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Technische Barrieren und mangelnde Aufklärung behindern IP-Kommunikation in Deutschland

TeleTalk- Expertengespräch: Der Markt braucht kompetente Systemintegratoren, Berater und Reseller
marketing-BÖRSE | 12.10.2006
Hannover, www.ne-na.de - Der Markt für IP-basierte Dienstleistungen soll in Deutschland stark wachsen. Die Fachzeitschrift TeleTalk http://www.teletalk.de fragte in einem aktuellen Roundtable-Gespräch in Hannover danach, wie Kenner die Situation einschätzen: „Wir fragen nicht, ob IP Centrex, Hosted oder ähnliche Dienstleistungen sich durchsetzen, es ist nur eine des Frage des Wann. Unser Unternehmen besitzt weltweite Erfahrungen. Wenn wir diese mit Deutschland vergleichen, hinkt der Markt hier hinterher, wie in vielen anderen Bereichen auch. Das liegt sicherlich nicht an der Technologie, sondern hängt mit den deutschen Marktgegebenheiten zusammen“, sagte Mehdi Schröder, Vice President Enterprise Sales der Ericsson Deutschland GmbH http://www.ericsson.com/de.



Frederik Koch, Director Strategic Sales bei Computacenter http://www.computacenter.de ist sich sicher, dass die herkömmliche Telefonie verdrängt und der frei werdende Platz durch IP-Technik übernommen werde. „Wir haben vor zwei Jahren begonnen, einen Managed Services-Dienst aufzubauen und wir sehen, dass die Nachfrage langsam aber sicher steigt“, so Koch. Auch Jürgen Schilz, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft HSP http://www.hsp-bg.de sieht einen Aufwärtstrend bei Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern. „Wir stellen fest, dass IP-Lösungen, die seit Ende 2004 realisiert worden sind, zu den beständigen gehören. Auch wenn Deutschland noch hinterherhinkt, muss man heute schon sagen, dass es keine professionellen Anwender mehr gibt, die sich nicht um dieses Thema kümmern“.



Alexander Schmiedel vom Systemhaus Telba http://www.telba.de kritisiert die Reduzierung der IP-Kommunikation auf Billig-Telefonie durch lautstarke Anbieter im TK-Markt. „Durch alle diese Freenets, 1 & 1, Fritzfaxes und so weiter wird der Markt - und so auch Kunden – verwirrt. Man muss wirklich noch Aufklärungsarbeit leisten“. Beim Mittelstand sei man beispielsweise noch lange nicht soweit, dass alles ineinander greife und VoIP problemlos integriert werden könne. „Unsere Erfahrungen belegen, dass Kunden die Leistungsfähigkeit ihrer Kommunikationsinfrastruktur häufig überschätzen und in der Regel hohe Investitionen getätigt werden müssen, die weit über die kaputten Preise im TK-Bereich hinausgehen und letztlich mehr Kosten, als ein komplett neues IP-basiertes System“, so Schmiedel. Es gebe viele Kunden, die noch nicht migrieren. „Aber ich denke, dass rund 30 bis 40 Prozent der Unternehmen im Mittelstand über LAN-Infrastrukturen verfügen, die mit geringen Rekonfigurationen IPT-fähig gemacht werden können“, erwiderte Koch. Ein Grund für die Markthemmnisse liege nach seiner Auffassung an den lokalen Herstellern, die lange nicht interessiert waren an Techniken, die sie selbst nicht anbieten. „Auch daraus resultiert ein gewisses Maß an Konfusion im Markt. Das haben wir in anderen Ländern nicht. Es ist sehr deutschspezifisch, dass bestimmte Hersteller hier ein Machtmonopol haben und dies ausnutzen“, moniert Koch.



Der deutsche Markt sei zu oligopolistisch, ergänzte Schilz, der nach wie vor durch drei große Hersteller geprägt werde. „Die Situation ist hier anders, weil die ISDN-Entwicklung in Deutschland so erfolgreich war, wie in keinem anderen Land der Welt. Wenn man sich die Entwicklung vor diesem Hintergrund anschaut und die Investitionen seitens des größten Carriers berücksichtigt erscheint das, was jetzt passiert, nur logisch. Nämlich dass ein vorhandenes und exzellentes TDM Netz, in dem Milliarden begraben wurden, so lange wie möglich am Leben gehalten werden soll. Warum in neue Techniken investieren, die Risiken bergen und den Kundenzugang für Dritte erleichtern? Das Thema IP-Dienste ist also aufgeschoben, aber nicht aufgehoben“, folgerte Schilz. Wir müssen einfach realisieren: Voice ist eine Applikation, und nichts anderes mehr. Zweiter Punkt ist: Voice ist mission critical. Um dies auch IT-Entscheidern zu vermitteln, sind Systemintegratoren, Beratungshäuser und kompetente Reseller zwingend notwendig“, resümierte Ericsson-Manager Schröder.


Von Gunnar Sohn

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