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Wenn ich einmal weg wär,…!

Von der Notwendigkeit, einfach mal eine lösungsfokussiert begleitete Auszeit zu nehmen, um sich im eigenen Labyrinth zu orientieren.
Barbara Graber | 03.07.2012

„Dem Alltag entfliehen und in Ruhe und angenehmer Umgebung zu mir kommen.“, gab mit die junge, ambitionierte Steuerberaterin zur Antwort auf meine Frage, was denn im Moment ihr größter Wunsch wäre, und ein möglicher Schlüssel dazu, ihre betrieblichen und persönlichen Anliegen zu klären. Es ginge um neue Wege, sagt sie. Um Klarheit in der Ausrichtung des jungen Unternehmens, um eine gute Basis für die Kooperation mit der neuen Kanzlei-Partnerin und um ihre Führungsrolle den Mitarbeitern gegenüber. Und auch darum, selbst zu entscheiden, was gut und richtig wäre; ohne die vielen „Einsager“ rundherum. „In dem ganzen Trubel hier ist das aber gar nicht so einfach!“ meint sie seufzend.

„Na wenn’s weiter nichts ist“, kontere ich augenzwinkernd und biete ihr statt des angefragten klassischen Coaching- und Beratungspakets etwas Ausgefalleneres an: „Was halten Sie von einem Business Retreat?“ Inspirierende Umgebung, Ruhe, Rückzug und Zeit um fernab des Alltags an Lösungen für aktuelle Themen zu erarbeiten. - „Buniness-Retreat? Was ist das?“

Ein Retreat (engl. Rückzug) ist eine geplante Pause Abseits des Alltags und der bekannten Routinen. Er dient der Entspannung, dem Stressabbau und der BeSINNung auf Wesentliches. Er ist die ideale Möglichkeit, frei von Mails, Mobiltelefonen und sonstigen Informationskanälen, „runterzukommen“ von Überlastung und Alltagstrott, die Führungskräfte und Unternehmer so oft begleiten.

Es bleibt hier endlich mal Zeit, sich über Fragen Gedanken zu machen, die Werktags untergehen. Das innige Verlangen nach Entschleunigung, das in den heimischen Führungsentagen deutlich spürbar ist, kann hier gestillt werden:

In einer Umgebung, die so anders ist, als die, die unsere täglich bis an die Grenzen geforderten Kunden gewohnt sind. Egal ob in den Bergen, wo erwachsene Menschen sich an die „Kleinigkeiten“ ihrer Kindheit erinnern: an Düfte, Beeren, den Spaß am draußen sein, ans Staunen über die kleinen und großen Wunder der Natur, das Testen eigener Grenzen; oder am Meer, den gewaltigen Wassermassen, die üppiger Lebensraum für so viele auf den ersten Blick unsichtbare Arten sind: der Effekt ist sehr ähnlich: Menschen schärfen ihre Wahrnehmung und erlangen so einen neuen, anderen Blick auf die Dinge. Relationen verändern sich, Dramen entpuppen sich gern als Chancen, Ideen sprudeln, wie lang nicht mehr.

Und es wird möglich, still, achtsam und wertschätzend nach innen zu blicken. Von wo aus eine neue Ausrichtung auf Visionen, Ziele, Projekte, Entwicklungen fast wie von selbst leichter möglich wird. Der Raum, die Umgebung, das Erlebte werden zu Werkzeugen, die Prozesse auslösen, die – und das ist das Kernstück der Business Retreats – von professionellen Coaches lösungsorientiert und systemisch begleitet und mit den Kunden konkret bearbeitet werden. Die Einkehr in Kombination mit Bewegung, neuen Horizonten und Perspektiven sowie nachhaltig wirkenden Coaching-Interventionen ermöglichen bewusstes, konzentriertes Handeln mit scheinbar beiläufigem Zukunfts-Lernen.

Diese Art der Auszeit, die Körper, Geist und Seele gut tut, und die sich von einem Urlaub oder Incentive allein schon durch die professionelle Aufbereitung und Führung durch Coaches bzw. Berater unterscheidet, konfrontiert die Mitreisenden mitunter auch mit neuen, anderen Welten, die – jede für sich – einzigartige Erkenntnisse für das eigene Leben bereithält.

Eine weitere Besonderheit der Retreats sind die zeitlichen Rhythmen, die sich – wie auch Dresscodes, Verhaltensregeln und Kommunikationskultur deutlich vom Business-Alltag unterscheiden. Wie oft zum Beispiel haben Sie in ihrem Leben einen Tag vom bewusst erlebten Sonnenaufgang bis zum bewusst zelebrierten Sonnenuntergang Schritt für Schritt genossen? Wann haben Sie bewusst mitten am Tag – als Teil ihrer Arbeit – eine Wanderung unternommen? Wann haben Sie zuletzt ein paar Tage verbracht, in denen Ihr Leben aufs Wesentliche reduziert war? Und können Sie sich vorstellen, wie interessant es ist, einen 76-jährigen Senner bei seiner Arbeit zu begleiten? Oder mit einem balinesischen Fischer über das Leben zu sinnieren?

Sie sehen schon, die Palette der MöglICHkeiten ist bunt und den Vorlieben der Reisenden anpassbar.
Wir sind in den letzten Jahren schon in einige Richtungen aufgebrochen:
In den idyllischen Ort am Berg, ins verschwiegene Dorf am indischen Ozean, in die Salinen Sloweniens, in die brodelnde, aufstrebende Großstadt, in den Karst, an den See, ins verträumte Adria-Städtchen, bis hin zu den Spuren eines großen Dichters.

Mitgebracht haben wir immer eines: Menschen, die für sich selbst in durchaus ungewöhnlichen Seminar- bzw. Coaching-Umgebungen Antworten gefunden hatten auf Fragen, die zu stellen es im Alltag oft zu turbulent war. Menschen, die von in Gang gesetzten Prozessen zu berichten wussten, die sie persönlich wie auch in ihrer beruflichen Rolle deutlich verändert haben. Menschen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, die sich mit dem exklusiven Retreat in Gruppen von maximal 6 Personen, vor allem ein Geschenk gemacht haben: Zeit, Raum und Aufmerksamkeit für sich selbst und die eigenen Werte, Wege und Weisheiten.

Der nachhaltige Transfer in den Alltag gelingt nicht nur durch die Reisetagebücher, die lange an Ideen, Gefühle und Prozesse, an Erlebtes und Gelerntes erinnern, sondern auch durch die konkret erarbeiteten Strategien zur Umsetzung der Erfahrungen in den (Business)Alltag, die in 2-3 nachfolgenden Coachingeinheiten reflektiert und weiter entwickelt werden.

Die ambitionierte Steuerberaterin suchte sich mit ihrer Kanzleipartnerin übrigens das Städtchen an der Adria aus; das, in dem ein fantastisches Beispiel der gotisch-venezianischen Architektur zu finden ist. Direkt am Hauptplatz steht das rote Haus, das ein reicher venezianischen Kaufmann, für seine Geliebte erbauen hatte lassen. Es ist geschmückt mit zahlreichen Köpfen, die das böse Geschwätz der Bevölkerung über das ungleiche Liebespaar belauschen sollten. Zwischen den Fenstern im oberen Stock findet sich eine Aufschrift, die der Geliebten in Abwesenheit des Baumeisters Trost spenden sollte: „Lassa pur dir“ (Lass sie reden!)

Wie passend. Die Antworten liegen in uns; bereit in aller Ruhe gefunden zu werden.