print logo

Handelsabkommen USA-China schadet vor allem auch Deutschland

Durch Handelsumlenkungen dürften Güterexporte nach China im kommenden Jahr um fast 4,5 Milliarden US-Dollar zurückgehen.
Handelsabkommen USA-China schadet vor allem auch Deutschland © Pixabay / Didgeman
 

Deutsche Exporteure leiden besonders unter dem jetzt in Kraft getretenen Phase-I-Handelsabkommen zwischen den USA und China. Durch Handelsumlenkungen dürften ihre Güterexporte nach China im kommenden Jahr um fast 4,5 Milliarden US-Dollar zurückgehen, vor allem in den Bereichen Fahrzeuge, Flugzeuge und Industriemaschinen. Noch stärker trifft es nur Brasiliens Sojabauern. Dies zeigen Berechnungen des IfW Kiel.

„Das Handelsabkommen zwischen den USA und China bringt zum einen Nachteile für die Chinesen, die sich einseitig zum Import von US-Gütern im Wert von rund 200 Mrd. US-Dollar verpflichten, und dadurch auf Produkte aus anderen Ländern verzichten, die sie bislang bevorzugten. Zum anderen bringt es Nachteile für die übrigen Handelspartner Chinas, deren Importe nun durch US-Produkte verdrängt werden und die in erheblichem Maße Marktanteile in China verlieren“, sagte der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft Kiel (IfW Kiel), Gabriel Felbermayr.

China verpflichtet sich zum Import von US-Produkten aus den Branchen Agrar, Energie und Verarbeitendes Gewerbe. Berechnungen von Felbermayr und IfW-Handelsexpertin Sonali Chowdhry zeigen, dass vor allem auch deutsche Exporteure durch die Handelsumlenkungen verlieren. Beim Verarbeitenden Gewerbe ist Deutschland international am stärksten negativ betroffen und dürfte im kommenden Jahr Güter im Wert von 4,3 Mrd. US-Dollar weniger nach China exportieren, verglichen mit einem Szenario ohne Handelskrieg und ohne Phase-I-Deal. Dies trifft vor allem die Bereiche Fahrzeuge (-1,3 Mrd. US-Dollar), Flugzeuge (-1,6 Mrd. US-Dollar) und Industriemaschinen (-0,7 Mrd. US-Dollar)

Corona-Virus könnte Umlenkungseffekte verstärke

Größter Verlierer der Handelsumlenkungen ist Brasiliens Agrarsektor; die Sojabauern müssen mit einem Rückgang ihrer Exporte nach China im Wert von 5,0 Mrd. US-Dollar rechnen. Im Energiesektor sind die Öl- und Kohleexporteure Russland (-2,7 Mrd. US-Dollar) und Australien (-1,8 Mrd. US-Dollar) am stärksten negativ betroffen. Insgesamt importiert China durch den Phase-I-Deal im kommenden Jahr Produkte im Wert von rund 62 Mrd. US-Dollar mehr aus den USA.

Sollte das Wirtschaftswachstum Chinas geringer ausfallen, als in den Simulationen des Instituts angenommen, zum Beispiel aufgrund der Corona-Virus-Krise, würden die für Drittstaaten schädlichen Handelsumlenkungseffekte noch stärker ausfallen, denn das Abkommen verpflichtet China auf feste zusätzliche Importvolumen, die nicht von der heimischen Nachfrage abhängen.

Felbermayr: „Das Handelsabkommen zwischen den USA und China ist in mehrerlei Hinsicht bedenklich. Es profitiert einseitig die USA, während China und Drittländer verlieren. Es verstößt klar gegen WTO-Regeln und lässt viele Fragen unbeantwortet, etwa was passiert, wenn China die Importverpflichtungen nicht erfüllt. Die Unsicherheit über die künftigen Handelsbeziehungen der beiden Länder bleibt also sehr hoch. Auch, weil die USA künftig gegen Länder vorgehen wollen, die ihrer Meinung nach ihre Währung manipulieren, dessen sie China bereits des Öfteren bezichtigt haben.“

In einer früheren Berechnung hatten Felbermayr und Chowdhry bereits die Umlenkungseffekte des Phase-I-Deals für die EU quantifiziert.