print logo

Das Zusammenspiel von SEA und SEO – Synergien erkennen und nutzen

Search-Engine-Advertising (SEA) und Search-Engine- Optimisation (SEO) sind Teildisziplinen des Suchmaschinen-Marketings.
Antonia Wälzholz | 25.10.2011
Unbenanntes Dokument

Dieser Fachartikel erschien im Leitfaden Online-Marketing Band 2:
http://TopOnlineExperten.de



Suchmaschinen-Marketing ist aus dem Online-Marketing-Mix von Unternehmen heute nicht mehr wegzudenken. Search-Engine-Advertising (SEA) und Search-Engine-Optimisation (SEO) sind Teildisziplinen des Suchmaschinen-Marketings. Oftmals verfolgen Unternehmen diese beiden Disziplinen unabhängig voneinander. Dabei lohnt es sich, einen ganzheitlichen Ansatz im Suchmaschinen-Marketing zu wählen und SEA und SEO gemeinsam zu betreiben.


SEA versus SEO

Mit SEA wird die Schaltung von bezahlten Anzeigen oben und am rechten Rand der Ergebnisseiten bezeichnet. SEA kann innerhalb sehr kurzer Zeit gute Ergebnisse liefern. Das Erstellen von Keyword-Listen und passenden Anzeigen dauert nicht lange, erste Klicks können schon direkt nach dem Start der Kampagnen verzeichnet werden. Der Erfolg ist sehr gut messbar. Jeder Klick kostet den Werbetreibenden jedoch Geld.

Unter dem Begriff SEO werden alle Optimierungsmaßnahmen zusammengefasst, die dazu dienen, den Rang der Website in den organischen Suchergebnissen zu verbessern. SEO-Maßnahmen zeigen keine sofortige Wirkung, sie sind auf ein langfristiges Ergebnis ausgerichtet. Es dauert eine Zeit, bis durch die Änderungen auf der Seite messbare Erfolge verzeichnet werden können. Zwar kostet im SEO der einzelne Klick den Werbetreibenden unmittelbar nichts, es fallen aber beständig Aufwände für die Optimierung an.


Integriertes Suchmaschinen-Marketing

Die Integration von SEA und SEO zahlt sich aus. Studien haben gezeigt, dass die Anzahl von Klicks, Seitenaufrufen und Transaktionen signifikant gesteigert wird, wenn integriertes Suchmaschinen-Marketing betrieben wird [1]. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Erkenntnisse aus dem SEA, die für SEO genutzt werden können. Werden die beiden Disziplinen gemeinsam verfolgt, können des Weiteren übergeordnete Ziele für das gesamte Suchmaschinen-Marketing definiert werden. So kann zum Beispiel auf Basis der Leistung von SEA-Kampagnen und SEO-Maßnahmen entweder die Sichtbarkeit maximiert, ein Ziel-ROI (Return on Investment) erreicht oder ein vorgegebenes Budget optimal ausgeschöpft werden [2].


Synergien zwischen SEA und SEO erkennen und nutzen

Wie funktioniert integriertes Suchmaschinen-Marketing in der Praxis? Welche Synergien treten zwischen SEA und SEO auf? Anhand eines Beispiels sollen die unterschiedlichen Zusammenhänge erläutert werden. Für einen fiktiven ECommerce-Shop wird dazu der Weg von der Erstellung einer SEA-Kampagne über das Erkennen von SEO-Potenzialen bis zur Durchführung von SEO-Maßnahmen dargestellt. Der betrachtete Shop hat seine Produktpalette um Handtaschen erweitert. Der Wettbewerb für das Segment Taschen ist im E-Commerce sehr groß. Daher müssen SEA- und SEO-Aktivitäten sorgfältig geplant und aufeinander abgestimmt werden, um das Vertriebsbudget möglichst profitabel einzusetzen. Neben der Schaltung von SEA-Anzeigen zum Thema Handtaschen soll die Produktübersichtsseite für Handtaschen des Beispiel-Shops SEO-optimiert werden. Bislang wurden noch keine SEO-Maßnahmen für diese Website durchgeführt.


