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Produkt- und Markenpiraterie - eine ernsthafte Bedrohung für Wirtschaft und Verbraucher

Negativpreis „Plagiarius“ rückt den Diebstahl geistigen Eigentums in den öffentlichen Fokus!
1. Preis Besteck-Set „KLIKK“ (3-teilig) - verkauft im Rahmen einer Promotion-Aktion © Aktion Plagiarius e.V.
 

Produkt- und Markenpiraterie ist ein lukratives Milliardengeschäft. Durch die Pandemie wird das Problem zusätzlich befeuert. Laut Europol werden gefälschte Produkte zunehmend über eCommerce-Plattformen, soziale Medien und Instant-Messaging-Dienste beworben und vertrieben. Alarmierend: Die Skrupellosig- keit, mit der Fälscher immer häufiger extrem minderwertige Fälschungen anbieten, die Gesundheit oder Leben der Nutzer gefährden. Die Täterstruktur reicht vom ideenlosen Mitbewerber über professionell or- ganisierte Fälscherbanden bis zur organisierten Kriminalität. Die Schäden, die Fälschungen bei Käufern und innovativen Herstellern verursachen, sind massiv. Es ist essentiell, kreative Ideen und Know-how zu fördern und zu schützen. Fälschungen bedeuten Stillstand - Das Original steht für Vielfalt und Zukunft.


Plagiarius: Gegen dreisten Ideenklau - Für Innovation und fairen Wettbewerb
Die Aktion Plagiarius hat am 25. April 2022 zum 46. Mal ihren gefürchteten Negativpreis „Plagiarius“ an Hersteller und Händler besonders dreister Plagiate und Fälschungen vergeben. Ausgestrahlt wurde die virtuelle Preisverleihung und Pressekonferenz aus dem Patent- und Markenzentrum Baden- Württemberg in Stuttgart. Termin und Ort wurden bewusst gewählt, um die Aufmerksamkeit auf den jähr- lich am 26. April stattfindenden „Welttag des geistigen Eigentums“ zu lenken. In ihrer Rede betonte die diesjährige Laudatorin, Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus des Landes Baden-Württemberg, die herausragende Bedeutung von geistigem Eigentum für die Sicherung von Arbeitsplätzen, Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit.

Die Auszeichnung mit dem „Plagiarius“ sagt nichts darüber aus, ob das nachgemachte Produkt im juris- tischen Sinne erlaubt oder rechtswidrig ist. Ziel der Aktion Plagiarius ist vielmehr, die fragwürdigen - und teils kriminellen - Geschäftsmethoden von Produkt- und Markenpiraten ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, und Industrie, Politik und Verbraucher für die Problematik zu sensibilisieren. Bevor die jährlich wechselnde Jury die Preisträger wählt, werden die vermeintlichen Plagiatoren über ihre Nominierung informiert und erhalten die Möglichkeit zur Stellungnahme. Der Jury geht es nicht darum, legale Wettbe- werbsprodukte zu brandmarken, sondern einen kritischen Blick auf plumpe 1:1 Nachahmungen zu richten, die dem Originalprodukt bewusst zum Verwechseln ähnlich sehen und die keinerlei kreative oder konstruktive Eigenleistung aufweisen. Die Trophäe des Schmähpreises ist ein schwarzer Zwerg mit gol- dener Nase. Letztere symbolisiert die immensen Profite, die ideenlose Nachahmer sprichwörtlich auf Kosten von Kreativen und innovativen Unternehmen erwirtschaften. Plagiate sind kein Kavaliersdelikt.

Geistiges Eigentum verdient Schutz und Anerkennung – jeden Tag
Jedes Jahr am 26. April ist der „Welttag des geistigen Eigentums“. Dieser Tag lenkt das Bewusstsein mit Nachdruck auf die gesellschaftliche Bedeutung von Innovationen und Kreativität. Geistiges Eigentum meint dabei jede Idee, jede kreative, intellektuelle Leistung, die sich in einem einzigartigen neuen Werk präsentiert - sei es ein Produktdesign, eine technische Lösung, Kunst oder ein kulturelles Stück, z.B. aus Film, Tanz, Musik, Literatur, Games. Gute Ideen sind das wichtigste Kapital für Erfolg. Sie sind aber kei- ne Selbstverständlichkeit. Zur Förderung von Innovation und Fortschritt bietet der Staat Designern, Erfindern und Unternehmern die zeitlich begrenzte Möglichkeit, ihr geistiges Eigentum mittels Urheber- recht bzw. der Eintragung gewerblicher Schutzrechte - Marke, Patent, Design - abzusichern und Nachahmer zur Rechenschaft zu ziehen. Kreative und KMU finden diesbezüglich kostenlose Beratung und Unterstützung bei den Patentinformations- und Designzentren in den einzelnen Bundesländern.

