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Deutschland 2016 Weltmeister beim Kapitalexport - USA beim Kapitalimport

Deutschland ist wieder Weltmeister beim Kapitalexport geworden. Das ergeben vorläufige Berechnungen des ifo Instituts für 2016.

Der deutsche Überschuss in der Leistungsbilanz dürfte sich auf 297 Milliarden US-Dollar belaufen (268 Milliarden Euro). China nimmt den zweiten Rang mit einem Überschuss von voraussichtlich 245 Milliarden US-Dollar ein. Die USA dagegen werden voraussichtlich die größten Kapitalimporte der Welt aufweisen, das Defizit wird 478 Milliarden US-Dollar betragen. Überschüsse in der Leistungsbilanz (Waren, Dienstleistungen, Zinsen, Löhne, Übertragungen) bedeuten Kapitalexporte, Defizite sind Kapitalimporte.

Deutschlands Leistungsbilanzüberschuss wird damit 2016 auf 8,6 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung steigen, nach 8,3 Prozent im Jahr 2015. Die EU hält maximal sechs Prozent für langfristig tragfähig.

Der deutsche Überschuss der Leistungsbilanz lässt sich vor allem auf den Warenhandel zurückführen; allein dort wurde bis zum November ein Überschuss von 255 Milliarden Euro erzielt. Haupttreiber war die gestiegene Nachfrage aus den restlichen Ländern des Euroraums und aus den europäischen Ländern außerhalb der EU. Die Auslandseinkommen waren bis zum November per Saldo positiv mit 53 Milliarden Euro; Deutschland erhielt damit netto Lohn- und Zinszahlungen aus dem Ausland. Dienstleistungen und Übertragungen trugen negativ mit 66 Milliarden Euro bei.

Der Anstieg des deutschen Netto-Auslandsvermögens zeigt sich vor allem bei der Zunahme an Wertpapieren, die Deutschland im Ausland erworben hat; der Netto-Ankauf belief sich bis November auf 193 Milliarden Euro. Die Höhe der Direktinvestitionen dagegen betrug lediglich 18 Milliarden Euro.

Das Defizit in der US-Leistungsbilanz ist vor allem durch den Warenhandel bedingt, bis zum dritten Quartal wurde für 557 Milliarden US-Dollar netto importiert. Per Saldo ist der Warenhandel insbesondere mit Asien stark defizitär. Aber auch gegenüber dem Euroraum ist der Saldo negativ; dabei erklärt sich die Hälfte des Defizits gegenüber dem Euroraum durch den Nettoimport aus Deutschland. Darüber hinaus trugen auch die Transfers mit 120 Milliarden US-Dollar negativ bis zum dritten Quartal bei; Dienstleistungen und Auslandseinkommen waren per Saldo positiv mit 306 Milliarden US-Dollar.

Ein Leistungsbilanz-Überschuss geht mit einem Netto-Kapitalexport einher. Ein Netto-Kapitalexport bedeutet, dass die inländische Ersparnis größer als die inländischen Investitionen ist und dass das Land Vermögen im Ausland aufbaut. Analog dazu impliziert ein Leistungsbilanz-Defizit, dass ein Land mehr verbraucht als es produziert und dass sich das Land im Ausland verschuldet.