SEA-Kampagnen aufsetzen

Im SEA kann eine beliebige Anzahl von Keywords gebucht werden. Dabei können thematisch ähnliche Keywords in sogenannten Anzeigengruppen zusammengefasst werden. Jeder Anzeigengruppe sind zu den Keywords passende Anzeigen zugeordnet. Ein Cluster von Anzeigengruppen wird als Kampagne bezeichnet. Die Leistung der einzelnen Keywords im Hinblick auf die Konversionsziele – zum Beispiel ein Kauf – kann über verschiedene Tools beobachtet und analysiert werden. Auf Basis ihrer Performance können für die Keywords und Anzeigengruppen individuelle Gebote festgelegt werden. Für den Beispiel-Shop wird eine neue Anzeigengruppe erstellt, in der Suchbegriffe zum Thema „Handtaschen“ gesammelt werden.

Keyword-Recherche
Mit Hilfe von Recherche-Tools, wie zum Beispiel dem „Google AdWords“-Keyword-Tool [3] und dem Traffic-Estimator [4], können zu Keywords und Themen relevante Suchbegriffe gefunden werden. Außerdem geben diese Tools dem Werbetreibenden einen Überblick über das potenzielle Suchvolumen, die Konkurrenzsituation und die zu erwartenden Kosten für das betreffende Keyword. Weiterhin können relevante Synonyme über die Websites von Mitbewerbern und die Produktbeschreibungen auf der eigenen Seite gefunden werden.

Es gibt unterschiedliche Arten von Keywords: Head Tail-, Mid Tail- und Long Tail-Keywords. Head Tail-Keywords sind generische Begriffe, die ein hohes Suchvolumen aufweisen und im SEA teuer sind. Ein typisches Head Tail-Keyword ist „Taschen“. Über Long Tail-Keywords kann Traffic günstiger eingekauft werden. Long Tail-Keywords sind sehr produktspezifisch und weisen ein relativ geringes Suchvolumen auf. Sie werden vorrangig von Suchenden verwendet, die am Ende ihrer Kaufentscheidung stehen. Daher ist die Konversionsrate bei solchen Begriffen meist recht hoch. Ein solches Long Tail-Keyword ist beispielsweise „Black Lily Lexington Tasche Nubukleder schwarz“. Mid Tail-Keywords liegen von der Anzahl der enthaltenen Wörter und ihrer Spezifizität zwischen Head Tail- und Long Tail- Keywords.

Erstellung der Anzeigengruppe „Handtaschen“
Die erstellte Anzeigengruppe wird „Handtaschen“ genannt. Diese Anzeigengruppe befindet sich einer neuen „Taschen“-Kampagne und enthält auf Basis der vorherigen Recherche eine umfassende Keyword-Liste zum Thema „Handtaschen“.

Um SEA-Anzeigen schalten zu können, müssen darüber hinaus Gebote – mindestens auf Anzeigengruppenebene – und ein Budget für die gesamte Kampagne festgelegt werden. Für die „Handtaschen“-Anzeigengruppe werden des Weiteren verschiedene Anzeigen erstellt. Auf diese Anzeigenversionen wird später im Rahmen der SEO-Optimierung eingegangen. Sind Keywords, Anzeigen, Budgets und Gebote festgelegt, kann die SEA-Kampagne gestartet werden.


Potenziale für SEO erkennen

Beim SEO wird jede dem Webauftritt zugehörige Unter-Webseite für ein Haupt-Keyword optimiert. Soll ein Webauftritt auf mehr Keywords optimiert werden, müssen zusätzliche Unter-Webseiten geschaffen werden, die jeweils auf ein weiteres Haupt-Keyword ausgerichtet sind. Die verwendeten Keywords sollten ein möglichst hohes Suchvolumen aufweisen und viele Transaktionen auf der Website generieren.

Analyse der SEA-Leistungsdaten
Die Beispielkampagne im SEA für Handtaschen soll für den betrachteten Shop einige Zeit gelaufen sein, sodass die Leistung einzelner Keywords beurteilt werden kann. Darauf basierend sollen mögliche Haupt-Keywords für SEO ausgewählt werden.

Für die Identifikation von Haupt-Keywords im SEO ist es wichtig, dass die tatsächlich gesuchten Begriffe und nicht die im SEA gebuchten Keywords untersucht werden [5]. Daher sollten nur Suchanfragenberichte oder Keywords, die mit der Option „genau passend“ gebucht wurden, ausgewertet werden.

