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Weiterbildung mit Apps, Webinaren und MOOCs

Wie bilden wir uns heute weiter? Selbstverantwortlich, flexibel und individuell können wir z.B. Apps, MOOCs oder Blended Learning nutzen.
Gabriele Braun | 08.11.2016
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Wer heutzutage beruflich nicht abgehängt werden will, muss sich immer wieder um Weiterbildungsmaßnahmen kümmern, besonders in Aufgabenfeldern, die stark von der fortschreitenden Digitalisierung der Arbeitswelt geprägt sind. Der TNS-Infratest-Studie „Weiterbildungstrends in Deutschland 2016“ zufolge sind 75 Prozent der Entscheider davon überzeugt, dass die Digitalisierung Weiterbildungsmaßnahmen erforderlich macht.

Weiterbilden in Eigeninitiative
Stärker als früher ist Eigeninitiative gefragt. Im Rahmen eines guten Selbstmanagements müssen Mitarbeiter immer häufiger von sich aus erkennen, in welchen Bereichen sie Weiterbildungsbedarf haben, und sich selbst um entsprechende Kurse kümmern. Eine gute Orientierung bei der Suche nach dem optimalsten Angebot bieten Seminarplattformen wie Semigator oder Branchenportale wie die marketing-BÖRSE, die unter Termine häufig Seminare und ganz aktuell in einer Marktübersicht die wichtigsten Weiterbildungsinstitute im Marketing-Spektrum aufführt. Auch Social Media, etwa Xing, LinkedIn oder Facebook, spielen für die Weiterbildungs-Recherche eine immer wichtigere Rolle.

Viele Anbieter und viele Formate
Etwa 17.000 Institute bieten allein in Deutschland Weiterbildungskurse in praktisch allen Themenbereichen an. Die Spanne reicht von anderthalbstündigen Kurzseminaren bis zu mehrjährigen Kursen mit höherem Berufs- oder Hochschulabschluss. Ebenso breit ist das Spektrum der Kanäle, über die der Wissenstransfer stattfindet. Neben der klassischen Präsenzveranstaltung wächst die Bedeutung digitaler Lernmethoden. Die CD hat weitgehend ausgedient. Längst werden die Kurse online per App, Webinar, MOOC (Massive Open Online Cours) und andere Formen oder als Blended Learning, also in der Kombination aus Präsenzveranstaltungen und E-Learning, durchgeführt. Nach Angaben des Wuppertaler Kreises, eines Bundesverbandes der Berufsbildungsbranche, haben zwei Drittel seiner Mitglieder „virtuelle Klassenzimmer“ im Portfolio. Und 63 Prozent aller deutschen Unternehmen setzten laut einer Bitkom-Studie digitale Lernprogramme zur Weiterbildung ihrer Mitarbeiter ein.

E-Learning wird in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen. Eine Studie des mmb-Instituts in Zusammenarbeit mit der Fachmesse Learntec geht von einer Umsatzsteigerung in diesem Bereich von 116 Prozent bis zum Jahr 2020 aus.

Flexibler Zugang über Lern-Apps
Der Sprachapp-Anbieter Babbel hat es in kurzer Zeit geschafft, zu einem Global Player im umkämpften Markt des Fremdsprachenunterrichts aufzusteigen. Die Stärke von Babbel: Die Apps können dank Anwendung auf dem Smartphone zu jeder Zeit an jedem Ort ganz nach den Bedürfnissen des Nutzers und der jeweiligen Situation aufgerufen werden. So macht Sprachen lernen ohne lästige Einschränkungen Spaß. Auf die Idee, E-Learnig per App zugänglich zu machen, sind auch andere Anbieter gekommen. Beispielsweise bietet die DEKRA Berufskraftfahrern eine App, mit der sie die gesetzlich vorgeschriebenen Weiterbildungsinhalte an ihre beruflichen Umstände angepasst lernen können. Der Wuppertaler Kreis sieht zukünftig Apps als wesentliches Format für die betriebliche Weiterbildung. So können die Inhalte in kleinen, konzentrierten Häppchen, den sogenannten Bildungs-Nuggets, konsumiert werden.

