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4 Gegensätze für das Digital Mindset

Digital Mindset steht für das Bewusstsein der Möglichkeiten und Veränderungen. 4 Gegensätze, die für seine Entwicklung aufgelöst werden müssen.
Bertold Raschkowski | 03.06.2019
© Pixabay / Geralt
 
Die Welt, in der wir aktuell leben, zeichnet sich durch Schwankungen, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit aus. Das ist vom Prinzip her nicht neu. Unsicherheit und Komplexität gibt es schon länger. Neu und bisher nicht da gewesen ist in dieser Welt, die wir passend als VUKA-Welt (Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität ) bezeichnen, das enorme Tempo. Ein Tempo, das nicht mehr nur linear ansteigt, sondern exponentiell für viele - tendenziell traditionelle - Unternehmen schwierig zu managen ist.

Mal von vorn


Wenn wir Mind mit Bewusstsein übersetzen, dann ist der Begriff Digitales Bewusstsein ein Widerspruch in sich selbst. Das Bewusstsein ist mit ziemlicher Sicherheit nicht digital, denn es ist der Ursprung aller technischer Lösungen und damit vor all dem da gewesen.

Mindset können wir definieren als Denkweise, die Summe von Einstellungen, eine Orientierung oder eine Art Weltanschauung – maßgeblich beeinflusst durch unsere Prägungen und gemachten Erfahrungen. Ein Mindset kann recht starr und unbeweglich sein - oder dynamisch und auf Wachstum ausgerichtet. Für uns kommt nur letzteres in Frage – und zwar sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht.

Hört sich bekannt an, oder? Wenn wir diese Erklärung annehmen, dann ergibt sich daraus zwangsläufig, dass es sich um Einstellungen, Denkweisen und Orientierungen handelt, die schon immer vorhanden waren und die Menschen und Organisationen in aktive Gestalter und reaktive bzw. passive Teilnehmer aufgeteilt hat. Der Unterschied heute: Das aberwitzige, sich exponentiell entwickelnde Tempo.

Ein Vorschlag


Es bietet sich an, das Digital Mindset als Mindset der Möglichkeiten und der Veränderung zu verstehen. Das hat grundsätzlich nichts mit Technik zu tun.

So wenig wie ein Kicker oder der tägliche Obstteller etwas mit New Work oder Arbeitgebermarke zu tun hat, so wenig ist das Vorhandensein einer Innovationsabteilung oder die Einstellung eines Chief Digital oder Innovation Officer ein Zeichen für ein Digital Mindset oder der absolute Erfolgsfaktor für ein Unternehmen.

Ein Digital Mindset ist ein Mindset der Veränderung und das Fundament - mindestens aber ein integraler und wesentlicher Bestandteil – der gelebten Unternehmenskultur. Man könnte das „Digital“ auch streichen, denn es ist bereits das neue „Normal“.

Nichts Neues also – nur sind viele von uns zu langsam oder haben verlernt, mit Veränderung umzugehen. Oder beides.

Ansprüche an Führungskräfte und Mitarbeiter


Ein Veränderungs- oder Möglichkeiten-Mindset beinhaltet eine stark ausgeprägte Neugier, Experimentierfreude und eine hohe Lernwilligkeit, gepaart mit einer gewissen Frustrationstoleranz. Das gilt gleichermaßen für den Einzelnen und für die Organisation.

Woran sollten wir uns also erinnern? Welche Eigenschaften oder Einstellungen oder Skills sollten wir aus dem Dunkel des Vergessens und der Nicht-Nutzung hervorholen, entstauben und trainieren?

Kontrolle abgeben


Kontrolle braucht Zeit und zum Teil umständliche Mechanismen. In jedem Fall wird hier Zeit verbraucht, die besser in die Ideenfindung, Entwicklung und Umsetzung gesteckt wird. Wir müssen uns ohnehin von dem Gedanken verabschieden, dass alles kontrollierbar ist. Auch dürfen wir nicht annehmen, dass eine Reduktion der Kontrolle automatisch Willkür oder Laissez-faire impliziert. Es braucht nämlich sehr wohl einen Rahmen, der allen bekannt ist und in dem der Geist der Möglichkeiten und der Veränderung wirken kann.

Sowohl als auch statt entweder oder


Ein Digitaler oder Veränderungs-Mindset fordert von Menschen und Unternehmen ein Sowohl-als-auch statt einem Entweder-oder. Es gibt nicht mehr DIE Eigenschaft, die ein Erfolgsgarant in der VUKA-Welt ist. Und es gibt auch nicht mehr DAS ideale Kompetenz- und Einstellungsprofil, das quasi als Schweizer Messer in den Zeiten der Digitalisierung bei allen Herausforderungen hilft.

Die vier wichtigsten Gegensatzpaare, die es auszubalancieren gilt, sind:

1. Bewahren und zerstören


Nicht alles, was neu ist, ist auch gut. Nicht alles, was alt ist, ist automatisch schlecht – das wäre zu einfach. Zu einem Digital Mindset gehört, bewusst überholte oder obsolete Modelle, Prozesse, Produkte und Geschäfte zu zerstören, um sie neu zu bauen. Zu einem erfolgreichen Digital Mindset gehört allerdings auch, zu erkennen, was bewahrens- und schützenswert ist - zum Beispiel dann, wenn eine digitale Transformation deutlich nachhaltiger ist, wenn sich das Unternehmen auf seine Werten und Herkunft besinnt, also das eine tut, das andere nicht lässt.

2. Skepsis und Offenheit


Menschen und Organisationen müssen offen sein für das Neue - offen für neue Technologien, neue Methoden, Prinzipien und Märkte. Bei aller Offenheit braucht es jedoch immer eine gesunde Skepsis, die die Optionen prüft und bewertet, bevor Innovationen oder Meinungen und Prinzipien übernommen werden, die möglicherweise gar nicht zielführend sind.

3. Daten und Intuition


Ein Vorteil der digitalen Welt und ihrer Geschäftsmodelle ist die Verfügbarkeit von Daten - Daten, die eine präzise Analyse des Erfolgs und die Ermittlung aller erforderlichen Schlüsselkennzahlen ermöglicht. Auf dieser Basis lassen sich grundsätzlich fundierte Entscheidungen treffen. Da die Erfahrung zeigt, dass Zahlen eben nicht immer geeignet sind, die zukünftige Entwicklung zu prognostizieren, bleibt weiterhin eine gute Portion Intuition und Bauchgefühl gefragt.

4. Umsetzung vor Perfektion


Der erste Weg ist in unserer Hochgeschwindigkeitswelt der erfolgversprechendere. Nicht umsonst hören wir aus der Startup-Szene so häufig die Aussagen „früh scheitern“ und „better Done than Perfect“. Früher hätten wir gesagt: „Versuch macht klug“ oder „Übung macht den Meister“. Im Kern steht die Aussage, dass wir nicht im lähmenden Perfektionswahn stecken bleiben sollen, sondern mutig mit Entwicklungen und Entscheidungen sind und aus gescheiterten Versuchen lernen, um es in der nächsten Runde besser zu machen - eine Art experimentelle Optimierung alter Schule.

Also absolut nichts Neues, ziemlich analog – und deutlich schneller.