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AgenturCamp Leipzig 2020 – intensiver persönlicher Austausch

Das AgenturCamp konnte in den letzten Monaten nur virtuell stattfinden. Jetzt gab es wieder eine Live-Veranstaltung, wir berichten aus Leipzig.
Monika Staudinger | 23.10.2020
© Because Software

„Die Zukunft der Agenturen“, unter diesem Motto fand das AgenturCamp Anfang Oktober in Leipzig statt. Ein drängendes Thema, angesichts der gewaltigen Herausforderungen, mit denen die Agenturen durch die Pandemie konfrontiert werden. Das AgenturCamp, die Unkonferenz für Agenturen, konnte selbst in den letzten Monaten ja nur virtuell stattfinden. Umso schöner, dass es jetzt wieder eine Live-Veranstaltung mit rund 40 Teilnehmern gab. Wir haben Hans-Gerhard Kühn, den Macher des AgenturCamps, und unsere beiden Berater Tom Maisel und Daniel Rose über Ihre Eindrücke befragt.

Hans-Gerhard, du bist sicher erleichtert, dass das erste AgenturCamp nach dem Lockdown stattfinden konnte?

Hans-Gerhard: Ja, wir sind sehr froh, dass es geklappt hat, ich vermute diese oder nächste Woche hätte es schon nicht mehr stattfinden können.

Wie habt ihr drei das AgenturCamp erlebt?

H.-G.: Ich habe es auf der einen Seite angespannt erlebt, aufgrund der Rahmensituation, und auf der anderen Seite habe ich es als besonders intensiv wahrgenommen, weil der Austausch in dieser doch kleineren Gruppe mit rund 40 Teilnehmern wirklich extrem entspannt, direkt und konzentriert war.

Daniel: Ich habe es genauso empfunden. Durch die kleinere Gruppe konnte man sich viel öfter mit denselben Leuten austauschen.

Tom: Ja, auch die Bereitschaft zu interagieren war diesmal höher. Wirklich jeder hat sich danach gesehnt, sich wieder mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Wie war die Stimmung der Teilnehmer?

D.: Ich habe die Stimmung als grundsätzlich sehr gut erlebt. Vor allem, dass man endlich mal wieder rausgekommen ist, das Gegenüber wieder physisch erlebt hat, das hat die Stimmung positiv beeinflusst.

T.: Ja, und die Offenheit war bemerkenswert. Viele haben über Ihre Erfahrungen im Lockdown berichtet. Die Agenturen haben gegenüber ihren Kunden einen Vorsprung gehabt, technisch aber auch gedanklich remote zu arbeiten – und sie konnten teilweise ihre Kunden bei diesem Prozess unterstützen.

Links im Bild Tom Maisel

Links im Bild Tom Maisel

Was waren die Themen, die den Teilnehmern unter den Nägeln brannten?

T.: Natürlich die ganze Situation der letzten Monate und die sich daraus ergebenden Themen wie virtuelle Teams, Agenturkultur, Präsenzarbeit versus Remote. Weitere Themen waren Preisfindung, stundengenaue Abrechnung gegen Pauschalhonorar und, wie Agenturen im Sinne des New Pay strukturiert werden können.

D.: Ja, viele Agenturen beschäftigen sich mit dem Begriff transparente Agentur, also der Kommunikation sowohl nach innen als auch nach außen. Das kann sogar so weit gehen, dass das Gehalt des Geschäftsführers den Mitarbeitern kommuniziert wird. Es wird auch offen über Probleme gesprochen. So helfen sich die Teilnehmer auch gegenseitig und profitieren von den Erfahrungen, die andere schon gemacht haben. Genau das ist ja auch der Gedanke des AgenturCamps.

Haben sich neue Formen der Zusammenarbeit in den Agenturen, aber auch mit den Kunden ergeben?

T.: Da ist das Bild bei den Agenturen nicht einheitlich, das sehen wir auch bei unseren Kunden. Manche Teilnehmer berichten, dass der Kreativprozess remote gar nicht funktioniert und der Kunde im Kreativ-Brainstorming dabei sein muss. Bei anderen ist die Akzeptanz deutlich größer geworden. Sie verweisen auf tolle Erfahrungen aus dem Zwangsremote und werden diese Arbeitsweisen verstärkt beibehalten.

D.: Eine Agentur zeigte auf, wie sie es geschafft hat, ihre kompletten Kreativprozesse in die Digitalwelt zu verlagern. So wurden zum Beispiel während des Brainstormings die am Whiteboard erarbeiteten Ideen gestreamt. Das war interessant zu hören.

Hans-Gerhard, ihr habt dieses Mal auch neue Formate ausprobiert, wie waren da die Erfahrungen?

H.-G.: Das waren ja wirklich Experimente. Wir wollten digitale Formate nutzen, um beispielsweise beim Session-Board zu verhindern, dass sich die Leute vor dem Board versammeln. Wir haben also erstmalig ein digitales Session-Board genutzt, was jeder auf Screens sehen konnte und auch parallel auf seinem Smartphone aufrufen konnte. Die Teilnehmer haben dann gemeinsam abgestimmt, wo und wann welche Session stattfinden sollte. Die Leute waren begeistert, denn es war eine ganz andere Art der Sessionplanung, die wesentlich intensiver war und geholfen hat, die Themen zu entwirren und zu strukturieren.

