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Angst vor „Überfremdung“ völlig unbegründet

Ausländische Fachkräfte machen großen Bogen um Deutschland
Gunnar Sohn | 26.02.2008
Bonn/München – Die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland erweist sich als Flop. Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) http://www.sueddeutsche.de berichtet, kamen im vergangenen Jahr nur 466 Hochqualifizierte nach Deutschland, zehn mehr als 2006. Der SZ liegen entsprechende Zahlen aus dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge http://www.bamf.de vor. Politiker der großen Koalition fordern jetzt eine Überprüfung des Zuwanderungsrechts. Lediglich bei den Selbständigen habe es einen Anstieg auf niedrigem Niveau von 2.370 (2006) auf 2.850 (2007) gegeben. Bei dieser Personengruppe hatte es eine Lockerung der Zuwanderungsbestimmungen gegeben.



Viele Unternehmen halten den Fachkräftemangel angesichts der guten Wirtschaftslage für eine „Wachstumsbremse“. Nach einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums http://www.bmwi.de kostet das Fehlen von qualifiziertem Personal die deutsche Volkswirtschaft jedes Jahr bis zu 20 Milliarden Euro. Die Engpässe machen sich vor allem in technologischen Schlüsselbranchen wie Maschinenbau, Metall- und Elektroindustrie und Fahrzeugbau bemerkbar. „Man muss die Zahlen als Warnsignal sehen“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) http://www.diw.de, Klaus Zimmermann, gegenüber der SZ. Die große Koalition habe in der Frage der Zuwanderung versagt. Sie habe „alles getan, um das Image eines reservierten Landes aufrechtzuerhalten“.



„In Deutschland gibt es ein Vermittlungsproblem. Die Leute finden es unsinnig, Ausländer ins Land zu holen, während immer noch über drei Millionen Deutsche arbeitslos sind. Doch die Angst davor, dass die Zuwanderer ihnen die Jobs wegnehmen, ist völlig unbegründet. Wir brauchen keine Zuwanderung mehr wie damals, als wir die Gastarbeiter – eine sehr misslungene Wortschöpfung – nach Deutschland geholt haben. Wir brauchen ausländische Spitzenkräfte, die wir hierzulande nicht finden. Und wir müssen diesen Menschen und ihren Familien signalisieren: Wenn Ihr wollt, seid Ihr in Deutschland herzlich willkommen. Wir wollen nicht nur, dass Ihr hier arbeitet, sondern dass Ihr hier lebt und heimisch werdet. Nur mit positiven Botschaften können wir die Scheu der High Potentials überwinden, sich dauerhaft in Deutschland niederzulassen“, so der Personal- und Arbeitsmarktexperte Marc Emde von der KCP Personaldienstleistungsgesellschaft http://www.kirchconsult.de, der unter anderem polnische Ingenieure nach Deutschland vermittelt.



Der Wirtschaftsexperte der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag, Rainer Wend, schlägt ähnliche Töne an: „Die Leute müssen verstehen, dass Spezialqualifikationen, die die Unternehmen brauchen, nicht durch ein bisschen Nachschulung von Langzeitarbeitslosen erreicht werden können.“ Der Ball liegt also im Feld der großen Koalition. Auch CDU-Politiker denken mittlerweile darüber nach, ob man niedrigere Einkommensgrenzen für Zuwanderer festlegen könnte. Bisher müssen Angestellte ein sehr hohes Jahresgehalt von mindestens 85.000 Euro vorweisen können, um nach Deutschland kommen zu können.







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Über Gunnar Sohn

Gunnar Sohn ist Freiberufler und u.a. Wirtschaftspublizist, Buchautor, Blogger, Medienberater, Moderator und Kolumnist.