Live dabei: Webinare und MOOCs
Die wohl direkteste Übertragung klassischer Präsenzseminare ins Internet sind Webinare (ausführlicher Artikel hier). Sie werden in einem vordefinierten Zeitraum mit angemeldeten Teilnehmern durchgeführt, manche kostenpflichtig, andere für umsonst. Die Teilnehmerzahl kann theoretisch unendlich groß sein, wird aber in der Regel auf eine überschaubare Zahl begrenzt, um die Interaktivität - jeder kommt zu Wort - zu gewährleisten. Ganz anders dagegen Massive Open Online Courses, kurz MOOCs. Diese fast immer kostenlosen Veranstaltungen haben nicht selten tausende Teilnehmer. Die meisten MOOC-Nutzer haben einen akademischen Hintergrund. Gut die Hälfte von ihnen nutzt diese Lernform für die berufliche Weiterbildung. Ein Format sind die xMOOCs (x steht für extension und wird „cross“ ausgesprochen), die Hochschul-Vorlesungen gleichen, lediglich ergänzt durch Lesematerial und Foren für den Austausch. Dagegen leben cMOOCs (c für connectivism) von der Interaktion. Teilnehmer führen über Blogs, Soziale Medien etc. Diskussionen und entwickeln gemeinsam Lernergebnisse. Großer Nachteil eines MOOC: Nach Angaben der Stiftung Warentest halten nur maximal zehn Prozent der Teilnehmer einen Kurs bis zum Ende durch und erlangen einen Abschluss.

Flexibel mit Podcasts
Webinare, MOOCs und andere Lernformate werden auch als aufgezeichnete Audio- und Video-Podcasts angeboten. Das schränkt zwar die Interaktivität stark ein, ermöglicht jedoch maximale zeitliche Flexibilität für die Nutzer. Entsprechend sind Podcasts stark verbreitet. Sie werden ebenfalls mal per App, mal über einen Browser-Zugang kostenlos oder -pflichtig angeboten. Ein weiteres Angebot, das an Bedeutung stetig zunimmt, ist Gamification. Diese spielerische Form des Lernens ermöglicht interaktiv in Wettkampfform oder für Einzelspieler dank Spaßfaktor eine deutlich bessere Verinnerlichung als reines „Pauken“.

Das Beste aus zwei Welten: Blended Learning
Viele Weiterbildungsinstitute bieten Blended Learning an, also die Kombination aus E-Learning mit offenen Präsenzveranstaltungen oder Inhouse-Seminaren bei Kundenunternehmen vor Ort. Der Vorteil dieser klassischen Seminare ist der persönliche Kontakt, der für Gruppenmotivationseffekte sorgt und emotional beeinflusste Situationen besser vermitteln kann. Das Erlernen eines persönlichen Verkaufsgesprächs oder eines sozialen Dienstes ist virtuell nur bedingt möglich. Das heißt, bei allen digitalen Entwicklungen bleibt die Präsenzveranstaltung für viele Lernbereiche unverzichtbar. Die Kombination aus digitaler Wissensvermittlung per Podcast, Online-Reader etc. und Präsenzveranstaltungen gewährleistet eine gewisse Flexibilität, ohne auf Gruppenerfahrungen verzichten zu müssen.

Bedingungen und Abschlüsse
Ganz unverändert spielen in der Weiterbildung bestimmte Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle, zum Beispiel, ob eine Maßnahme als Bildungsurlaub anerkannt wird oder förderfähig ist. Darüber können in der Regel die Anbieter Auskunft erteilen, für die diese Kriterien wertvolle Verkaufsargumente sind. Auch der Abschluss kann wichtig sein. Gibt es eine Teilnahmebescheinigung, ein Zertifikat oder einen Titel, der einem akademischen Grad gleichkommt, z.B. den Master? Während Abschlüsse mit Grad bzw. Titel nur bei langfristigen Weiterbildungen von teilweise mehreren Jahren in Frage kommen, sind Zertifikate typischer für Seminare, die zwischen wenigen Stunden und einigen Wochen dauern. Wichtig bei Zertifikaten ist die Ausstellung durch Berufsverbände wie der GPM oder durch die Kammern, also IHK und Handwerkskammer. Solche offiziellen Zertifikate bringen auch die für die Karriereplanung wichtige Reputation mit sich, egal ob beim Aufstieg im Unternehmen oder bei der Jobsuche. Und die Entscheider können sich darauf verlassen, dass ihre Mitarbeiter ein Qualifikations-Update auf wirklich hohem Niveau erhalten haben.

Bildquelle: fotolia / Coloures-pic