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Digital Natives und Social Media: Das Paradox von Sucht und Überdruss

Digital Natives bewegen sich häufig im Spannungsfeld zw. ständiger Erreichbarkeit und traditionellen Lebensentwürfen. Spannend für PR und Marketing!
Gerdt Fehrle | 16.09.2020
© unsplash.com
 

Ihnen scheint das Smartphone näher zu stehen als die eigene Mutter, Likes wichtiger als die echten Freunde, das virtuelle Leben auf Instagram & Co. spannender als das vor der Haustür. Und dennoch: Viele Digital Natives sind sich sicher, dass ein Leben ohne Social Media ein besseres wäre. Ein Paradox mit Auswirkungen auf die Arbeit von PR und Marketing.

Digital Natives – eine Generation von Smartphone-Süchtigen. So die allgemeine Meinung über die Generation der nach 1980 Geborenen, die kein Leben ohne Internet kennen. Und tatsächlich: Laut einer Deloitte-Studie aus dem Jahr 2019 reagieren 40 Prozent der befragten Millennials und Mitglieder der Generation Z höchst besorgt, wenn sie ihre Social-Media-Profile länger als einen Tag lang nicht checken. Doch gleichzeitig glaubt die Hälfte, dass sich ihre Lebensqualität ohne die sozialen Medien verbessern würde. TV, Radio und Print-Medien statt Instagram, Facebook und Tik Tok? Ein schwer vorstellbares Szenario. Doch 54 Prozent der Befragten können sich ein Leben ‚ohne‘ zumindest vorstellen.

Digital Natives blicken pessimistisch in die Zukunft

Und auch diese Ergebnisse liefert die Studie: Optimismus und Vertrauen nehmen ab. Nur 13 Prozent der Millennials und 14 Prozent der Generation Z hierzulande denken, dass sich die wirtschaftlichen Aussichten in Zukunft verbessern werden. Weltweit sind es 26 Prozent. An eine Verbesserung des politisch-sozialen Systems glauben zehn bzw. sieben Prozent. Die Corona-Krise, die erst nach der Durchführung der Studie die Welt durcheinandergewirbelt hat, dürfte die Einstellung kaum zum Besseren verändert haben. Besonders groß ist die Sorge vor den Folgen des Klimawandels, erst dahinter folgen Terrorismus, politische Instabilität und Krieg.

Auch vom ausgeprägten Selbstbewusstsein, über das sich ältere Generationen zuweilen wunderten, scheint inzwischen nicht mehr viel übrig. Besonders jene, die noch nicht im Arbeitsleben stehen, bezweifeln, dass sie über die Skills und Fähigkeiten verfügen, um für die Industrie 4.0 gewappnet zu sein. Jene, die bereits ins Berufsleben gestartet sind, befürchten, sich bei der Jobsuche schwer zu tun. Dabei fällt auf, dass die Befragten in Deutschland auch hier deutlich negativer denken als ihre Altersgenossen im Ausland.

Kommunikations-Mix: Totgesagte leben länger

Interessant: Keiner Generation zuvor stand die private und berufliche Welt so offen wie den Millennials und der Generation Z. Reisen und Karriere machen? Kein Problem in Zeiten von billigen Flugtickets und Fachkräftemangel. Und dennoch steht für die Hälfte Familie und Eigenheim ganz oben der Wunschliste.

Und was heißt das nun für PR und Marketing? Totgesagte leben länger: TV, Hörfunk und Print, die Klassiker im Medien-Mix, könnten sich länger halten als gedacht. Die konsequente Verlagerung der Mediabudgets in Online-Kanäle sollte vor diesem Hintergrund noch einmal durchdacht werden. Das eine tun ohne das andere zu lassen, mag die Devise für die Marketing-Kommunikation wohl deshalb lauten.

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Über Gerdt Fehrle

Gründer und GF Prospero, Germanist und Philosoph (MA), Texter, Konzeptioner und Visionär. Vorstand der Lup-Stiftung. Verleger und Business-Coach.

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