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Ein Blick zurück und voraus

Dieter Rams – Ausstellung in Frankfurt vom 16. April bis 8. August 2021.
marketing-BÖRSE | 21.04.2021
Ein Blick zurück und voraus © marketing-BÖRSE
 

In einer Ausstellung stellt das Museum angewandte Kunst in Frankfurt  die Arbeiten des Industriedesigners Dieter Rams aus unter dem Motto "Ein Blick zurück und voraus". Seine Arbeiten finden sich in fast allen Designmuseen der Welt.

 

Der deutsche Industriedesigner Dieter Rams hat in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehr als 350 Produkte für die Unternehmen Braun und Vitsœ gestaltet, die Tag für Tag von vielen Menschen auf der ganzen Welt benutzt werden und bis heute einen großen Einfluss auf jüngere Gestalter:innen haben. Dabei interessiert sich Rams nicht nur für die eigentliche Form der Gebrauchsgegenstände, sondern dachte in vielen Vorträgen und Publikationen auch über die Bedeutung von Produkten für den Menschen und die Gesellschaft nach.

 

Für Dieter Rams ist Design nicht nur die formale Gestaltung der dinglichen Umwelt, sondern es bestimmt das Leben jedes Einzelnen und das Leben miteinander. Design kann ein gesellschaftliches Miteinander befördern, aber auch beschädigen. Aus diesem Grund wird folgende Frage immer dringlicher: Wie soll unsere Welt zukünftig gestaltet werden, damit sie noch überleben kann? Im Zeitraum vom 16.04.21 bis zum 08.08.21 versucht Dieter Rams im Rahmen der Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst, anhand von ca. dreißig von ihm  ausgesuchten Objekten sowie einhundert Fotografien, Reproduktionen und Texten eine Antwort auf diese Frage zu geben.

 

In einer Zeit, in der die Schonung von Ressourcen und der Schutz der Umwelt zu zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen geworden sind, ist Rams Arbeit mehr als aktuell. Sie begründet eine Gestaltungshaltung, die er mit dem Credo „Weniger, aber besser“ charakterisiert. Was heute als „Ästhetik des Gebrauchs“ diskutiert wird, praktizierte und vertrat er mit seinen Teams schon vor vielen Jahrzehnten: „Gutes Design ist umweltfreundlich. Das Design leistet einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Umwelt. Es bezieht die Schonung der Ressourcen ebenso wie die Minimierung von physischer und visueller Verschmutzung in die Produktgestaltung ein.“

 

„Design ist ein Prozess und Industriedesign ist Teamwork mit vielen Beteiligten. Nur durch internationale Dialoge und Zusammenarbeiten werden wir zukünftig unsere Welt vernünftig gestalten können“, steht für Dieter Rams fest. Seine Forderung für die Zukunft lautet: „Weniger und weniger von solchen Produkten, durch deren Herstellung oder durch deren Gebrauch Ressourcen vergeudet werden und die Umwelt belastet wird. Weniger und weniger von solchen Produkten, die zwar die Kauflust reizen, dann aber kaum zu nutzen sind, bald zur Seite gelegt, weggeworfen und durch neue ersetzt werden. Weniger und weniger von solchen Produkten, die nichts als modisch sind und mit dem Ende der jeweiligen Mode obsolet werden. Weniger und weniger von solchen Produkten, die bald defekt sind, verschleißen und frühzeitig altern. Dafür aber mehr und mehr Produkte, die wirklich das sind und das leisten, was die Käufer und Benutzer von ihnen erhoffen sollten! Erleichterung, Erweiterung, Intensivierung des Lebens.“

 

Dieter Rams entwickelte in den 1970er Jahren aus der eigenen Designpraxis und einer stets kritischen Reflexion des eigenen Berufsfelds heraus zehn Thesen über gutes Design: echte Innovationen, Brauchbarkeit, Ästhetik, Verständlichkeit, Ehrlichkeit, Unaufdringlichkeit, Konsequenz, Langlebigkeit und Umweltfreundlichkeit. Sein abschließendes Credo lautet dabei bis heute „Gutes Design ist so wenig Design wie möglich“ oder „Weniger, aber besser“, ein Motto für den Wandel, das der Schlüssel für ein besseres Dasein für alle und für unsere Umwelt werden könnte.

 

Heute finden sich Arbeiten des Gestalters in fast allen Designmuseen der Welt. 2008 eröffnete die gemeinsam vom Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main und dem Suntory Museum Osaka entwickelte große Ausstellung „Less and More. Das Designethos von Dieter Rams“. Bis 2012 war sie in sechs Museen in Asien, Europa und den USA zu sehen und zog in insgesamt 86 Ausstellungswochen mehr als 400.000 Besucher:innen an.

 

Zusätzlich zur Ausstellung befindet sich im 2. Obergeschoss des Museum Angewandte Kunst der Dieter Rams Stilraum, der seit 2017 mit wechselnden Exponaten die inhaltlichen und biografischen Zusammenhänge von Rams‘Designhaltung veranschaulicht.

 

Aufgrund der aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus bleibt das Museum geschlossen.