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Deutschland auf dem Weg in die Anstalt

Neues Buch von Neurologe und Psychiater zeigt, wie wir uns kaputtpsychologisieren.
Solibro Verlag | 23.04.2015

Burkhard Voß, Arzt für Neurologie und Psychiatrie, fordert in seinem Buch: Schluss mit der Therapiegesellschaft! Er zeigt, wie systematisch eine ganze Gesellschaft erst durchpsychologisiert und dann psychopathologisiert wird.

Partnerschaften, in denen die Beziehung ständig thematisiert und pausenlos psychologisiert wird, sind erfahrungsgemäß die schlechtesten. Dabei ist Reflexivität nicht grundsätzlich schlecht. Doch wird sie in unserer postmodernen Gesellschaft maßlos übertrieben. Eine uferlose Reflexivkultur ist entstanden. Das Ergebnis sind überdrehte Zeitgenossen, die mit ihrem ständigen Psychologisieren und Problematisieren nicht nur nervtötend sind, sondern auch wichtige Entscheidungen blockieren. Ob im privaten Umfeld oder in der Politik: Eigene Befindlichkeit geht vor Gemeinwohl, Subjektives sticht Tatsachen, Wohlfühl-Diktat schränkt individuelle Freiheit ein.

Burkhard Voß schildert in essayistischer Form, wie systematisch eine ganze Gesellschaft erst durchpsychologisiert und dann psychopathologisiert wird. Den Nährboden für diese ungesunde Entwicklung sieht er historisch bereitet durch Psychoanalyse, postmoderne Philosophie sowie die Gender-Mainstreaming-Ideologie.

Leitend sind dabei die Mythen der Reflexivkultur, wie etwa "Alle Menschen sind gleich", "Wir müssen achtsam sein" oder "Wir müssen wertschätzend miteinander umgehen". Aber auch Maximen wie "Burnout ist eine ernstzunehmende Krankheit", "Psychische Erkrankungen nehmen zu" oder "Trauern braucht psychologische Unterstützung" werden entlarvt.

Unter Reflexivkultur versteht Voß die Überhöhung und kultische Verehrung des reflexiven Denkens, das die Aufmerksamkeit von der Umwelt auf das eigene Selbst lenkt. Im Übermaß auf selbstverständliche Lebensprozesse angewandt, kann das reflexive Bewusstsein zersetzend wirken. Im wahrsten Sinn des Wortes sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Das Natürliche und Selbstverständliche wird zu Grabe getragen. Künstliche Probleme sprießen hervor.

Voß ruft uns deshalb zu: Schluss mit der Therapiegesellschaft! Und nehmt Euch selbst nicht mehr so wahnsinnig wichtig. Denn eine Gesellschaft, in der sich jeder dauersensibel seine Privatwirklichkeit zurechtzimmert und immer größere Gruppen nicht mehr miteinander reden können, ist in einer Sackgasse gelandet.

Wolfgang Clement, Minsterpräsident a.D., Bundesminister a.D. : "Seine [B. Voß] entschiedene und auch erfrischende Kritik an einer leichtfertigen Übernahme von Trends und Zeitgeistverirrungen kann die öffentliche Diskussion bereichern."

Bibliographische Daten
Burkhard Voß: Deutschland auf dem Weg in die Anstalt. Wie wir uns kaputt psychologisieren.
Mit einem Vorwort von Wolfgang Clement
Münster: Solibro Verlag 1. Aufl. 2015 [klarschiff Bd. 6]
ISBN 978-3-932927-90-4; Broschur; 160 Seiten; 14,80 ? (D)
Auch als E-Book erhältlich: ISBN 978-3-932927-91-1; 9,99 ? (D)
Infos und Leseprobe zum Buch (www.solibro.de/deutschlandaufdemwegindieanstalt)