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Der Purpose im Unternehmen – Von der Vision zur Strategie.

Zwecksetzung & Haltung einer Marke werden zur Daseinsberechtigung eines Unternehmens. Eine Begriffsbestimmung von Vision, Mission und Purpose.
Kai Bösterling | 20.01.2022
Vision und Mission als Ausgangspunkt der Positionierung. © Pixabay
 

 

Die Positionierung einer Marke findet ihren Ursprung in einer zukunftsgerichteten Zweckbestimmung und einer wegweisenden Haltung. Die Positionierung ist eben nicht eine künstliche, aufgesetzte “Färbung”, um die eigenen Marken-Produkte andersartig darzustellen. Sondern: Die Positionierung einer Marke “durchfärbt” die Produkte von innen nach außen.

Ganz pragmatisch betrachtet und keineswegs emotional überhöht: In jedem Molekül der Marke, nein der Produkte, schwingt diese idealerweise besondere Zweckbestimmung und Ausrichtung der Marke mit.

Alles weitere wie die vertriebliche Verbreitung, die Marketingstrategie und das Employer Branding folgt daraus fast wie von selbst.

 

1. Vision

Die Vision sollte der Ausgangspunkt unternehmerischen Handelns sein. Was ist also die Vision einer Marke, eines Unternehmens? Gerade hier gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Auslegungen und Schwerpunktsetzungen. Diese begriffliche Konfusion macht es einem Marketingverantwortlichen nicht leicht, wenn er in die Diskussion zur Markenpositionierung einsteigt. Die enge, IMHO veraltete Auffassung des Marketingbegriffs “Vision”, beschreibt die erfolgsgeprägte, langfristige Zielbestimmung, wo sich ein Unternehmen in 10-15 Jahren befinden möchte. So könnte ein herkömmliches Vision Statement wie folgt lauten: “In den nächsten 10 Jahren wollen wir mit unseren Produkten die Marktführerschaft erreichen.” Oder: “2035 werden wir den höchsten Umsatz aller Handelsunternehmen in Europa generieren.” Diese Definition einer Vision ist stark nach innen gerichtet und unternehmerisch geprägt. Gleichzeitig dient die alte Auslegung von “Vision” dazu, eine Zielbestimmung für die Mitarbeiter zu formulieren: Wofür arbeiten wir täglich? Was wollen wir gemeinsam erreichen? Eine Formulierung, wie oben, kann allerdings niemals intrinsische Motivation erzeugen. Das bekannte Zitat von Antoine de Saint-Exupéry bringt es wunderbar auf den Punkt: Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.

Ob es nun die Sehnsucht sein muss, die Menschen motiviert bleibt dahingestellt. Was aber dieses Zitat verdeutlicht: Wir brauchen Bilder, Gefühle, Wünsche, welche uns antreiben, Ziele zu erreichen. Keine abstrakten unternehmerischen Zielbestimmungen, dessen Wert jeder einzelne nur sehr schwer beeinflussen kann.

Ich plädiere daher für diese weitreichendere und grundlegende Definition. Die motivierende, Menschen aktivierende Kraft einer Vision ist allerdings das eine. Das andere: Eine Vision muss nach innen und außen gleichermaßen wirken. Sie ist intrinsische Motivation für die Mitarbeiter. Sie ist aber ebenso eine zukunftsgerichtete Zweckbestimmung eines Unternehmens. Ein Fixstern, der Kunden zeigt, wofür eine Marke steht. Und warum es sich lohnt, loyal mit einer Marke verbunden zu sein. Kunden können abgleichen, wie die Marke die Vision mit Leben füllt und wie jedes Produkt diese Vision trägt.

Die Vision meiner Lieblingsmarke ist: „With everything we do, we aim to challenge the status quo. We aim to think differently.” Ok, erraten: Apple.

Die Formulierung von Apple ist zwar eine allgemeine, produktunabhängige Aussage, aber gerade deshalb hat sie so eine Größe, die Mitarbeitern eine tägliche “Arbeitsanweisung” und Motivation gibt, sich nicht zufrieden zu geben mit dem, was es schon gibt, sondern kreativ weiter zu denken.

Die produktunabhängige Formulierung einer Vision ist smart, weil sie Freiheiten für Disruption und Innovation gibt. Apple macht eben nicht nur Computer, sondern auch wegweisende Smartphones oder multimediale Services, die neue Standards setzen. Wenn Apple sich als Vision gesetzt hätte, dass sie die besten Computer der Welt machen wollen, dann hätten sie es vielleicht geschafft, die besten Computer der Welt zu bauen, aber sie wären nicht auf das iPhone oder Apple TV gekommen.

