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Deutschland Limo- und Cola-Land?

Natural Limo und Natural Cola – neue Trends bei Erfrischungs-getränken
Horst Möbius | 28.01.2014

In Deutschland wird immer mehr getrunken. Dabei geht der Absatz von alkoholischen Getränken wie Bier zurück und der Absatz von alkoholfreien Getränken nimmt immer mehr zu.
Ebenso wie bei Mineralwasser nimmt auch bei Erfrischungsgetränken der Absatz stetig zu. Lag der Verbrauch bei Erfrischungsgetränken im Jahr 2000 bei 105,7 Liter pro Kopf, so stieg er bis 2012 auf 121,6 Liter an.
Der Erfolg der Erfrischungsgetränke zeigt, dass neben dem Wunsch nach einem kalorienfreien Durstlöscher wie Mineralwasser beim Konsument auch der Wunsch nach süßen Durstlöschern besteht. Dabei zeichnet sich ab, dass die Limonaden und cola-haltigen Getränke zunehmend „erwachsener“ daher kommen.
Hatten Limonaden und Colas in den 80er und 90er Jahren das Image eines Getränks für Kinder und Jugendliche, so kamen in den letzten Jahren zunehmend Getränke auf den Markt, die den Erwartungen Erwachsener stärker Rechnung tragen.
Gerieten Limonaden und cola-haltige Getränke immer mehr in die Schusslinie der Kritik auf Grund ihres hohen Zuckergehalts, so wurden in den letzten 10 Jahren verstärkt Limonaden und Colas entwickelt, die sich durch geringen Kaloriengehalt und durch weniger süßen Geschmack auszeichnen. Unter den zahlreichen neuen Limonaden - und Cola-Anbietern geht der Trend zur Zeit mächtig in Richtung „Natural Limo“ und „Natural Cola“.
Ein wesentlicher Aspekt für die hohe Akzeptanz von Erfrischungsgetränken ist die zunehmende Vielfalt der Geschmacksrichtungen. Neben den klassischen Geschmacksrichtungen wie Orange, Zitrone oder Apfel werden immer weitere neue Geschmacksrichtungen entwickelt. In den letzten Jahren werden Geschmacksrichtungen wie Grapefruit, Limette, Litschi, Ingwer, Mango, Cranberries angeboten. Auch wurden Getränke entwickelt, die „alte Sorten“ wie zum Beispiel Holunder, Quitte oder Rhabarber aufgreifen.
Diese Vielfalt an Geschmacksrichtungen findet sich auch zunehmend in anderen Getränke- und Nahrungsmittel-Bereichen. Beispielsweise finden sich ähnlich viele Geschmacksrichtungen bei Bier-Mix-Getränken, wo die einzelnen Marken in jährlichem Abstand neue Geschmacksrichtungen herausbringen. Aber auch die Produktbereiche Kaugummis, Bonbons, Schokolade oder Kartoffelchips sind zunehmend „geschmacks-getrieben“.
Auf dem Hintergrund von Globalisierung und internationaler Mobilität werden exotische Früchte und Spezialitäten im Handel verfügbar. Sie stimulieren das Interesse der deutschen Konsumenten an neuen Geschmacksrichtungen. Beispielsweise waren Mangos oder Maracujas vor zwanzig Jahren nur den Fernreisenden bekannt. Heute liegen sie für jeden verfügbar bei Aldi, Lidl und Co. bereit.