Sessionboard


Dann gab es noch ein Camp-Panorama, realisiert wurde es mit einem Jamboard. Auf das Jamboard konnten alle Teilnehmer über das Smartphone zugreifen und Rückmeldungen in Form von Statements oder Fotos geben. Mit den Teilnehmern gab es zu Beginn folgendes Gedankenspiel: Stell dir vor, Corona ist ein Freund, was rät er dir gerade in dieser schweren Zeit zu tun. Die Ergebnisse dieses Gedankenspiels wurden dann gesammelt und konnten als Learning mitgenommen werden. (Siehe Foto)

CampPanorama


Als dritte Maßnahme neben Jamboard und der neuen Sessionplanung haben wir zwei externe Sessiongeber per Zoom in das Plenum übertragen.

T.: Der Vortrag zum Thema Insolvenz war sehr interessant. Zwei Agenturen haben über Ihre Erfahrung damit berichtet.  Diese Offenheit wurde sehr positiv aufgenommen.

D.: Ich fand das auch eine gute Geschichte. Wichtig wäre es, das Publikum noch besser einzubinden, so dass man Fragen über ein Micro stellen kann und nicht nur im Chat.

H.-G.: Ja, das stimmt, ein wenig fehlt es noch am Dialog. Aber diese Möglichkeit, virtuell Teilnehmer einzubinden ist eine super Sache. Das Ganze ist ja noch ausbaufähig und eine gute Ergänzung für das AgenturCamp. Man kann damit zusätzlich neue Impulse reinbringen von Leuten, die sonst vielleicht gar nicht kommen würden.

Saal

Tom und Daniel, gibt es neue Erkenntnisse, die euch in eurer Arbeit weiterbringen?

D.: Für mich ist es wichtig, Neues zu hören, nicht nur die Anliegen unserer Kunden, sondern auch andere Probleme und Sichtweisen kennen zu lernen. Das gibt tiefere Einblicke in die Agenturwelt als wir es normalerweise erleben.

T.: Das unterschreibe ich auch. Das Networking und das persönliche Miteinander sind für mich die besonders positiven Aspekte. Aber auch, zu erfahren, welche Anforderungen es aus dem Markt für eine Software wie easyJOB gibt.

Wir merken, dass die Bereiche Planung, Ressourcen, Aufgaben von eigenen Mitarbeitern und Freelancern und die dazugehörige Kommunikation immer relevanter sind. Die Tendenz bei den Teilnehmern des AgenturCamps geht eher zu den Insellösungen. Der Best-of-Breed Ansatz kombiniert mehrere Lösungen und integriert diese mittels Schnittstellen zu einer flexiblen Systemlandschaft. Früher war eine Eines-für-alles Lösung gefragt, mittlerweile verfestigt sich die Haltung: Wir suchen uns das beste Tool aus dem jeweiligen Bereich für Kommunikation, Planung, und so weiter. Das sind natürlich wichtige Informationen für uns, die sich auch in der Produktentwicklung niederschlagen. So setzen wir beispielsweise Webservices ein und stellen eine API für Aufgaben/Termine und Stunden zur Verfügung, über die externe Tools angedockt werden können.

Austausch

Links im Bild Daniel Rose

Wie geht es mit dem AgenturCamp weiter?

H.-G.: Es gibt zwei Dinge, die mich bewegen. Zum einen, was ist im nächsten Jahr an realen Camps möglich und was setzen wir virtuell fort. Ich werde auf alle Fälle die Thematik „Agenturzukunft“ weiterdenken und im November zwei bis drei virtuelle Camps anbieten. Dieser Aspekt ist so bedeutend, da viele Agenturen hohe Umsatzeinbrüche hatten. Wir wollen die Themen Restrukturierung und Insolvenz in Eigenverwaltung weiterspielen und groß in die Öffentlichkeit bringen, weil das bisher völlig totgeschwiegen wird. Angedacht habe ich drei reale Camps für nächstes Jahr, aber im Moment kann man nur auf Sicht planen.

Wir werden auch überlegen, kleinere Camps anzubieten mit weniger Teilnehmern, weil das Arbeiten einfach intensiver ist. Ich hatte auch den Eindruck, dass die Qualität der Sessions diesmal hoch war. Und wir werden auf jeden Fall die virtuellen Teile weiter ausbauen.

Ihr habt ja eine Umfrage zu den Auswirkungen des Lockdowns gemacht. Was kam dabei heraus?

H.-G.: Ja, knapp 150 Agenturen haben sich an unserer zweiten Umfrage zu den Auswirkungen von Corona beteiligt. Es gab spannende Ergebnisse, so hat fast jede zehnte Agentur auch heute noch im Vergleich zum April Umsatzeinbußen von über 50 %.

Hier kann man alle Ergebnisse abrufen: https://dasagenturcamp.de/magazin/2020/10/05/agenturen-im-aufschwung-und-vor-dem-aus/

Hans-Gerhard, Tom und Daniel, wir danken euch für das Gespräch und die spannenden Einblicke in das AgenturCamp.


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