Henry Ford sagte einmal den folgenden Satz: “Wenn ich die Leute gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt: ›schnellere Pferde‹.” Passt!

Also: Eine Vision muss Raum geben, inspirieren und zur Weiterentwicklung eines Unternehmens motivieren. Die Vision ist der Raketenantrieb, der eigene Boost, zu den Sternen zu greifen. Dabei schwingt immer mit, dass die Marke das Leben des Menschen ein wenig besser machen will. Noch besser, wenn die Marke die Gesellschaft und Umwelt besser machen will.

 

2. Mission

Die Mission legt die Richtung fest, wie das Unternehmen die Vision erreichen will. Das ist der mittelfristige Weg, ggf. unterteilt in Wegstrecken, hin zur Erreichung der Vision. Die Mission reflektiert anfassbarer den Kundennutzen, ohne schon im Detail in konkreten Produkten und Services zu denken. Und doch hat sie die Kraft, dem Unternehmen eine zum Wettbewerb differenzierende Ausrichtung zu geben. Die Mission beschreibt das Kunden-Versprechen, wie man heute in jedem Teil des Unternehmens daran arbeitet, die Vision zu erreichen.Insofern hat die Mission hauptsächlich Außenwirkung und weniger Innenwirkung. Daher fließen auch Unternehmens- bzw. Marken-Werte und Haltung in die Mission ein.

Die Mission ist das Bindeglied zwischen Vision und dem strategischen Geschäftsmodell, in dem sich die Marke mit Produkten, Revenuestream und Kostenstrukturen bewegt.

Die Mission ist somit der Richtungsgeber hin zur Vision. Und sie bildet den Rahmen für die Strategie.

 

3. Strategie

Die Strategie ist also die Roadmap zur Erreichung der Mission. Sie ist dynamisch. Denn abhängig von bestimmten äußeren Bedingungen bietet die Strategie auch die Möglichkeit, Richtungswechsel und Umleitungen zu planen. Sie setzt Zielsetzungen in operationalisierbare und messbare Planungsschritte. Die Strategie ist also der mittelfristige Zielerreichungsplan. Eine Strategie besteht damit aus einem Plan, Nutzenversprechen, Ertragsmechanik und Wertschöpfungskette als Elemente des Geschäftsmodells effektiv und effizient zu verzahnen. So werden die verschiedenen Ziele aus verschiedenen Teilbereichen von Marketing, Vertrieb und Produktpolitik, welche alle zur übergeordneten Zielsetzung der Mission beitragen, perfekt orchestriert.

 

4. Purpose

Und dann war da noch der Purpose. Purpose wird das andauernde Schlagwort des aktuellen “Werber-Jahrzehnts”, da bin ich mir sicher. Der Begriff “Purpose” ist das Konstrukt, das den Kundennutzen, das emotionale Ergebnis der Vision, und die Erfüllung der Mission widerspiegelt.Purpose in seiner engeren Sichtweise seitens des Marketing ist eine Absichtserklärung des Unternehmens, seine Zweckbestimmung bzw. die der Marke so auszurichten, dass das Leben der Menschen in gewissen Teilbereichen besser wird. Und besonders auch Umwelt und Gesellschaft positiv beeinflusst werden. Da ist die Versuchung nah, grüne Produkte und Services zu kreieren, die einen positiven Imagetransfer auf die gesamte Marke haben. Ohne im Kern des Unternehmens wirklich positive Auswirkungen  zu schaffen.Für mich ist Purpose damit in einer breiten Auslegung – um auch gar nicht zum Greenwashing (oder Bluewashing*) verleitet zu werden – die haltungsstarke Formulierung eines Statements, welches Elemente des Vision Statements und des Mission Statements verbindet. Eindringlich, klar, plakativ und verständlich.

 

Warum Unternehmen Vision, Mission und Purpose brauchen und wie das pragmatisch vereinfacht im Golden Circle relevant wird, lese hier im Detail weiter:

https://morethandigital.info/der-purpose-im-unternehmen-von-vision-zur-strategie/

 

Der Artikel erschien am 29.12.21 zuerst auf der MorethanDigital.

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Über Kai Bösterling

Leidenschaft für Marke & kreative Idee. Brückenbauer zwischen Digital & Analog. Zuletzt in diversen Leitungsfunktionen in Kommunikationsagenturen.

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