Jedes Original steht für Fortschritt, Vielfalt, Zukunft – und für Mut
Die Aktion Plagiarius engagiert sich mit all ihren Aktivitäten gegen dreisten Ideenklau zugleich für mehr Wertschätzung von kreativen Leistungen. Denn von einer ersten Idee bis hin zum marktreifen Endpro- dukt ist es ein anspruchsvoller und kostenintensiver Prozess, bei dem die Entwickler bzw.
Markeninhaber regelmäßig finanziell in Vorleistung gehen. Design- und Ingenieursleistung erfordern nicht nur sehr komplexes Fachwissen, sondern auch ein Gespür für Märkte, Trends, nachhaltige Produktion und wirtschaftliche Machbarkeit. Ebenso spielen Qualitäts- und Sicherheitskontrollen, Zertifizierun- gen, Verpackungsdesign uvm. eine wichtige Rolle. Um weitere Produktentwicklungen und Arbeitsplätze sichern zu können, muss sich dieses unternehmerische Risiko lohnen. Nur dann können sich Wirtschaft und Wohlstand in Deutschland, Europa und der Welt entfalten und die Zukunft gestaltet werden.

Hohe Profite auf Kosten von Wirtschaft, Verbrauchern und Fabrikarbeitern
Das funktioniert aber nicht, wenn skrupellose Trittbrettfahrer erfolgreich am Markt etablierte Produkte 1:1 kopieren, diese ungeniert als eigene Leistung ausgeben, zu einem vermeintlich günstigeren Preis anbieten und so unberechtigterweise Marktanteile und Gewinne des Originalherstellers abschöpfen. Zudem verwenden Nachahmer zur weiteren Profitmaximierung teilweise billigste Materialien und ver- zichten auf Qualitätskontrollen ebenso wie auf Sozialstandards in den Fälscherwerkstätten.

Viele Fälscher haben in der Pandemie blitzschnell ihre Geschäftsmodelle an die veränderte Nachfrage angepasst. Ob Lockdown, oder Lieferengpässe - wie z.B. bei Masken, eBikes, Halbleiterchips oder Wirkstoffen für Medikamente - sie können vermeintlich jeden Bedarf bedienen, insbesondere online und über digitale Medien. Kathrin Körber, Referentin Telekommunikation und Internet bei der Verbraucher- zentrale Niedersachsen berät u.a. Opfer sogenannter „Fake-Shops“. Betreibende von Fake-Shops bieten besonders nachgefragte Produkte online an und kassieren dann ab, ohne je die Ware zu liefern. „Manche Websites werden auch nur betrieben, um Kundendaten abzugreifen und damit andere Kaufver- träge zu schließen“, so Kathrin Körber. Sie empfiehlt immer einen Blick ins Impressum und die AGB. „Typische Warnsignale bei Online-Shops sind z.B. ein fehlendes Impressum oder erfundene Adressen oder geklaute Handelsregisternummern, Zwang zur Vorkasse, nicht zum Aussteller verlinkte Gütesiegel. Anbieter aus dem nicht-europäischen Ausland schließen das Widerrufrecht oft ganz aus, haben eigen- willige Rückgabebedingungen und reagieren seltener auf Nachfragen. Hinzu kommen hohe Kosten im Rückversand und Zollkosten.“ Betroffenen rät sie schnellstmöglich zu versuchen, die Zahlung rückgän- gig zu machen, und Strafanzeige bei der örtlichen Polizei zu stellen. Um hohen Strafen zu entgehen und Verluste bei Entdeckung zu minimieren, verteilen Fälscher ihre Aktivitäten bewusst auf diverse kleine, scheinbar nicht zusammengehörige Onlineshops.

Zunahme gefährlicher Fälschungen offenbart Skrupellosigkeit der Fälscher
Im aktuellen Bericht „Dangerous Fakes“ warnen OECD und EUIPO, dass Kriminelle oftmals keinerlei gesetzliche Vorschriften und sicherheitsrelevante Parameter beachten und zunehmend gefälschte Waren vertreiben, die ernsthafte Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltrisiken bergen können. Am häufigsten betroffen sind Bekleidung, Parfüms, Kosmetika, Spielzeug, Autoersatzteile, Arzneimittel sowie medizinische und COVID-relevante Produkte wie Testkits oder Schutzausrüstung. Auch die American Apparel & Footwear Association weist besorgt auf teils gefährlich große Mengen an Che- mikalien und Schwermetallen bei gefälschter Kleidung, Schuhen und Accessoires hin.