Als Haupt-Keywords für SEO-Maßnahmen sind die Keywords „Taschen“, „Handtaschen“ und „Ledertaschen“ gut geeignet. Die Auswertung der Keyword-Performance hat ergeben, dass diese Keywords ein sehr großes Suchvolumen aufweisen. Weiterhin haben sie in der betrachteten Zeitspanne viele Klicks generiert. Die Keywords „Taschen“ und „Handtaschen“ haben aufgrund ihrer hohen Klickpreise die meisten Kosten im SEA verursacht. Das Keyword „Ledertaschen“ hat weniger Impressions, Klicks und Kosten erzeugt als das Keyword „Handtasche“. Dennoch wurde es als ein mögliches Haupt-Keyword identifiziert, da Besucher, die über dieses Keyword in den Shop gelangt sind, überdurchschnittlich häufig konvertiert sind. Diese potenziellen Head Tail-Keywords sind im SEO stark umkämpft. Eine Optimierung ist daher sehr zeit- und kostenintensiv. Im betrachteten Beispiel soll die Produktübersichtsseite dennoch auf das Keyword „Handtaschen“ für SEO optimiert werden.

Tools zur Identifikation von SEO-Potenzialen
Um Haupt-Keywords und weitere SEO-Potenziale zu identifizieren, kann auch auf verschiedene Tools zurückgegriffen werden, die darauf ausgelegt sind, Potenziale für SEO-Maßnahmen aus SEA-Leistungsdaten auszulesen. Beispielsweise wurde das Adobe Search Center (ehemals Omniture) kürzlich um die Möglichkeit erweitert, die Leistungsdaten von SEO-Kampagnen neben denen aus dem SEA in einem gemeinsamen Interface abzubilden [6].

Ein weiteres Beispiel ist die SEMSEO-Scorecard von blueSummit, die sich nicht nur darauf beschränkt, die Leistungsdaten der beiden Teildisziplinen des Suchmaschinen-Marketings gegenüberzustellen. Die Scorecard leitet direkt aus den SEA-Daten und der Struktur der Suchergebnisseiten Potenziale und mögliche Hindernisse für die SEO-Optimierung ab. Das Tool stellt für jedes Keyword das Erfolgspotenzial und die SEO-Optimierungskomplexität gegenüber und vereint diese Größen in einem Wert. So entsteht eine Kosten-Nutzen-Relation, die die Optimierungspotenziale einzelner Keywords quantifizierbar und unmittelbar miteinander vergleichbar macht [7].


SEO-Maßnahmen im HTML-Code umsetzen

Mit dem ausgewählten Haupt-Keyword „Handtaschen“ werden nun verschiedene Optimierungsmaßnahmen für die Produktübersichtsseite des Beispiel-Shops durchgeführt. SEO-Maßnahmen wie die Verbesserung der URL-Struktur, der Aufbau von Backlinks und die interne Verlinkung der einzelnen Unterseiten werden in diesem Beispiel nicht behandelt. Sie sind allerdings maßgebliche Bausteine einer SEO-Optimierung.

Integration des Haupt-Keywords in Title- und Meta-Tags
Das ausgewählte Keyword sollte in den Title-Tag der Website integriert werden. Der Inhalt dieses Tags erscheint normalerweise als Seitentitel in der ersten Zeile der einzelnen Suchergebnisse. Der Title-Tag wird vom Crawler der Suchmaschine von links ausgehend bewertet: Keywords, die am Anfang des Tags stehen, werden dabei als relevanter angesehen. Ein Title-Tag sollte aus maximal 65 Zeichen bestehen und für jede einzelne Unterseite individuell verfasst werden. Es bietet sich an, eine ansprechende Kombination aus Firmennamen und Haupt-Keyword zu verwenden.

Der Meta-Tag „description“ sollte ebenfalls für jede einzelne Unterseite speziell geschrieben werden. In diesem Tag wird der Inhalt der Website in 140 bis 160 Zeichen kurz und ansprechend zusammengefasst. Wenn zur Suchanfrage passende Keywords im Description-Tag vorkommen, wird dieser häufig von Suchmaschinen als zweite und dritte Zeile der Suchergebnisse verwendet [8]. Der Description-Tag sollte genutzt werden, um sich von den Mitbewerbern abzuheben. Der Suchende sollte durch einen „Call-to-Action“ und die Betonung der Alleinstellungsmerkmale des Shops zu einem Klick motiviert werden.

