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Lernrückstände gefährden langfristig den Wohlstand

Der Rückgang der Ergebnisse sei nur zum Teil ein Resultat der Corona-Pandemie und bilde zum Teil auch einen schon länger anhaltenden Abwärtstrend ab.
Lernrückstände gefährden langfristig den Wohlstand © freepik / jcomp
 

Der ifo-Bildungsexperte Ludger Wößmann hat alarmiert auf die Lernergebnisse der deutschen Grundschüler*innen reagiert. „Die starken Rückstände sind beunruhigend. Denn die in der Schule vermittelten grundlegenden Fähigkeiten sind die Basis der zukünftigen Lebenschancen der Kinder und des zukünftigen Wohlstands in Deutschland insgesamt“, sagt Wößmann als Reaktion auf die neuen Ergebnisse des Bildungstrends des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB). „Solch einen Rückgang wie jetzt hat es noch nie gegeben“, sagt Wößmann.

Der Lernverlust von einem Drittel Schuljahr gehe über das gesamte Berufsleben gerechnet im Durchschnitt mit rund 3 Prozent geringerem Erwerbseinkommen einher, sagt Wößmann weiter. Für die Volkswirtschaft insgesamt könnte das zu einem um durchschnittlich 1,5 Prozent niedrigeren Bruttoinlandsprodukt über den Rest des Jahrhunderts führen. Der Rückgang der Ergebnisse sei nur zum Teil ein Resultat der Corona-Pandemie und bilde zum Teil auch einen schon länger anhaltenden Abwärtstrend ab. 

„Diese riesigen Lernrückstände werden nicht einfach weggehen. Sie werden hohe Folgekosten haben, wenn wir nicht umgehend gegensteuern. Wir müssen als Gesellschaft unbedingt darauf achten, dass sich die Lernergebnisse der Kinder und Jugendlichen verbessern“, fügt Wößmann hinzu. Der Schulbesuch und der Erwerb von Kompetenzen habe einen positiven Einfluss auf den Wohlstand der Schüler und der Gesellschaft. Dieser Zusammenhang sei von der Wirtschaftsforschung so gut belegt wie kaum etwas anderes. 

Bemerkenswert sei, dass Hamburg als einziges Bundesland das Niveau im 10-Jahres-Vergleich halten konnte. Das könne damit zu tun haben, dass Hamburg regelmäßige Leistungstests und eine Strategie der datengestützten Verbesserungen eingeführt hat. „Dies sollte ein Vorbild für die anderen Bundesländer und für Deutschland insgesamt sein“, sagt Wößmann. Die Lernverluste seien unter benachteiligten Kindern besonders groß, so dass die Ungleichheit weiter angestiegen sei. Gleichwohl hätten auch Kinder aus sozial besser gestellten Familien und ohne Migrationshintergrund verloren. 

Die Ergebnisse liegen in den Fächern Deutsch und Mathematik am Ende der Grundschule zwischen einem Viertel und einem Drittel Schuljahr hinter dem Niveau von vor fünf Jahren. Im Vergleich zu vor zehn Jahren entsprechen die Verluste sogar einem halben Schuljahr. Alle Bundesländer außer Hamburg weisen bedeutsame Verluste auf.