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Arbeiten bis zum Umfallen und dann? Burnout Symptome erkennen und rechtzeitig gegensteuern

Welche Vorkehrungen sind zu treffen, damit das Auftreten von Burnout verhindert bzw. vorgebeugt werden kann?
| 17.10.2011

In der aktuellen Entwicklung im Berufsleben ist immer häufiger vom sogenannten Burnout Syndrom die Rede. Zunächst wurde dieses nicht neue Phänomen gerne abgetan und verworfen, dann zunehmend inflationär verwendet. Mittlerweile hat in der Gesellschaft und den Unternehmen eine intensivere Auseinandersetzung stattgefunden, so dass mehr oder minder klare Vorstellungen vorhanden sind. Zur Sensibilisierung hat auch das Outing von bekannten Persönlichkeiten erheblich beigetragen wichtige Aufklärungsarbeit zu leisten. In der professionellen Personalarbeit ist Burnout seit längerem bekannt und im Ursachen- und Wirkungszusammenspiel deutlich klarer geworden. Insbesondere in personal- und kontaktintensiven Bereichen zeigen sich Risikopotentiale die es zu erkennen gilt.

2.1 Was ist Burnout eigentlich?

Rein faktisch: bis dato ist Burnout nicht als eigenständige Krankheit definiert und ist nicht anerkannt als Berufskrankheit. Und so mancher Arzt hat Schwierigkeiten ein Burnout zu erkennen zu diagnostizieren. Das liegt sicherlich an den vielen, sehr unterschiedlichen Einflussfaktoren und der individuellen Prägung eines jeden Menschen. Ein Burnout Erkrankter leidet bspw. unter einer starken geistigen, körperlichen und seelischen Erschöpfung. Dabei handelt es sich um keine „Manager- oder Führungskräfte-Krankheit“, wie vielfach behauptet. Sondern sie tritt bei allen Menschen auf, die sich in unterschiedlichsten Aufgabenstellungen stark engagieren, insbesondere auch Solche die mit viel Emotion bei der Sache sind. Oftmals also nur ein schmaler Grat, auf dem wir wandeln. Das ist auch im Mensch-zu-Mensch Business, dem Kundenservice, der Reklamation, im Vertrieb etc. ein angezeigtes Thema. Insbesondere in personal- und kontaktintensiven Branchen mit hoher Prozessdichte und vorgegebenen Abläufen. Die Balance zwischen viel geben und wenig Bestätigung zurück zu gewinnen, ist häufig eine der möglichen Ursachen dafür. Das ebenso inflationär benutzte Wort „Stress“ spielt hier eine große Rolle, wobei zu unterscheiden gilt zwischen positivem Stress, der anregend und motivierend sein kann. Und dem negativen Stress, der hervorgerufen wird durch Perfektionismus, Überforderung oder schlechtes Zeitmanagement, Probleme die übernommenen Aufgaben zu erfüllen, Verantwortung ausreichend zu leben und zu teilen, Probleme im privaten Umfeld etc. – der Ursachen gibt es viele. Jedoch geht jeder Mensch mit den Anforderungen und seinen Auswirkungen sehr unterschiedlich um, zeigt individuelle Ausprägungen. Somit ist das Gesamtbild komplex und erfordert Achtsamkeit.

2.2 Wie erkennen wir Hinweise auf Burnout?

Das tückische: Es ist kein Ad hoc Effekt. Über einen längeren Zeitraum stellt sich eine schleichende Entwicklung ein, die daher besonders gefährlich ist. Burnout entwickelt sich langsam, scheinbar unmerklich. Das berühmte, sich aufbauende und beschleunigende Hamsterrad, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt. Der betroffene Mensch spürt häufig erst nach Jahren den Punkt an dem er keine ausreichende mehr Energie hat – es fehlt die Vitalkraft, die Freude. Dabei ist oft der Wunsch zu arbeiten gegeben. Jedoch folgen Seele und Körper nicht mehr den Anforderungen. Der Akku ist leer. Eine Situation, die in der einen oder anderen Ausprägung, viele von uns schon erlebt haben und damit in etwa nachspüren können. Interessanterweise ist ein Urlaub in diesen Fällen häufig nicht sehr hilfreich. Wenn die Fähigkeit des Abschaltens nicht mehr gegeben ist, entstehen häufig keine oder nur geringe Effekte.

2.3 Welche Symptome geben Hinweise auf einen Burnout, das Ausgebranntsein?

Folgende seelische und körperliche Symptome können Anzeichen sein:
· Störung der Konzentration und der Konzentrationsfähigkeit
· Erschöpfung und Lustlosigkeit
· Mangelnder Antrieb und Motivation
· Interesse am beruflichen Aufgabenstellung schwindet bzw. lässt stark nach
· Rückzug aus dem sozialen Umfeld: „alles wird zu viel“
· Reizbarkeit und Aggressivität
· Dauernde, scheinbar grundlose Müdigkeit, häufig in Kombination mit Schlafstörungen
· Stimmungsschwankungen
· Bis zu körperlichen Beschwerden, die sich sehr unterschiedlich bspw. als Kopfschmerzen, Migräne, Magen- und Darmproblemen bis zu Rückenschmerzen oder einem Bandscheibenvorfall äußern können (weitere).