Für den Beispiel-Shop ergeben sich folgende Tags:

<html>
<head>
<title>Handtaschen im Beispiel-Shop – Stylische Handtaschen am 9,99 €!<title>
<meta name=“description“ content=“Trendy Handtaschen ab 9,99 €! Stylische Handtaschen in großer Auswahl – Hier versandkostenfreibestellen & keinen Handtaschen-Trend mehr verpassen“>
</head>
<bodi>…


Optimierung der Ankertexte
Eine weitere, sehr wichtige Optimierungsmaßnahme ist die Anpassung der Ankertexte. Wenn möglich, sollte das Haupt-Keyword in den Texten verwendet werden, die auf Produktdetailseiten oder andere Unterseiten des Webauftritts verlinken. Anstelle von Ankertexten wie „mehr…“ oder „Hier klicken“ werden daher im betrachteten Shop Link-Texte wie „Hier geht’s zu den Handtaschen“ oder „Noch mehr Handtaschen findest Du hier“ gewählt. Der Ankertext wird innerhalb des Tags „Anchor“ eingebunden: <a href=“http://www.beispiel-shop/Handtaschen.html“>Hier geht’s zu den Handtaschen</a> [9].

Verwendung von Überschriften-Tags
Der Crawler der Suchmaschine weist Wörtern, die in den Überschriften enthalten sind, mehr Gewicht bei der Seitenbewertung zu. Folglich sollten im HTML-Body Überschriften-Tags verwendet werden, in denen das Haupt-Keyword eingebunden ist. Allerdings sollte vermieden werden, das Keyword im Übermaß zu verwenden. Das Haupt-Keyword wird für die Beispiel-Website also in die h1- bis h3-Tags integriert:

<body>
<h1>Was sind die Handtaschen-Trends im Sommer 2011?</h1>
<h2>Handtaschen im Marine-Style</h2>
<h3>Denimblaue Lederhandtaschen mit weißen Applikationen</h3>


SEO-Optimierung des Website-Content

Ein wichtiger Baustein im SEO ist die Gestaltung des Seiten-Content. Nachdem für den Beispiel-Shop die Tags angepasst wurden, wird nun der Content der Seite auf das Haupt-Keyword optimiert. Nicht immer müssen aufwendige A/B-Tests mit Hilfe von Website-Optimierungstools durchgeführt werden, um den Seiten-Content zu verbessern. Mit Hilfe der Performance-Kennzahlen der verschiedenen Anzeigenversionen aus dem SEA kann getestet werden, welche Ansprache in die SEO-Texte des Seiten-Content integriert werden soll. Die Textbausteine, die die meisten Klicks generiert haben, werden anschließend in die Title-Tags und den Website-Content eingebunden [2]. Im Anschluss können weitere Tests zur Erhöhung der Usability der Website und der Konversionsrate mit verschiedenen Optimierungstools durchgeführt werden.

Ansprache im SEA testen

In der SEA-Kampagne des Beispiel-Shops wurden zwei unterschiedliche Anzeigenversionen verwendet, die sich darin unterscheiden, wie der potenzielle Kunde angesprochen wird. In Anzeige A war ein jüngeres Publikum die Zielgruppe. Der Text beinhaltet jugendliche Wörter wie „stylisch“ und „trendy“, außerdem wird das „Du“ in der Ansprache benutzt. Anzeige B richtet sich an eine ältere Zielgruppe. Die Anzeige lockt mit „edlen“ und „eleganten“ Handtaschen, der User wird gesiezt.

Die korrespondierenden Leistungsdaten haben ergeben, dass Anzeige A eine höhere Klickrate aufweist und auch häufiger zu einer Transaktion im Shop geführt hat. Aus diesem Grund wird das auf ein jüngeres Publikum ausgerichtete Wording auch in den Website-Content integriert. Weiterhin könnten in den Texten Service- und Leistungsmerkmale wie Versandkostenfreiheit oder eine 24h-Lieferung kommuniziert werden, um zu testen, ob diese Leistungen die Klick- und Kaufbereitschaft erhöhen [10].

Textbausteine im SEO übernehmen
Der Website-Content sollte einzigartig und originell sein, um zum einen den Kriterien der Suchmaschinen zu entsprechen und zum anderen dem User einen Mehrwert zu bieten. Nur dann werden User dazu animiert, die Seite weiterzuempfehlen und so kostenlose Backlinks zu generieren. Haupt-Keywords sollten nicht zu häufig im Text vorkommen, da die Suchmaschinen-Crawler dies als Keyword-Spamming auslegen würden. Eine Keyword-Dichte von ein bis drei Prozent wird als optimal für SEO-Texte angesehen. Die Häufigkeit der Keywords kann mit verschiedenen frei zugänglichen Online-Tools überprüft werden [11]. In folgendem SEO-Text für die Handtaschen-Seite des Beispiel-Shops wurde die Ansprache aus Anzeige A verwendet:

…Handtaschen machen Dein Outfit erst komplett! Stylische Taschen gibt es in vielen Farben und Formen, die Style-Möglichkeiten sind unendlich. Edle Ledertaschen oder trendy It-Bags? Tob Dich aus! Bist Du eine Handtaschen-Queen? Tummeln sich in Deinem Schrank viele schöne Exemplare, die Du alle in Dein Herz geschlossen hast? Für jedes Outfit gibt es die perfekte Handtasche! Ledertaschen können mal elegant und mal lässig rüberkommen. Mal sind Handtaschen klassisch, mal sind sie flippig. Ob aus Leder oder sportlich aus Canvas, Taschen sind vor allem immer eins: Dein treuer Begleiter und Dein absolutes Lieblingsaccessoire!...

