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Zahl der Insolvenzen rückläufig, aber Zunahme an Zombiefirmen droht

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist im Pandemiejahr 2020 in der DACH-Region wegen Staatshilfen rückläufig.
© freepik / MontriThipsorn
 

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist im Pandemiejahr 2020 in Deutschland, Österreich und der Schweiz gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Allerdings fiel der Rückgang in den drei Ländern recht unterschiedlich aus. In Österreich war das Minus mit 40 Prozent deutlich stärker als in Deutschland mit acht Prozent und in der Schweiz mit 19 Prozent. Unterschiede gab es auch bei den Neugründungen. Während in Deutschland und der Schweiz die Zahl der neugegründeten Firmen gegenüber 2019 leicht gestiegen ist, wurde der Gründergeist durch die Pandemie in Österreich offenbar gebremst. Dort war ein Rückgang um 15 Prozent festzustellen. Das geht aus der aktuellen DACH-Studie zu Insolvenzen und Neugründungen 2020 von Bisnode D&B hervor.

 

Viele Neugründungen in Deutschland

In Deutschland mussten im vergangenen Jahr demnach insgesamt 10.705 Unternehmen Insolvenz anmelden. Bezogen auf die Rechtsform traf es dabei mit 9.373 Fällen Gesellschaften mit beschränkter Haftung am häufigsten. Auf Branchenebene verzeichneten kommerzielle Dienstleistungen (-274), das Baugewerbe (-257) und der Großhandel (-142) in absoluten Zahlen den stärksten Rückgang bei den Insolvenzen. Einen Anstieg bei den Insolvenzen gab es in den Sektoren persönliche Dienstleistungen (+71), Gebrauchsgüter (+32) und Automotive & Mobilität (+15). Gleichzeitig aber kam es trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie zu 113.904 Neugründungen – ein Anstieg um etwa sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die meisten Firmengründungen fanden in Nordrhein-Westfalen (24.072), Bayern (20.241) und Baden-Württemberg (13.128) statt, die wenigsten im Saarland (980), in Bremen (1.201) sowie in Mecklenburg-Vorpommern (1.304).

Schweiz: Unternehmensinsolvenzen nehmen ab

Ähnlich wie in Deutschland stellte sich im Gesamtjahr 2020 die Situation in der Schweiz dar. Dort waren 5.715 Unternehmensinsolvenzen zu verzeichnen und damit 919 Fälle weniger als noch im Vorjahr. Auf Sektorenebene war auf absoluter Basis bei Handwerksbetrieben (-174), im Gastgewerbe (-124) sowie im Einzel- (-68) und im Großhandel (-66) der stärkste Rückgang festzustellen. Einen leichten Anstieg der Firmenpleiten gab es hingegen in den Bereichen Organisationen/Verbände (+10), Ausbildungsdienste (+8) und Reparaturdienste und Holz- und Möbelindustrie jeweils (+1). Ebenfalls wie in Deutschland entwickelte sich die Zahl der Neugründungen trotz der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr positiv. Insgesamt wurden 46.779 neue Firmen im Handelsregister eintragen. Dies entspricht einer Zunahme um 2.167 Fälle gegenüber 2019. Die meisten Neugründungen gab es in der Südwestschweiz (10.376) und in Zürich (8.417), die wenigsten im Tessin (2.074) und in der Nordwestschweiz (5.452).

Zahl der Firmenpleiten in Österreich stark rückläufig

In Österreich kam es zu 2.843 Insolvenzen. Das waren 1.894 weniger als im Vorjahr. Bezogen auf die Rechtsform waren die meisten Firmenpleiten bei der GesmbH (1.288) und bei Einzelunternehmen (1.262) festzustellen. Unter den Branchen verzeichneten in absoluten Zahlen der Hochbau (285), Landverkehr und Transport (261) sowie die Gebäudebetreuung (220) die meisten Fälle. Die wenigsten Pleiten verzeichneten Unternehmen aus dem Sozialwesen (58), Firmen aus dem Bereich der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (58) sowie Unternehmen für die Erbringung von sonstigen überwiegend persönlichen Dienstleistungen (56). Zudem hat das durch die Corona-Pandemie bedingte schwierige Umfeld in Österreich die Neugründungsaktivität beeinträchtigt. Die Zahl der neu gegründeten Firmen ging von 19.985 auf 16.888 und damit um 3.097 gegenüber dem Vorjahr zurück. Die meisten Neugründungen gab es in Wien (5.819) sowie in Niederösterreich (2.563), die wenigsten im Burgenland (420) und im Vorarlberg (567).

Staatliche Hilfsmaßnahmen verhindern Insolvenzen, dürften aber Zombiefirmen schaffen

„Dass in der DACH-Region insgesamt die Zahl der Insolvenzen im vergangenen Jahr zurückgegangen ist, hat seine Ursache in den Corona-bedingten staatlichen Unterstützungsmaßnahmen der Regierungen“, erläutert Frank Wenz, Area Director Data DACH bei Bisnode. So wurde in Deutschland die Pflicht zur Insolvenzanmeldung bei einer durch die Corona-Pandemie bedingten Überschuldung im vergangenen Jahr ausgesetzt und zuletzt bis zum 30. April 2021 verlängert. Dazu kamen umfangreiche Finanzhilfen und Überbrückungskredite für Unternehmen sowie das Kurzarbeitergeld.

Ähnlich stellt sich die Situation in Österreich und der Schweiz dar. In beiden Ländern wurden Firmen ebenfalls durch staatliche Hilfsmaßnahmen unterstützt und die Insolvenzantragspflicht im vergangenen Jahr ausgesetzt. Während Letzteres in Österreich allerdings bis zum 31. März 2021 verlängert wurde, entschied der Schweizer Bundesrat Mitte Oktober diese Maßnahme zu stoppen, was sich bislang jedoch noch nicht in steigenden Insolvenzzahlen niederschlug. Dennoch ist davon auszugehen, dass durch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sowie die massiven staatlichen Hilfen viele Konkurse nur herausgezögert wurden.

„Wir rechnen damit, dass dadurch viele so genannte Zombie-Unternehmen, die unter normalen Bedingungen in den Konkurs geschlittert wären, geschaffen wurden“, so die Einschätzung von Franz Wenz. Nach Beendigung der Maßnahmen ist deshalb zu befürchten, dass der Zeitpunkt kommen wird, an dem die Liquidität solcher ‚untoter‘ Firmen zu Ende geht und die Pleite nicht mehr abzuwenden ist. „Wir müssen uns deshalb darauf einstellen, dass für 2021 mit einem deutlichen Anstieg an Insolvenzen zurechnen ist“, so das Fazit des Experten.