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Kostenlos verkaufen über Google Shopping?

Ein Blick auf die Auswirkungen für Shops und Händler. Empfehlungen, wie Shopbetreiber von den organischen Produkt-Listings profitieren können.
Martin Grahl | 06.10.2020
Kostenlos verkaufen über Google Shopping? © Freepik
 

Mit der Ankündigung, dass Produkte nun organisch in den Produkt-Listings von Google Shopping auftauchen können – also ohne Shopping Ads – hat Google ordentlich Aufmerksamkeit erregt. Bedeutet das kostenlose Klicks und jede Menge Sichtbarkeit für alle? Wir werfen einen Blick auf die möglichen Folgen für etablierte Shops und Händler.

Organisches Google Shopping: Was genau ändert sich?

Bisher konnten Händler ihre Produkte im Rahmen von Google Shopping mithilfe von Ads anzeigen lassen. Seit Kurzem ist genau das in kleinerem Maße auch kostenfrei möglich: In den USA konnten hierfür bereits organische Produkt-Listings getestet und umgesetzt werden. Bis Ende Oktober 2020 sollen nun auch Händler europäischer, asiatischer und lateinamerikanischer Länder organische Produkt-Listings im Merchant Center aktivieren können1.

Zu finden sind die organischen Listings (Abb. 1 blauer Kasten) im Shopping-Reiter unter den bekannten Google-Shopping-Anzeigen (Abb. 1 roter Kasten). Die ersten Ergebnisse sind also noch immer den gesponsorten Produkten vorbehalten, während die organischen, kostenfrei platzierten sich mit dem Platz darunter zufriedengeben müssen.

Abbildung 1: Screenshot der Produkt-Listings von Google Shopping – gesponsorte Produkte rot umrahmt

Außerdem kündigte Bill Ready, „President of Commerce“ bei Google, an, dass für den „Buy on Google“-Checkout künftig keine Verkaufsprovision mehr anfallen soll[1]. Für den „Kauf auf Google“ braucht der Nutzer Google nicht zu verlassen, sodass die Hürde bis zum Kauf für Endkunden kleiner und die Conversion Rate für Händler größer sein dürfte – allerdings steht diese Funktion bisher nur in den USA zur Verfügung.

Noch eine weitere Ankündigung gab es in diesem Zusammenhang: Bisher war es für Händler nur möglich, Google Pay für die Zahlungsabwicklung zu nutzen. In Zukunft soll es möglich werden, auch Drittanbietersysteme wie beispielsweise PayPal für die Zahlungsabwicklung zu integrieren oder auch Shopify als Onlineshop-System anzubinden. Ob oder wann diese Möglichkeit in Deutschland zur Verfügung stehen wird, ist allerdings noch nicht klar.

Abbildung 2: Screenshot eines „Buy on Google“-Produkts

Was steckt hinter den reizvollen neuen Google-Angeboten?

Mithilfe dieser Veränderungen möchte Google neue Anreize für Händler schaffen, ihre Präsenz auf Google zu verstärken.

Zum einen spricht Bill Ready über die Herausforderungen, mit denen Händler zu kämpfen haben: Der Covid-19-Ausbruch habe Googles Pläne nur noch schneller vorangetrieben[2]. Auch Käufern wolle man es leichter machen, die passenden Produkte bei einer größeren Auswahl von Shops zu finden.

Zum anderen ist aber auch klar, dass Google im Shopping-Markt deutlich an Amazon und andere vertikale Player verloren hat. Laut einer Studie von Civic Science werden mittlerweile 49 % der Produkte über Amazon gesucht – über Google hingegen starten nur 22 % ihre Produktsuche[3]. Somit möchte Google vermutlich nicht nur die Händler unterstützen, sondern insbesondere auch Marktanteile im transaktionalen Bereich zurückgewinnen.

Und für wen lohnt sich Google Shopping nun?

Google wird durch die Veränderungen voraussichtlich vor allem kleinere und lokale Händler erreichen, die sich zuvor – etwa aufgrund der Kosten – nicht dafür interessiert haben, bei Google Shopping Werbung zu schalten.

Da bisher aber die kostenfreien Listings nur unter dem Reiter „Shopping“ auftauchten, scheint die Attraktivität auf den ersten Blick eingeschränkt zu sein. Schließlich generiert der Shopping-Reiter im Gegensatz zu den „Haupt“-Suchergebnissen auf Google nur einen geringen Prozentsatz des Traffics. Von daher dürften sich Klicks auf kostenfrei angezeigte Produkte nur bei großen Verkaufsvolumina wirklich auszahlen – es sei denn, die Produkte befinden sich in einem sehr wenig kompetitiven Markt.