Mit Website-Optimierungs-Tools weiter testen
Nicht immer ist eine Suchmaschinen-optimierte Seite auch eine Transaktionsoptimierte Seite [2]. Die Leistungsdaten der SEA-Kampagne können Verbesserungspotenziale auf der Website aufzeigen. So könnte beispielsweise auf der Website des betrachteten Shops getestet werden, ob bestimmte Textfelder, Bilder oder Buttons besser platziert werden könnten, um den User schneller oder häufiger zum Kauf zu animieren. Mit Hilfe von Website-Optimierungs-Tools, wie zum Beispiel dem Tool von Google [12], können verschiedene Möglichkeiten der Seitengestaltung getestet werden. Im Anschluss können die Ergebnisse unter Berücksichtigung der SEO-Anforderungen umgesetzt werden.


Strategien für die Sichtbarkeit

Für die Website des Beispiel-Shops sollen die Optimierungsmaßnahmen nach einiger Zeit Erfolg gehabt haben. Die Seite ist nun für das optimierte Keyword im oberen Bereich der ersten Ergebnisseite platziert. Wie ist das weitere Vorgehen für die SEA-Kampagne? Soll das Haupt-Keyword weiterhin gebucht werden, sodass trotz des guten SEO-Rankings bezahlte Anzeigen zu diesem Keyword erscheinen?

Es gibt mehrere Strategien, die bei integriertem Suchmaschinen-Marketing verfolgt werden können. Dabei gibt es keinen grundlegend richtigen oder falschen Ansatz. Entscheidend ist der Einsatz eines Reporting-Tools, das für jedes Keyword die Performance im SEA und im SEO abbildet. Welche Position wird im SEA erreicht? Wie ist das Keyword in den organischen Suchergebnissen positioniert? Wie viel Traffic wurde im Zeitverlauf über welchen Kanal erzeugt? Um solche Reporting-Tools zu nutzen, muss das verwendete Tracking-System die Keywords und die korrespondierenden Leistungsdaten dem richtigen Kanal zuordnen können. Auf diese Weise kann genau festgestellt werden, mit welcher Strategie das beste Ergebnis erreicht werden kann.

Dual Visibility
Eine Strategie für integriertes Suchmaschinen-Marketing ist die der „Dual Visibility“: Auch die Haupt-Keywords aus dem SEO werden im SEA beworben. Dabei wird versucht, sowohl in den organischen als auch in den bezahlten Suchergebnissen eine möglichst hohe Platzierung zu erreichen [2]. Bei dieser Strategie steht nicht die Performance im Vordergrund, sondern die Werbewirkung. Auf der Ergebnisseite soll auf diese Weise die maximale Anzahl an Pixeln im sichtbaren Bereich mit eigenen Werbemitteln belegt sein, um so Konkurrenzseiten zu verdrängen [13]. Für das integrierte Suchmaschinen-Marketing des Beispiel-Shops bedeutet diese Strategie, dass das Keyword „Handtaschen“ auch im SEA verwendet wird. Das Keyword-Gebot wird dabei auf Basis der SEA-Performance so festgelegt, dass auch in den bezahlten Ergebnissen eine möglichst gute Position erreicht wird.

Pull Back
Ein weiterer Ansatz ist es, in den Bereichen, in denen man organisch gut platziert ist, Kosten zu sparen und keine SEA-Anzeigen zu schalten („Pull Back“). Im betrachteten Beispiel bedeutet diese Strategie, dass das Haupt-Keyword nicht in die SEA-Kampagne aufgenommen wird. Die von ihm vormals verursachten Kosten können so eingespart werden. Stattdessen wird das Budget den Bereichen zugewiesen, in denen die eigene Website nicht gut oder gar nicht im sichtbaren Bereich der organischen Suchergebnisse vertreten ist. Dieser Ansatz ist nur zu empfehlen, wenn die Leistung, die im SEA erreicht wurde, auch über die organische Platzierung erzielt werden kann. So muss zum Beispiel vor dem Löschen der Haupt-Keywords aus den SEA-Kampagnen überprüft werden, ob auch über die organische Platzierung dieselbe Anzahl an Transaktionen erreicht werden kann.

