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Die Erfindung der Zukunft II

Die Erfinder der Zukunft
Sebastien Philipp | 15.11.2006
Neue Geschäftsmodelle entstehen durch kreatives und intelligentes Quer- beziehungsweise Umdenken. So ist der 21jährige Engländer Alex Tew ein schillerndes Beispiel für einen Querkopf mit einer zündenden Idee. Seine Homepage onemilliondollar.com verkaufte er als Online-Litfaßsäule auf der nur Online-Werbung platziert werden konnte. Jeder Bildpunkt seiner Internetseite, die aus genau einer Millionen Pixel besteht, wurde für je einen Dollar an interessierte Werber verkauft. 100 Pixel, das entsprach einer Werbefläche von 10x10 Pixel mussten, mindestens von den Interessierten gekauft werden. Am 23. August 2005 ging seine Seite online. Nur vier Monate später wurden die letzten 1000 Pixel begleitet von einem riesigen Medienrummel beim Online-Auktionshaus Ebay ersteigert. Das erfolgreiche Modell fand viele Nachahmer, doch nur Alex Tew hatte Erfolg. Der 21jährige war der erste und erfolgreichste Unternehmer, der dieses System vermarktete.

Bauklötze staunten die großen Treiber der digitalen Transformation, Google, Ebay und Yahoo, als Craig Newmark, der Pionier des zur Zeit größten Kleinanzeigen-Netzwerks der Welt das Internet eroberte. Zeitungsverlage hatten den Markt der Kleinanzeigen eigentlich komplett für sich beansprucht, bis der 53jährige Amerikaner Craig Newmark mit seiner Craigslist das Internet stürmte. Die Firma betreibt weltweit lokale Portale in rund 180 Städten und verzeichnet monatlich mehr als 2,5 Milliarden Seitenzugriffe. Den Zeitungsverlagen wurde das Fürchten gelehrt, da einige Millionen Dollar an Anzeigenschaltungen nicht mehr in das altbewährte Medium fließen. Auch Google hat den Trend weg von Printmedien, hin zu Anzeigen im Internet für sich entdeckt und begann mit dem Portal Base.Google.de.

Alte Marken neu inszenieren
Vor allem aber für die klassische Industrie in Deutschland ist ein Umdenken von höchster Wichtigkeit, dazu gehört Flexibilität und eine schnelle Reaktion im Internet; dies ist allerdings schon Standard. Verschiedene Kanäle werden genutzt, um den Kunden zu informieren und ihm den Kauf zu erleichtern. Die Automobilhersteller erkannten das und handelten. Das Automobil definiert sich heute kaum noch über PS-Zahl, Drehmoment oder Qualität. Was früher zu einer Kaufentscheidung bewegte, wie Preis Qualität und Lebensdauer, wird mehr und mehr abgelöst von der Emotion, die ein Käufer mit dem technischen Produkt verbindet. Aus diesem Grund spricht die Automobil-Branche die Kunden immer häufiger emotional über die Marke an. Die Leistungsdaten sind dabei oft zweitrangig, herausgestellt wird der Eindruck des Gesamtfahrzeugs und im Vordergrund steht der Lifestyle der Marke. Alle Vertriebskanäle werden ständig befeuert und der Vertriebsdruck im Markt wird hoch gehalten, das ist die oberste Pflicht der Händler.

So betreiben die Marken Mercedes-Benz und DaimlerChrysler vor dem Multikanalhintergrund das Mercedes-Benz-Portal. Der Kunde wird hier mit Informationen rund ums Auto versorgt, von Dienstleistungen über Verkehrsinfos bis hin zu Reisetipps. Dazu wird noch der Verkauf von High-End Weinen und Parfüms sowie die Vermittlung von Finanzdienstleistungen und Versicherungen angeboten. Für DaimlerChrysler hat sich das Portal zu einem wichtigen Marketing- und Vertriebstool entwickelt, durch das Kundendaten und -kontakte generiert und aktualisiert werden können.

Verständnis!
Der Schlüssel zum Erfolg: ein tiefgehendes Kundenverständnis. Soll der Transformationsprozess für ein Unternehmen effizient genutzt werden, müssen Instrumente vorhanden sein, die jeden Interaktionspunkt der Kunden mit dem Angebot des Unternehmens aufnehmen und ergründen. Datenansammlungen vom PoS, aus Kundenkarten, Callcentern, Internetnutzung und Verbraucherpanels müssen ständig aktualisiert und ausgewertet werden. Dazu ist es dienlich, aus gewonnenen Daten zu lernen und die Programme weiterzuentwickeln, um optimale Ergebnisse generieren zu können. Die Veränderung der Ansprüche von Kunden muss erkannt werden und in Service-Elemente für Kunden umgewandelt werden.

Der vollständige Marketing-Transformationsprozess muss durchlaufen werden, das heißt die Preis-, Produkt-, Distributions-, Kommunikations- und Servicepolitik muss sich ändern und die neuen Impulse müssen für den Kunden deutlich werden. Eine Revolution der Unternehmen, die eine vollkommene Bereitschaft der Prozessbeteiligten zur Veränderung essentiell macht. „Ohne Schweiß, kein Preis“.

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