Ändern könnte das Bill Readys Ankündigung, dass die kostenfreien Produkt-Listings in Zukunft auch in den „Haupt“-Google-Suchergebnissen angezeigt werden sollen. In den USA ist das bereits der Fall, und zwar im Rahmen des Product Knowledge Panels (Abb. 3 roter Kasten). Es bleibt abzuwarten, inwieweit auch der deutsche Markt davon profitieren wird.

Abbildung 3: Product Knowledge Panels

Welche Auswirkungen könnten die Veränderungen für bestehende Shops haben?

Auch für bereits etablierte Shops könnten die kostenfreien organischen Listings Veränderungen bedeuten. Denn aktuell haben die historischen Daten eine hohe Relevanz bei der Platzierung von bezahlten Ads in Google Shopping. Ob diese historischen Daten auch auf die organischen Listings eine Auswirkung haben, ist anzunehmen, muss sich allerdings in der Praxis noch bestätigen. Sollte dies so sein, wäre das ein Vorteil für Onlineshops, die sich in Google Shopping bereits größere Mengen an historischen Daten gesammelt haben.

Denkbar erscheint auch, dass die Google Shopping Ads, aufgrund einer erhöhten Anzahl von Produkten in den organischen Listings, an Wichtigkeit gewinnen und somit die Preise für bezahlte Anzeigen steigen werden.

 

Welche Faktoren könnten zukünftig Einfluss auf die Sichtbarkeit bei Google Shopping haben?

Ähnlich wie Amazon wird eine attraktive Produktgestaltung mit optimiertem Text und Titel sowie ansprechenden Bildern sich positiv auf das Ranking bei Google Shopping auswirken. Außerdem ist anzunehmen, dass eine hohe Interaktion mit den Produkten eine höhere Relevanz für Google bedeuten kann.

Ausschlaggebend dürfte jedoch nach wie vor der Produktpreis bleiben. Schließlich dient Google Shopping dem Kunden nicht nur zum Auffinden der gewünschten Produkte, sondern vor allem auch zum Preisvergleich.

 

Drei Empfehlungen, wie Shopbetreiber von den organischen Produkt-Listings profitieren können

Mit etwas Strategie lassen sich die organischen Möglichkeiten von Google Shopping nutzen, um neue Produkte zu testen oder einen neuen Markt zu erforschen:

- Produkte mit kleinen Margen / Preisen: Die organischen Listings sind hervorragend geeignet für Produkte, für die sich eine Anzeigenschaltung über Google Shopping nicht rentiert.

- Internationalisierung: Organische Produkt-Listings können Aufschluss darüber geben, wie das Produkt in einem möglichen neuen Markt performt und welche Conversion-Rate erzielt wird. So fällt es leichter abzuschätzen, für welche Produkte sich der zeitliche und finanzielle Aufwand bezahlter Kampagnen lohnt.

- Top-Seller: Eine Chance bietet sich auch für kleinere Unternehmen ohne großes Werbebudget. Produkte, die sich als Top-Seller aus dem organischen Listing hervortun, können mit einem kleinen Budget beworben werden. Das Risiko ist hier, aufgrund der bereits gesammelten Daten bzw. der positiven Resonanz der Kunden, sehr gering.

 

Fazit: In jedem Fall profitiert der Kunde

Es bleibt abzuwarten, ob Google mithilfe der kostenlosen Listings Marktanteile im transaktionalen Markt zurückerobern kann. Ebenso dürfen wir gespannt sein, welche Händler tatsächlich von den Veränderungen profitieren werden.

Einen Gewinner gibt es jedoch auf jeden Fall: Die Kunden entdecken nun bei ihrer Suche eine noch größere Auswahl von Produkten

 

Literatur

[1] https://support.google.com/merchants/answer/10033607, 01.10.2020

[2] https://blog.google/products/shopping/buy-on-google-is-zero-commission/, 10.09.2020

[3] https://www.theverge.com/2020/4/21/21228741/google-shopping-free-listing-ads-search-coronavirus-covid, 10.09.2020

[4] https://civicscience.com/amazon-is-crushing-google-when-it-comes-to-product-searches/, 10.09.2020

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Über Martin Grahl

Martin Grahl ist Geschäftsführer von Claneo, einer Search- und Content-Marketing-Agentur in Berlin. SEO, SEA und Content-Marketing sind seine Stärke.

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