Renaissance der Limonaden
Im Bereich der Erfrischungsgetränke gibt es auf Seiten der Konsumenten den Wunsch nach weniger zuckerhaltigen Produkten. Diesen Wunsch bedienen die großen Anbieter mit ihren Light- und Zero-Varianten, bei denen Zucker durch künstliche Süßungsmittel ersetzt wird. Auf „sensitive“ Zielgruppen, die stärker an Natürlichkeit und Nachhaltigkeit interessiert sind, wirken diese Getränke jedoch zu künstlich.
Aktuell führt Eckes-Granini nach Gerolsteiner eine neue Limonade im Markt ein. Dabei handelt es sich – genauso wie bei der Gerolsteiner Limonade, die schon im letzten Jahr eingeführt wurde – um eine Natural Limo mit einem hohen Anteil an natürlichem Saft, die auf Zusätze wie künstliche Farbstoffe oder künstliche Aromen verzichtet. Gesüßt wird mit Rohrzucker, dadurch ist der Geschmack deutlich weniger süß als bei klassischen Limos.
Bionade stellt in diesem Zusammenhang einen Meilenstein dar. Sie machte das Konzept einer biologischen Limonade mit geringem Zuckergehalt und ausschließlich natürlichen Zutaten bundesweit populär. Der geringe Zuckergehalt machte sie akzeptabel für Personen, die an Fitness und an guter Figur interessiert sind. Darüber hinaus fand Bionade „Gnade“ bei kritischen Müttern, für die Fanta und Cola für ihre Kinder ein „No Go“ war.
Zudem verfügte Bionade über einen attraktiven Marken-Mythos, der neben dem Aspekt der Nachhaltigkeit den Touch des Rebellischen beinhaltete. Wurde Bionade zunächst als Gegenentwurf zu den klassischen Erfrischungsgetränken gesehen, entwickelte sie sich zu einer bundesweit bekannten Limonade, die als Alternative zu Fanta und Co. galt.
Der Verkauf an die Radeberger-Gruppe sowie eine „sportliche“ Preiserhöhung beeinträchtigten jedoch die Erfolgsgeschichte von Bionade. Von 2010 auf 2011 sackte der Verkauf von 200 Millionen auf 60 Millionen Flaschen ab. Der Hype war vorbei.
Das Vakuum, das nun entstand, begünstigte kleinere Anbieter wie Fritz-Cola/Fritz Limo, Aloha oder Lemon-Aid, die ihre Präsenz in der Szene-Gastronomie in Folge deutlich ausbauen konnten. Insbesondere Fritz-Kola/Fritz-Limo erscheint heute als Marke, die bundesweit an Popularität gewinnt.
Ebenfalls auf dem Sprung zur nationalen Trendmarke ist Club-Mate, die ihren historischen Ursprung in Köstritz (Sachsen) hat. Club-Mate ist ein cola-ähnliches Getränk, das auf Mate-Tee basiert, der ebenso wie Cola einen hohen Koffeingehalt hat. Ähnlich wie Energy-Drinks wirkt Club-Mate deutlich aktivierend und unterstützt Jugendliche und junge Erwachsene beim nächtlichen Feiern in den Clubs. Mittlerweile gilt Club-Mate in den Großstädten als angesagtes „Hipster“-Getränk.
Einen aktuellen Höhepunkt in puncto Nachhaltigkeit markiert die Marke Lemon-Aid/Chari-Tea. Sie verbindet attraktiv schmeckende Erfrischungsgetränke mit szenig-hippem-Flaschendesign. Biologische Zutaten und geringer Zuckergehalt sind weitere Attribute dieser Marke. Ebenso wie Bionade in den Anfangszeiten vermittelt sie den Eindruck des ethisch engagierten Nischenanbieters. Ihr soziales Engagement (5 Cent pro Flasche für soziale Projekte) unterstreicht die Marke auf witzig intelligente Weise in ihrem Markennamen (Lemon-Aid / Chari-Tea).

Cola-Boom
Aktuell entwickelt sich das Angebot an Cola Getränken geradezu boomartig. Bietet Fritz-Kola nun schon seit einigen Jahren seine besonders koffein-haltige Cola an, zog nun Bionade und Red Bull („All natural. All Cola“) mit einer eigenen Cola nach. Mögliche Bedenken von Verbrauchern, ob eine Cola zur Marke Bionade passen könne, werden in der Bionade Werbung weggewischt mit dem Hinweis auf die Natürlichkeit und die biologischen Zutaten. Ebenso wie Fritz-Kola bietet Bionade Cola einen weniger süßen Geschmack als herkömmliche Colas. Ebenso wie Bionade Cola betont Red Bull Cola die Natürlichkeit der Zutaten.

