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Erheblicher Nachholbedarf bei digitaler Verantwortung

Firmen sehen sich in der Pflicht, den digitalen Wandel verantwortungsvoll zu gestalten.
Deloitte | 13.06.2022
Erheblicher Nachholbedarf bei digitaler Verantwortung © freepik / panya8510
 

Die fortschreitende Digitalisierung bringt nicht nur einen tiefgreifenden Wandel mit sich. In einer digital geprägten Wirtschaft wird ein neues Verständnis von Verantwortung zur wesentlichen Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. In einer Umfrage von Deloitte messen 80 Prozent der befragten Expertinnen und Experten dem Thema Corporate Digital Responsibility (CDR) eine wichtige oder sehr wichtige Bedeutung für den Unternehmenserfolg zu. Weitere 18 Prozent betrachten CDR als eher wichtig.

Die Verantwortung ist dabei klar verteilt. Sie liegt nach Ansicht der Befragten vor allem in den Händen von Unternehmen und Politik. 79 Prozent sehen Unternehmen eher oder stark in der Pflicht. Mit Blick auf Politik und Gesetzgebung vertreten 78 Prozent diese Einschätzung. Lediglich 58 Prozent erwarten von der Gesellschaft, dass sie den digitalen Wandel verantwortungsvoll gestaltet.  

Corporate Digital Responsibility geht nach gängigem Verständnis über die gesetzlichen Anforderungen hinaus und schließt nicht nur die Folgen technologischer Veränderungen für das Unternehmen, seine Mitarbeitenden und seine Geschäftsbeziehungen ein, sondern hat auch die weiteren Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt im Blick. Denn neben zahlreichen Chancen bringt die digitale Transformation neue Herausforderungen mit sich. Dazu zählt der Missbrauch persönlicher Daten, aber auch die Auswirkungen neuer Technologien auf unsere Art zu arbeiten. Darüber hinaus gilt es, die Teilhabe möglichst aller Menschen in einer digital geprägten Wirtschaft und Gesellschaft sicherzustellen. Für den Corporate Digital Responsibility Survey 2022 hat Deloitte im November vergangenen Jahres 200 deutsche Digital-Expertinnen und -Experten in Führungspositionen befragt.

Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander

Trotz der großen Bedeutung, die die Befragten dem Thema CDR zumessen, setzt sich lediglich etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen (54 Prozent) intensiv oder sehr intensiv damit auseinander. „Das ist zu wenig“, sagt Nicolai Andersen, Managing Partner Consulting bei Deloitte. „Ein sorgsamer Umgang mit modernen Technologien ist entscheidend, insbesondere mit Blick auf Datenschutz, Cyber-Sicherheit und die Anwendung von Algorithmen in Entscheidungsprozessen. Das Vertrauen von Kunden, Geschäftspartnern und Mitarbeitenden in den verantwortungsbewussten Umgang mit diesen Herausforderungen ist die Grundlage erfolgreichen Wirtschaftens in der Digitalökonomie.“ 

Nicht wenige Unternehmen stehen im Bereich „Digitale Verantwortung“ jedoch vor erheblichen Schwierigkeiten: Ein Drittel der Befragten (30 Prozent) sieht sich selbst vor einigen oder sehr großen Herausforderungen, was die Umsetzung von CDR-Maßnahmen betrifft. Weitere 51 Prozent haben nach eigener Einschätzung wenige Schwierigkeiten in der Gestaltung des Wandels. Nur 19 Prozent geben an, keine Schwierigkeiten zu haben, den digitalen Wandel zu gestalten. 

Die wesentlichen Herausforderungen sind dabei ein Mangel an notwendigen Kompetenzen (43 Prozent) und Konzepten (32 Prozent), das Fehlen eines entsprechenden CDR-Verantwortlichen (31 Prozent) sowie der finanziellen Ressourcen (30 Prozent). „Im Interesse einer starken Wirtschaft, aber auch um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern sind wir gut beraten, diese Hürden rasch zu überwinden“, sagt Nicolai Andersen. 

Digitaler Reifegrad und wirtschaftlicher Erfolg gehen Hand in Hand

Denn Unternehmen mit einem hohen digitalen Reifegrad erreichen eine spürbare Verbesserung ihres Vorsteuergewinns, wie die aktuelle Ausgabe des Digital-Maturity-Indexes (DMI) zeigt. Sie konnten ihr EBIT-Ergebnis im Durchschnitt um 16 Prozent verbessern und liegen damit deutlich vor digital weniger reifen Unternehmen. „Insbesondere bei digitalen Nachzüglern beobachten wir ein negatives EBIT-Ergebnis, der digitale Rückstand korreliert also mit einer negativen Geschäftsentwicklung,“ sagt Claudia Ahrens, Director Digital Operations bei Deloitte. 

Immerhin: Rund die Hälfte der für den DMI untersuchten Unternehmen investiert bereits mehr als 10 Prozent des Umsatzes in neue Software, Hardware und die für die digitale Transformation notwendigen Talente. „Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, denn nur so können die Unternehmen die Grundlage legen für eine substanzielle Verbesserung ihres Vorsteuergewinns“, sagt Claudia Ahrens. Doch auch für die digitalen Vorreiter bleibt noch einiges zu tun: „Sie setzen in naher Zukunft vor allem und zu Recht auf die Daten-Kompetenz ihrer Talente sowie auf den Auf- und Ausbau profitabler Ökosysteme.“ 

Im Rahmen der Expertenbefragung von mehr als 400 Teilnehmern analysiert Deloitte den digitalen Reifegrad des produzierenden Gewerbes in verschiedenen Branchen, darunter Automobilindustrie, Maschinenbau und verarbeitende Industrie. Der Digital-Maturity-Index betrachtet strategische und operative Digitalisierungsmaßnahmen, gewichtet unter anderem nach ihrem Einfluss auf den operativen Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT), auf das Produktivitätswachstum sowie das Verhältnis von Aufträgen zu Auslieferungen.