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Frachtraten sinken deutlich, Stau in Deutscher Bucht geht zurück

Die Nachfrage in Europa und Nordamerika nach Waren aus China geht deutlich zurück, was sich in stark fallenden Frachtraten zeigt.
Kiel Trade Indicator September 2022 © Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel IfW
 

Diese liegen teilweise fast wieder auf dem Niveau vor dem weltweiten Ausbruch der Corona-Pandemie Anfang 2020, zwischenzeitlich betrugen sie bis zum Zehnfachen. Ins Bild passen die schwachen Handelswerte im jüngsten Datenupdate des Kiel Trade Indicator für September (Monat-zu-Monat, preis-/saisonbereinigt). Allerdings bleibt der Ablauf im maritimen Containerverkehr gestört, noch immer stecken viele Frachter fest. In der Deutschen Bucht bildet sich der Stau allerdings zurück.

Laut jüngstem Datenupdate des Kiel Trade Indicator stagniert der Welthandel im September im Vergleich zum Vormonat (preis- und saisonbereinigt). Für Deutschlands Handel sind die Werte für Importe (-0,5 Prozent) und Exporte (-0,1 Prozent) leicht negativ bzw. deuten auf eine rote Null hin. Auch für die EU zeichnet sich wenig Veränderung im Handel ab, Importe (-0,7 Prozent) und Exporte (-0,2 Prozent) dürften leicht unter bzw. auf dem auf Niveau des Vormonats liegen.

Für die USA signalisieren die Werte des Kiel Trade Indicator etwas mehr Bewegung im Handel, bei den Importen (-4,4 Prozent) steht gegenüber August ein klares Minus. Die Exporte (+0,1 Prozent) dürften stagnieren. Für China steht ein Plus bei den Importen (3,9 Prozent) und ein Minus bei den Exporten (-0,9 Prozent). Russland kann ein leichtes Plus bei Importen (+0,2 Prozent) und Exporten erwarten (+0,8 Prozent).

„Der Septemberhandel ist durch eine schwache Nachfrage nach Waren aus China durch Europa und Nordamerika geprägt“, sagt Vincent Stamer, Leiter Kiel Trade Indicator. „Dies zeigt sich in den schwachen Werten für die Importe der EU und der USA sowie für den gesamten Welthandel, vor allem aber in den stark rückläufigen Frachtraten für Warentransporte von China nach Nordamerika und Europa.“

Nach Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 gerieten Angebot und Nachfrage im globalen Warenverkehr durcheinander – die Verfügbarkeit von Frachtkapazität sank, die Nachfrage insbesondere nach Gütern und deren Transport aus China für Heimarbeit, Sport und Unterhaltung stieg aber.

In der Folge explodierten die Frachtraten auf bis zum Zehnfachen der lange Jahre üblichen Transportkosten. Seit rund vier Monaten gehen sie rapide zurück, auf der Route von China zur US-Westküste liegen die Frachtraten fast wieder auf dem Niveau von vor der Krise. Auf der Route von China nach Westeuropa ist das Vor-Krisenniveau noch nicht ganz wieder erreicht.

„Eine Abkühlung des globalen Handels könnte auch etwas Positives darstellen, wenn sich überspannte Lieferketten und Verkehrsstaus durch die Atempause erholen. Denn trotz des hohen Auftragsbestandes bremsen Lieferengpässe einen höheren Zuwachs bei den preisbereinigten Exporten Deutschlands noch immer aus, die Werte des Kiel Trade Indicator sind nun bereits den dritten Monat in Folge negativ“, so Stamer.

Knapp 12 Prozent aller verschifften Waren stecken derzeit im Stau fest. Von den vom IfW Kiel beobachteten Wartebereichen ist der Stau in der Nordsee nach wie vor am gravierendsten und bindet über 2 Prozent der weltweiten Frachtkapazität, die weder be- noch entladen werden kann. In der Deutschen Bucht bildet sich der Stau allerdings zurück, nur noch 12 Containerschiffe warten hier auf Abfertigung in Hamburg oder Bremerhaven. Vor einem Monat waren es noch 19.

Russland scheint im Bestreben, den ausbleibenden Handel mit der EU durch Handel mit Asien zu substituieren, Fortschritte zu machen. In den für den Asienhandel zentralen Häfen Vladivostok und Novorossiysk steigt die Anzahl ankommender Containerschiffe im Trend kontinuierlich an. „Allerdings können die Importe aus Asien bisher noch nicht den Handel mit Europa ersetzen“, so Stamer.