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Start-up digitalisiert Kassenbelege

Ein Interview mit Gründerin Katrin Lech von bill.less. Ihre Kerndevise lautet: Konzentration auf das Kernziel bei der Startphase.
marketing-BÖRSE | 06.10.2020
Katrin Lech © Marc Feix Photography
 

Das Interview führte Yannik Sulzbacher – marketing-BÖRSE

Als Ende letzten Jahres klar wurde, dass ab dem 1. Januar 2020 die Ausgabe von Kassenbons gesetzlich vorgeschrieben sein wird, stöhnten viele Einzelhändler über die neue Regelung. Zu teuer und zu bürokratisch sei das neue Gesetz für den Alltag in kleinen Geschäften. Gut, dass sich da längst findige Start-ups auf das Problem spezialisiert hatten und digitale Alternativen anbieten, so auch das Stuttgarter Start-up bill.less. Auf die Idee kamen Katrin Lech und Naomi Jaguttis, damals noch Studentinnen, schon Anfang 2019. IT-Experte Simon Mändle vervollständigte später das Team und so konnte im Mai 2020 das Unternehmen offiziell gegründet werden. Im Interview erläutert Katrin Lech, wieso die Quote von Gründerinnen so gering ist und was in der Startphase eines Start-ups wirklich zählt.

 

Wie kam es dazu, dass du dich entschlossen hast zu gründen? Gab es einen entscheidenden Impuls?

Während meiner Schulzeit habe ich beim IW Junior Programm mitgemacht und für ein Jahr eine eigene Firma gegründet. Das war mein erster Kontakt zum Unternehmertum. Von da an interessierte ich mich zunehmend für das Start-up Ökosystem. Hinzu kam meine Tätigkeit im Venture-Capital-Bereich und die Lust, selbst zu gründen. Als ich dann auf eine alltägliche Problematik gestoßen bin, war klar, dass ich ein Start-up gründe.

 

Welche Idee steht hinter bill.less und was macht ihr genau?

bill.less digitalisiert den Kassenbeleg. Wir bieten eine Software für den Einzelhandel, um Belege digital an seine Kunden ausgeben zu können und andererseits haben wir eine App für Privatpersonen entwickelt, um Kassenbelege digital zu verwalten.

 

Gründerinnen sind in der Start-up-Branche immer noch stark unterrepräsentiert. Wie erklärst du dir, dass es so wenige Frauen gibt, die sich entscheiden, ein Start-up zu gründen?

Female Founder sind meist im Femtech- als auch im Social-, weniger im Hightech-Bereich anzutreffen. Ich denke dies liegt allgemein daran, dass sich Frauen primär für Bereiche interessieren, in denen wenige Gründungen stattfinden.

Familiäre Gründe sehe ich nicht als Faktor. Eher, dass sich Frauen leider zu wenig aus der eigenen Komfortzone bewegen und primär sicherheitsorientiert handeln.

 

Gibt es Dinge, die du in der Gründungsphase rückblickend anders machen würdest?

Ja, davon gibt es mehrere. In allen Bereichen. Aber das ist auch ganz normal. Beim Aufbau eines Start-ups gibt es keinen Leitfaden, sondern man handelt nach Situationen.
Ein Main-Point ist, niemals den Fokus zu verlieren. Besonders in der Startphase ist weniger deutlich mehr. Die Konzentration sollte stets auf dem ersten MVP, dem minimal überlebensfähigsten Produkt, sein und nicht darauf zu pochen, dass alle tollen Ideen umgesetzt werden. Gründer haben im Allgemeinen stetig viele und wilde Ideen. Die Kunst liegt aber darin, diese für einen späteren Zeitpunkt zu speichern und stattdessen sich in der Startphase auf das Kernziel zu konzentrieren. 

 

Was kannst du Frauen empfehlen, die mit der Idee spielen, ein Start-up zu gründen?

Alle Aber-Sätze, die dich aktuell an der eigenen Gründung hindern, streichen. Einfach den Mut fassen und sich lieber eine eigene, zeitliche Deadline legen, bis zu der man seine ganze Power gibt, anstatt es niemals zu versuchen.
Zur Unterstützung empfehle ich, sich an Start-up-Programme zu wenden, die Start-ups in den ersten Steps begleiten.

 

Vielen Dank für das Interview Katrin.