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Die Video-Sprechstunde ist vor allem für Jüngere eine Alternative zum Praxisbesuch

Ein Viertel der 16- bis 29-Jährigen hat schon einmal online mit Arzt oder Ärztin gesprochen.
Die Video-Sprechstunde ist vor allem für Jüngere eine Alternative zum Praxisbesuch © freepik / Drazen Zigic
 
Anfahrtswege fallen weg, lange Aufenthalte im Wartezimmer auch: Die Video-Sprechstunde hat sich bei vielen Menschen in Deutschland mittlerweile als feste Alternative zum Praxisbesuch vor Ort etabliert. 17 Prozent der Internetnutzerinnen und Internetnutzer in Deutschland haben bereits einmal oder mehrfach eine Video-Sprechstunde wahrgenommen. Unter den Jüngeren zwischen 16 und 29 Jahren sind es dabei mit 25 Prozent deutlich mehr als in den anderen Altersgruppen: 20 Prozent der 30- bis 49-Jährigen, 17 Prozent der 50- bis 64-Jährigen, aber nur 7 Prozent der über 65-Jährigen haben schon einmal per Video mit Ärztinnen und Ärzten oder Therapeutinnen und Therapeuten kommuniziert. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung unter 1.144 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren, darunter 1.004, die das Internet nutzen. Demnach haben 43 Prozent bislang noch keine Video-Sprechstunde genutzt, können sich das aber künftig vorstellen. 36 Prozent schließen die Nutzung für sich jedoch grundsätzlich aus.  

Um die Digitalisierung des Gesundheitswesens geht es auch bei der Digital Health Conference des Bitkom in Berlin, bei der am heutigen Mittwoch mehr als 500 Expertinnen und Experten und die wichtigsten Akteure des deutschen Gesundheitswesens über die Zukunft der digitalen Gesundheitsversorgung diskutieren. Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach hält am frühen Nachmittag eine Keynote vor Ort. „Digitalisierung im Gesundheitswesen kann nur erfolgreich sein, wenn ihr Nutzen erlebbar ist. Videosprechstunden und die Corona-Warn-App sind dafür gute Beispiele. Aber wir wollen noch mehr erreichen. Dafür entwickeln wir eine Digitalisierungsstrategie. Digitale Anwendungen und Prozesse müssen in der Medizin Alltag werden, um die Patientenversorgung zu verbessern“, betont der Bundesgesundheitsminister.

Warum wird die Video-Sprechstunde genutzt? Von den meisten wird medizinische Hilfe per Video wegen allgemeiner oder chronischer Beschwerden in Anspruch genommen (43 Prozent). 33 Prozent haben allgemeine medizinische Fragen, die sie lieber per Video stellen. Fast ebenso viele (32 Prozent) haben Befunde oder Ergebnisse per Video-Sprechstunde besprochen. Nur 5 Prozent haben sich mit akuten Beschwerden online an Ärztinnen und Ärzte bzw. Therapeutinnen und Therapeuten gewandt. 4 Prozent haben die Video-Sprechstunde für ein Aufklärungsgespräch vor einem Eingriff oder einer OP genutzt. „In vielen alltäglichen Versorgungsfällen funktioniert eine Video-Sprechstunde ebenso gut wie ein Besuch in der Praxis vor Ort. Insbesondere für immobile Personen oder chronisch Kranke ist die Video-Sprechstunde eine Chance, weil sie ohne großen Aufwand ärztliche Hilfe und Beratung einholen können“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Wie kann die Digitalisierung des Gesundheitssystems in Deutschland vorangetrieben werden? Um diese Frage geht es bei der Digital Health Conference des Bitkom heute, am 30. November, im Kosmos Berlin. Zahlreiche Panels und Impulsvorträge auf 3 Bühnen bringen die Expertinnen und Experten der Branche zusammen.   Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverband Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.144 Personen in Deutschland ab 16 Jahren telefonisch befragt. Die Umfrage ist repräsentativ. Die Fragestellung lautete: „Haben Sie schon einmal per Video-Sprechstunde mit einem Arzt oder Therapeuten kommuniziert?“ und „Mit welchen Anliegen haben Sie sich per Video-Sprechstunde mit einem Arzt oder Therapeuten ausgetauscht?“