One Up, One Down
Um zu garantieren, dass die Website auf der ganzen Ergebnisseite präsent ist, kann die Strategie „One Up, One Down“ verwendet werden: Eine Platzierung, egal ob organisch oder bezahlt, wird im oberen Seitenbereich angestrebt, eine im unteren Seitenbereich [14]. Auf diese Weise soll erreicht werden, dass User, die auf der Ergebnisseite abwärts scrollen, trotzdem immer ein Ergebnis der beworbenen Seite sehen. Die Beispiel-Website ist im organischen Bereich der Suchmaschine für das Keyword „Handtaschen“ auf den oberen Positionen zu finden. Daher wird das SEA-Gebot für dieses Keyword so festgelegt, dass Anzeigen dazu im unteren Bereich der ersten Ergebnisseite oder auf den Top-Positionen der zweiten Seite erscheinen.


Next Steps: Kontrolle und Optimierung

Im betrachteten Beispiel ist integriertes Suchmaschinen-Marketing kein abgeschlossener Prozess, wenn die Synergien zwischen SEA und SEO wie beschrieben umgesetzt wurden. Die Performance der Kampagnen und die möglichen Wechseleffekte zwischen SEA und SEO müssen immer wieder überprüft und analysiert werden, um Leistungspotenziale zu erkennen und besser auszuschöpfen. Auf diese Weise kann der Werbetreibende von den Synergien im integrierten Suchmaschinen-Marketing in vollem Umfang profitieren und der Konkurrenz einen Schritt voraus sein.


Literatur

Search Advertising: Positive, Negative or Zero Interdependence? – In: Marketing Science 29, July-August 2010, S. 602-623, 2010. iCrossing (Hrsg.): iCrossing Search Synergy: Natural and Paid Search Symbiosis - http://www.icrossing.com/research/icrossing-search-synergy-report.php - 2007.
[2] Stewart, J.: Top 10 Reasons for PPC & SEO Synergy: http://connect.icrossing.co.uk/top-10-reasons-ppc-seo-synergy_1247 - 2008.
[3] Google AdWords Keyword Tool:
https://adwords.google.com/o/Targeting/Explorer?__u=1000000000&__c=1000000000&ideaRequestType=KEYWORD_IDEAS#search.none
[4] Google AdWords Traffic Estimator: https://adwords.google.com/o/Targeting/Explorer?__c=1000000000&__u=1000000000&__o=kt&ideaRequestType=KEYWORD_STATS#search.none
[5] Vogel, S: Integrative Betrachtung der SEA/SEO-Maßnahmen: In zwei Schritten zum erfolgreichen SEO. – In: Torsten Schwarz (Hrsg.): Online Marketing Beratungsbrief, Ausgabe 04/2011, S. 5, 2011.
[6] Allen, J.: Adobe & Conductor Team-Up to Monitor SEO ROI Alongside PPC: http://blog.searchenginewatch.com/110303-090000 - 2011.
[7] http://www.bluesummit.de/semseo-scorecard.html
[8] Google (Hrsg.): Einführung in Suchmaschinenoptimierung: http://static.googleusercontent.com/external_content/untrusted_dlcp/www.google.de/de/de/webmasters/docs/einfuehrung-in-suchmaschinenoptimierung.pdf
[9] Fischer, M.: Website Boosting: Suchmaschinen-Optimierung, Usability, Webseiten-Marketing. – S. 138 f., mitp, 2006.
[10] SEM-Deutschland (Hrsg.): So nutzt man Synergieeffekte von SEO und AdWords: http://www.sem-deutschland.de/google-adwords-tipps/so-nutzt-man-synergieeffekte-vonseo-und-adwords/, 2011.
[11] http://www.keyworddensity.com
[12] Google Website-Optimierungstool: http://www.google.com/intl/de/websiteoptimizer/beginnersguide/
[13] Kopp, O.: SEO vs. SEA: Suchmaschinen-Marketing und der optimale SEO-Mix: http://www.gruenderszene.de/marketing/sea-seo-mix, 2011.
[14] Muir, N.: Paid and natural search integration: 6 tactics for success. – http://www.imediaconnection.com/content/25434.imc, 2009.

Kommentare