2.4 Welche Vorkehrungen sind zu treffen, damit das Auftreten von Burnout verhindert bzw. vorgebeugt werden kann?

Das „Ausgebranntsein“ und dessen Umfang gilt es zunächst selbst zu verinnerlichen und anzunehmen. Das eigentliche Erkennen ist das Problem. Sehr häufig könnten Menschen im direkten Umfeld mit aufmerksamer Beobachtung die Symptome und Verhaltensweise erkennen und benennen. Für den Betroffenen selbst ist dies sehr viel schwieriger zu leisten, da er selbst im Geschehen verhaftet ist und sich nur schwer umfassend selbst reflektieren kann. Es ist ungleich schwerer, wenn man selbst im „Hamsterrad“ sitzt – ein bekanntes Phänomen, das ist nicht nur bei Burnout zu beobachten ist.
Welche Dinge kann der Einzelne tun um Vorkehrungen zu treffen? Einen ersten Überblick können die folgenden Fragen liefern:
· Verfügen Sie über ein stimmiges Selbstmanagement? Gelingt es Ihnen sich zu motivieren, sich zu kontrollieren, Gefühle zu steuern, sich auf neue Situationen einzustellen, die eigene Zeit einzuteilen?
· Halten Sie einen regelmäßigen Tagesablauf ein? Gibt es regelmäßige Pausen? Essen Sie regelmäßig und nehmen sich dafür ausreichend Zeit? Eine disziplinierte Planung hilft.
· Sorgen Sie für ausreichend Entspannung durch Dinge die Ihnen gut tun und Ihnen Freude bereiten? Empfinden Sie konkrete Entspannung in Ihrem Tagesablauf, auch während der Arbeit? Nutzen Sie Aktivitäten in Ihrer Freizeit, wie ausreichend Sport, Entspannungsübungen, um das persönliche Gleichgewicht zu halten?
· Fühlen Sie sich in Ihrem Arbeitsumfeld wohl? Welche Maßnahmen können getroffen werden, damit sich ein besseres Wohlgefühl für Sie einstellen kann (Geräusche, Pflanzen, Farben)?
· Welche Aufgaben sind Ihnen unangenehm? Wichtig ist zunächst zu prüfen, was muss ich wirklich selbst tun? Was verschafft mir Entlastung? Können Sie diese Aufgaben oder Teile verteilen bzw. delegieren? Wer kann Ihnen aktive Hilfe bei der Einschätzung anbieten?
· Identifizieren Sie für sich was „stresst“ mich – im Sinne des negativen Stresses. Wo entstehen Drucksituationen? Sabotieren Sie sich möglicherweise selbst? Wo haben sie das Gefühl permanent überfordert zu sein – wie lässt sich dieser Ablauf aktiv ändern?
· Sind Ihre Terminangaben realistisch? Halten Sie Ihre Termine tatsächlich ein? Oder sind Sie häufig in der Klammer und wissen nicht ein noch aus? Müssen diese Aufgaben so übernommen werden? Welche Alternativen gibt es für Sie?
· Stellen Sie möglicherweise zu hohe und insbesondere perfektionistische Anforderungen an sich selbst? Nehmen Sie sich in Ihrer Persönlichkeit mit allen Fehlern an?
· Haben Sie ein ausreichendes Selbstwertgefühl? Sind Sie mit sich in einer „Wohlfühlzone“? Und können Sie NEIN sagen, wenn es darauf ankommt? Oder neigen Sie dazu jedem helfen zu wollen und alles recht zu machen?
· Wie gestalten Sie Ihre Lebensführung? Achten Sie auf eine ausreichende Balance? Wo entsteht Stress durch dauernde Erreichbarkeit, einen hohen Perfektionsanspruch und Arbeitseinsatz bis zur Erschöpfung? Wo finden Sie Ihre Kraftquellen und wie reichern Sie Ihre Ressourcen wieder an?

Häufig verhält es sich so, dass Menschen das Gefühl haben einer Situation, ihrer Arbeit oder einem Vorgesetzten ausgeliefert zu sein. In dieser Konstellation besteht ein entsprechendes Risikopotential für eine Burnout-Erkrankung.

2.5 Ein Fazit

Belastung und Stress ist üblich und gehört in unseren Tagesablauf, sind somit also feste Bestandteile in unserem Berufs- und Lebensalltag. Das ist alles unproblematisch, solange nach der Anspannung (Stress) die Entspannung folgt. Ähnlich einem Muskel, der nicht stundenlang angespannt sein kann, benötigt auch das Gehirn Phasen der Spannung und der Entspannung. Bei Burnout ist das erforderliche Gleichgleichgewicht nicht mehr gegeben – es fehlt die Zeit der Ruhe, der Entspannung, das Loslassen. Diese gilt es herzustellen.
Wichtig ist das identifizieren dieser Stressfaktoren und der übermäßigen Belastungen. Hin zu einer individuell anzupassenden Ausgewogenheit im Tagesablauf. Die vermeidbaren Negativfaktoren gilt es abzustellen. Hilfreich sind in jedem Fall Bewegung, geregelte Abläufe, ausreichende Entspannungsphasen. Die Sensibilität ist individuell auf den jeweiligen Menschen zu erarbeiten und zu erkennen. Im Anschluss kann das berufliche oder familiäre Umfeld einbezogen werden.
Wenn eine entsprechende Feststellung getroffen ist, ist es durchaus ratsam sich eine professionelle Hilfestellung zu suchen. Je nachdem reicht in leichten Fällen ein Coaching mit wenigen Stunden aus. In stärker ausgeprägten Fällen haben sich Gespräche mit Verhaltens-Therapeuten insbesondere bewährt.
Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeiter sind aufgerufen sensibel und achtsam in jeweiligen Verantwortungsbereich zu agieren, damit jeder die ihm zu kommende Verantwortung übernimmt und lebt.


Dies ist ein Auszug des kostenlosen eBook „Erfolgreiches Callcenter 2011“.

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