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KI: Freund oder Feind der Kreativbranche?

Während KI den Content-Prozess revolutioniert und Kreativen als Assistent dient, gibt es auch Kritik und Ängste vor Jobverlust.
Fiverr | 27.07.2023
© tim-mossholder/unsplash
 

KI-gestützte Tools und Technologien verändern die Art und Weise, wie wir arbeiten. Im Jahr 2023 haben KI-Anwendungen einen großen Innvoationssprung gemacht. Vor allem der Chatbot ChatGPT hat nicht nur die Fantasie von IT-Expert:innen sondern von Arbeitnehmer:innen in allen möglichen Branchen und Arbeitsbereichen angeregt. Zum Beispiel revolutioniert Künstliche Intelligenz den Prozess der Content-Erstellung und mischt die Karten für Design und Kreativität neu. Von der Datenanalyse bis hin zur Generierung von Ideen - KI kann als echter Assistent für Kreative gesehen werden. KI-Tools eröffnen Anwender:innen viele neue Möglichkeiten. Trotzdem bleibt ein gewisses Misstrauen und es werden immer wieder Kritikpunkte geäußert - insbesondere von Kreativen und Freelancer:innen, die in KI und den entsprechenden Tools auch eine Bedrohung für ihre berufliche Tätigkeit sehen. Was kommt in Zukunft noch auf uns zu? Müssen wir uns vor diesem Fortschritt fürchten? Und wie wird KI die Kreativbranche und die Arbeit von Freelancer:innen beeinflussen? 

 

Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI 

Angesichts der rasanten Entwicklung der KI-Fähigkeiten sind diese Fragen natürlich relevant. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann künstliche Intelligenz menschliches Fachwissen aber nicht vollständig ersetzen. Bestenfalls ergänzt KI sie: Beispielsweise setzen affine Freiberufler:innen KI-Tools ein, um ihre Arbeitsabläufe zu verbessern und ihre Effizienz zu steigern. Kreative Menschen verlassen sich vor allem auf ihr einzigartiges Talent, um individuelle und ansprechende Inhalte zu erstellen. KI kann sie zwar bei der Content-Erstellung unterstützen, aber sie kann keinesfalls mit der Kreativität einer/s Expert:in konkurrieren, da die Ergebnisse lediglich eine Assimilation bereits vorhandener Inhalte sind.

In den Händen von Laien stoßen auch die leistungsstärksten KI-Tools schnell an ihre Grenzen. Es bedarf Fachkenntnisse und ein Verständnis über die Arbeitsweise der Tools, um die KI zu Höchstleistungen bringen zu können. Unabhängig davon, ob man zum Beispiel KI-generierte Texte oder Bilder erstellen möchte, dauert es eine gewisse Zeit, bis man sich mit der Technik vertraut gemacht hat, bevor man sie effektiv einsetzen kann. 

Auch Fiverr Freelancerin Diana Wolters, Marketing-Expertin sowie KI-Künstlerin weiß, wie wichtig exakte Formulierungen und gute Prompts bei der Arbeit mit KI-Tools sind. „Es ist essentiell, genau artikulieren zu können, was man möchte und die Sprache der Tools zu sprechen, um wirklich gute, authentische Ergebnisse zu erzielen. Schließlich fällt es der KI manchmal schwer, die Feinheiten der menschlichen Sprache zu verstehen.” 

Künstliche Intelligenz bietet lediglich eine Basis bzw. ein Grundgerüst, das mit Leben gefüllt werden muss. Genau hier kommen echte Expert:innen mit Fachwissen ins Spiel. Laut einer Umfrage unter 1.500 Führungskräften aus Klein-und Mittelständischen Unternehmen in Deutschland finden 62 % der Unternehmer:innen es beispielsweise wichtig, dass Freelancer:innen Skills im Bereich KI haben.1

 

Wie kann KI Kreativen zugutekommen?

Es ist unbestreitbar, dass Kreative davon profitieren können, wenn sie KI-Tools nutzen; KI kann ihnen lästige Aufgaben abnehmen, indem sie Routineaufgaben und zeitraubende Tätigkeiten automatisiert. Beispielsweise arbeiten KI-gestützte Programme sehr gut mit großen Datenmengen, werten diese aus und analysieren sie. Sie liefern wertvolle Informationen für die Interpretation der Daten und helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen.

Ebenso lassen sich KI-Tools auch als Schreibassistent einsetzen, um bei der Produktion von Inhalten zu helfen: Ideenfindung, Strukturierung, Umformulierung oder sogar das Schreiben werden so erheblich erleichtert. Zudem können diese Tools Kreativen helfen, die praktischen Aspekte ihrer Arbeit zu bewältigen: Notizen machen, Transkriptionen anfertigen, alltägliche Verwaltungsaufgaben automatisieren. „KI-Tools bieten eine Reihe von Vorteilen, wenn man sie in die eigene Arbeitsweise integriert”, so Diana Wolters. “Ich kann beispielsweise effizienter arbeiten, meinen Output erhöhen und mich stärker auf meine eigentliche, kreative Arbeit konzentrieren.” 

In Bezug auf die Produktivität helfen KI-gestützte Tools zur vorausschauenden Analyse dabei, das Arbeitspensum besser zu bewältigen. Indem sie Freelancer:innen einen Überblick über ihr Produktivitätsniveau verschaffen und Bereiche mit Optimierungspotenzial identifizieren, sinkt auch das Risiko eines Burnouts.

Generell kann KI Kreativen auf vielfältige Weise helfen: angefangen bei der Recherche über die Erstellung und Bearbeitung von Inhalten bis hin zum Design. KI beschleunigt den kreativen Prozess, indem sie automatisierte Werkzeuge und Technologien bereitstellt. Der vernünftige Einsatz von KI ermöglicht es den Expert:innen, sich auf die kreativen und strategischen Aspekte ihrer Arbeit - d. h. auf ihr Kerngeschäft - zu konzentrieren, was zu innovativen und originellen Resultaten führen wird. Kreative, die im Rennen bleiben wollen, sind gut beraten, diese technologischen Entwicklungen als Hilfe bei der Erfüllung ihrer Aufgaben und Aufträge zu begreifen.

 

Autor 

Florian Müller 
Florian Müller ist Country Manager DACH bei der Freelancer-Plattform Fiverr. Der Experte für digitales und strategisches Marketing verantwortet den Geschäftsausbau in der DACH-Region. Er ist zudem zuständig für die Lokalisierung des Marktplatzes, um die Erfahrungen für Unternehmen und Freelancer:innen auf Fiverr zu optimieren.

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Quellen:

1 Fiverr Skill Gap Report 2023