Im Bericht „Global Trade in Fakes“ beziffern EUIPO und OECD den internationalen Handel mit Fälschun- gen allein für 2019 auf alarmierende 412 Milliarden Euro. Dies entspricht 2,5% des Welthandels. In Europa liegt der Anteil mit 5,8% aller EU-Einfuhren nochmal deutlich höher. Die Einfuhren gefälschter Produkte in die EU beliefen sich 2019 auf 119 Milliarden Euro. Nicht erfasst sind reine Inlandsgeschäfte. Die Studie „Intellectual Property Crime Threat“ von Europol und EUIPO zeigt, dass ein Großteil der Fäl- schungen in China hergestellt wird. Die zunehmende Einfuhr von gefälschten Verpackungsmaterialien und Halbfertigprodukten in die EU deutet aber auch auf illegale Produktionsstätten in der EU hin.

Fake bleibt fake: Kein Marken-Erlebnis, trotz schicker Hülle
Heutzutage sind nachgemachte Waren in allen Preis- und Qualitätsabstufungen erhältlich: Von gefährli- chen Billigfälschungen bis zu qualitativ hochwertigen, dann aber auch hochpreisigen, Plagiaten. Auch die Aktion Plagiarius rät Konsumenten eindringlich, nicht kritiklos jeder Empfehlung auf Social Media zu folgen oder vorschnell „Kaufen“ anzuklicken. Nach wie vor zeigt sich: Plagiate und Fälschungen sind dem Original nur auf den ersten Blick täuschend ähnlich. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten sich nicht blauäugig der Illusion hingeben, dass identisches Aussehen automatisch die gleiche Qualität, Leis- tungsfähigkeit und vor allem Sicherheit bedeutet. Hinzu kommt: Jede Fälschung kopiert lediglich die Produkthülle. Sie transportiert nicht die inneren Werte des Markenprodukts und schafft es niemals, das Markenerlebnis des Originals zu kreieren. Fälschungen sind das Gegenteil von einem Statussymbol. Es liegt in der (Eigen-)Verantwortung jedes Verbrauchers, sich bewusst und mit Begeisterung für das Origi- nal zu entscheiden und so den Fälschern die Geschäftsgrundlage zu entziehen.
 
Betreiber von eCommerce Plattformen und Online-Händler müssen stärker haften
„Um Wirtschaft und Verbraucher vor gefährlichen Fälschungen besser zu schützen, müssen die Betreiber von eCommerce-Plattformen zukünftig stärker in die Verantwortung genommen werden“, so Dr. Aliki Bus- se, Fachanwältin für gewerbliche Schutzrechte und 2. Vorsitzende der Aktion Plagiarius. „Gewerbliche Händler müssen ihre Identität klar und nachweisbar mit Lichtbildausweis, Steueridentifikationsnummer, Bank- und Kontaktinformationen verifizieren und sich an geltendes Recht im Absatzmarkt halten. Zudem müssen die Betreiber technisch sicherstellen, dass rechtsverletzende, bereits gelöschte Angebote, nicht unter anderem Namen wieder hochgeladen und angeboten werden können. Gleichzeitig muss der Ge- setzgeber dafür sorgen, dass kriminellen Netzwerken die illegalen, äußerst lukrativen Gewinne entzogen werden und Geldwäsche verhindert wird.“

Plagiarius-Preisträger 2022 ab 29. April im Museum Plagiarius in Solingen
Das Museum Plagiarius zeigt in seiner einzigartigen Ausstellung mehr als 350 Plagiarius-Preisträger der un- terschiedlichsten Branchen - jeweils Original und Plagiat im direkten Vergleich. www.museum-plagiarius.de

Virtuelle Podiumsdiskussion am Dienstag, 26. April 2022, 18:30 Uhr

„Fälscher ausbremsen - Bekämpfung von Produktpiraterie und Geldwäsche“
Dr. Aliki Busse, Fachanwältin und 2. Vorsitzende Aktion Plagiarius, diskutiert mit Experten Lösungen, wie den Produktfälschern das Handwerk gelegt werden kann. Mit dabei sind: Univ.-Prof. Dr. Mohamad El- Ghazi (Direktor des Instituts für Geldwäsche- und Korruptionsstrafrecht (TrIGeKo), Frank Buckenhofer (Vorsitzender der Gruppe "Zoll" in der Gewerkschaft der Polizei, GdP) und Markus Schütz (Head of Illicit Trade Prevention der Philip Morris GmbH). Moderation: Dr. Christian Ramthun, WirtschaftWoche.