Hamburg kann in Deutschland als die Cola-Hochburg gelten. Gleich fünf Nischen-Anbieter sorgen für Konkurrenz zu den etablierten Anbietern Coca-Cola und Pepsi-Cola. Neben der schon genannten Fritz-Kola konkurrieren Cola Rebell, Mojo-Cola, Premium-Cola- und seit neuestem- Ali-Cola um die Gunst der Besucher der Hamburger Szenelokale.
Cola Rebell basiert auf einer Kneipenidee von Hamburger Kreativen. Dabei handelt es sich um eine „Natural Cola“ mit natürlichen Zutaten. Ebenso wie Fritz-Kola, enthält sie wach-machende 25mg Koffein pro 100 ml. Neben dieser Variante gibt es unter dem Namen „Kraftstoff Cola“ noch eine „ getunte“ Variante mit 32 mg Koffein. Sie behauptet von sich, die stärkste Cola der Welt zu sein. Zusätzlich zu dem hohen Koffeingehalt enthält sie natürliches Taurin, was die Kraftstoff Cola zu einem Energy Drink macht.

Als besonderen geschmacklichen Kick verfügt Cola Rebell über eine Chili-Note, die entgegen der landläufigen Vorstellung aufs Beste mit dem Cola Geschmack harmoniert.
Premium Cola wurde von Cola Aktivisten gegründet, die auf die Original Afri-Cola standen, jedoch von Afri-Cola enttäuscht waren, als sie – nach Übernahme durch Überkinger – in der Rezeptur geschmacklich verändert wurde und der Koffein-Gehalt dem der „normalen“ Colas angepasst wurde.
Ebenso wie die übrigen „Independent-Colas“ enthält Premium-Cola die wach-machenden 25 mg Koffein pro 100 ml. Von der Farbe her ist sie dunkler und vom Geschmack kräftiger als andere Colas. Ähnlich wie bei Lemon-Aid findet sich bei Premium-Cola ein gewisser sozialer Touch: Die Mitarbeiter arbeiten im Kollektiv, sodass jeder Mitarbeiter stimmberechtigt ist bei unternehmerischen Entscheidungen.
Mojo Cola ist die Hausmarke des bekannten Hamburger Mojo Clubs auf der Reeperbahn. Das Design der Mojo Cola ist eher schlicht gehalten, sie wird aber in der trendigen Bottleneck-Flasche angeboten. Vom Koffeingehalt ist sie eher im Mittelbereich und bietet 10-15 mg pro 100 ml.
Die letzte Neuentwicklung ist Ali Cola. Der türkisch stämmige Aydin Umutlu entwickelte Ali Cola, mit der er einen persönlichen Beitrag zur Integrations-Debatte leisten möchte. Dabei möchte er zeigen, dass – entgegen der These von Thilo Sarrazin – Emigranten nicht den Sozialstaat in Anspruch nehmen sondern aktiv sind und eigene Unternehmen gründen. Sobald Ali Cola eine gewisse Popularität erlangt, möchte er die neu-gewonnene Öffentlichkeit zu einer fairen Integrations Debatte nutzen.
Den Namen Ali Cola hat er gewählt, weil er so typisch türkisch klingt. Damit möchte er deutlich machen, dass es sich um eine Cola mit türkischem Touch handelt. Neben der Ali Cola gibt es auch eine Ali Limonade in den Sorten Ali-Orange, Ali-Apfel und Ali Mix.
Ein Blick auf die Deutschland-Karte von Cola-Kult, dem Organ der deutschen Cola-Trinker- Community, zeigt die überraschend grosse Vielzahl der Cola-Marken, die in Deutschland hergestellt und angeboten wird. Insgesamt 52 verschiedene Hersteller sind dort notiert. Deutschland ist also nicht nur Bier-Land, sondern auch Cola-Land.

http://www.ifuma.de/index_htm_files/Deutschland%20Cola-und%20Limo%20Land.pdf