigen. Da geben mir sicher viele Frauen recht.
Hier wie dort bestätigen Ausnahmen natürlich die Regel.

Ich plädiere dafür, dass Männer und Frauen die Bedürfnisse und Verhaltensweisen im Umgang mit dem anderen Geschlecht wahrnehmen lernen. Das Verständnis für das andere Geschlecht steigt dadurch – und die Harmonie untereinander ebenso. Die Integration so mancher Verhaltensweisen des anderen Geschlechts könnte für uns dann gegenseitig von großem Vorteil sein.