Anmeldung:
https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6920399139641937920/


Die Preisträger 2022 des Negativpreises „Plagiarius“

Die Jury traf sich am 14. + 15. Januar 2022 (coronakonform, 2G+) und vergab drei Hauptpreise, eine Sonderauszeichnung und vier gleichrangige Auszeichnungen.

1. Preis

Besteck-Set „KLIKK“ (3-teilig) - verkauft im Rahmen einer Promotion-Aktion Original: koziol »ideas for friends GmbH, Erbach, Deutschland
Plagiat: Vertrieb: Are Media Pty Ltd., Sydney NSW, Australien Herstellung: VR China
Kompakt. Clever. Nachhaltig. Was auf den ersten Blick so einfach wirkt, ist in der Feinkonstruktion äu- ßerst komplex. Das designprämierte Mehrweg-Besteck-Set KLIKK begeistert durch die intelligente Steckverbindung sowie einem nachhaltigen Material- und Fertigungskonzept. Australiens ‚leading pre- mium‘ Verlagshaus für Frauenmagazine setzte ein sehr minderwertiges Plagiat des Bestecks im Rahmen einer Loyaltykampagne ein. So sehr man bei der Optik auf haargenaue Übereinstimmung achtete, so we- nig wurde Wert auf Haltbarkeit gelegt. Das Plagiat ist aus ungeeignetem Kunststoff produziert, der sich nach kürzester Zeit verformt und damit das Besteck nach wenigen Einsätzen völlig unbrauchbar macht. Darüber kann auch der niedrige Preis - ca. ein Drittel des Originalpreises - nicht hinwegtrösten.

2. Preis

Druckmessgerät (Einsatz: in chemischen und verfahrenstechnischen Prozessen) Original:  WIKA Alexander Wiegand SE & Co. KG, Klingenberg, Deutschland Fälschung:  Vertrieb: Abdullah Corporation, Dhaka, Bangladesch
(Druck-)Messgeräte sind u.a. essentiell im Maschinenbau, in der Automatisierung, der Lebensmittel- und Pharmaindustrie sowie in chemischen und verfahrenstechnischen Prozessen. WIKA-Produkte stehen für Präzision, Qualität und Sicherheit; auch bei extremen Temperaturen oder in hochaggressiven Medien. Die minderwertigen Markenfälschungen aus Südostasien sind weder zuverlässig präzise, noch robust gegen Erschütterungen. Dieser Fälscher missbraucht nicht nur die weltweit geschützte Marke „WIKA“, er täuscht zusätzlich die Käufer mit „Made in Germany“ über die wahre Herkunft. CT-Untersuchungen von Kloster-
 
mann 3D Messtechnik offenbaren bei der Fälschung u.a. eine zu kleine Messfeder und fehlende Feinjus- tierungsmöglichkeiten, so dass die deklarierte Messgenauigkeit - Klasse 1,0 nach EN837-1 - nicht erreicht werden kann. Das Gefahrenpotential bei falsch reguliertem Druck ist hoch, die Folgekosten ebenso. Des- wegen geht WIKA stets entschieden gegen Fälschungen vor.

3. Preis

Zweireihiges „INA“-Axial-Schrägkugellager (Genauigkeitslager für Gewindetriebe) Original:  Schaeffler Technologies AG & Co. KG, Herzogenaurach, Deutschland Fälschung:  GIANT Bearing Co., Ltd., Jiangsu, VR China GIANT kopiert und fälscht schamlos alles: Von Produkten, Verpackungen und den Markennamen re- nommierter Hersteller wie Schaeffler, über Händlerzertifikate bis hin zu Data Matrix Codes und Bankbestätigungen. Alles, bis auf die Produktqualität. Dabei spielen Präzision und Zuverlässigkeit eine enorme Rolle bei Produkten, die u.a. in Werkzeugmaschinen eingesetzt werden. 3D Scanning von Klos- termann 3D Messtechnik zeigt erhebliche Abweichungen in der Maßhaltigkeit und Fertigungsqualität, mit unvorhersehbaren Folgen je nach Einbausituation. Der Schaden liegt nicht nur bei Schaeffler, sondern auch bei Händlern, die für die minderwertige Qualität haften, und bei Kunden, die die Konsequenzen für Mensch und Maschine (er)tragen müssen. Schaeffler schützt und verteidigt sein geistiges Eigentum da- her weltweit sehr konsequent.

Weitere Preisträger siehe unter: https://www.plagiarius.com/index.php?ID=60