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Was Texte ‚gut‘ macht

Gute Texte beachten viele Kriterien. Dabei gibt es ein Hauptziel: die Botschaft soll Kopf und Herz von Leserin und Leser erreichen.
Gerdt Fehrle | 08.01.2021
prospero-blog_gute-texte © unsplash.com
 

einfach – übersichtlich – kurz

Vier Kriterien machen aus einem Informations-Text einen ‚guten‘ Informations-Text. Und zwar gleichgültig, ob analog für eine Fachzeitschrift, einen Katalog, für ein Fachbuch oder ein Werbe-Mailing. Oder digital im Newsletter, auf der Internetseite oder in den Social-Media-Kanälen.

Sicher nicht zum ersten Mal, dafür umso einprägsamer und bis heute gültig, formulierte Psychologe und Kommunikationsexperte Friedemann Schulz von Thun in seinem Standardwerk ‚Miteinander reden‘ die vier Kriterien eines guten Textes. Das sind: Einfachheit, Übersichtlichkeit, Kürze und – sozusagen die Königsdisziplin – die Verständlichkeit. Was ist das aber eigentlich, Verständlichkeit‘? Haben da nicht alle eine jeweils eigene, private Meinung? Nein, meint Schulz von Thun. Verständlichkeit lässt sich messen.

1. Einfache Texte

Das erste und wichtigste Kriterium: Einfachheit. Ein einfacher Text kommt nach Schultz von Thun so daher, dass ihn jeder normale Mensch versteht. Er benützt gängige Worte, verzichtet auf beeindruckendes Fach-Chinesisch und formuliert kurze Sätze. Wenn schon Fachwörter, dann werden diese erklärt. Eingängige Beispiele veranschaulichen den Inhalt so, dass sich alle etwas darunter vorstellen können.

Dass so eine Einfachheit mit Arbeit verbunden ist, will uns das berühmte, Goethe zugeschriebene Zitat sagen: „Ich habe dir einen langen Brief geschrieben, weil ich keine Zeit hatte für einen kurzen.“

2. Text-Gliederung und Ordnung

Erst denken, dann schreiben: Innere Struktur, Logik und Folgerichtigkeit leisten den inhaltlichen Beitrag dazu, dass ein Text verständlich rüberkommt. Das heißt, Gedanke folgt auf Gedanke, Argument auf Argument. Und zwar so, dass niemand den Faden verliert. Gedankensprünge, Verweise oder sonstige Querverbindungen sind deutlich gekennzeichnet.

Eine Einleitung, die sowohl den Inhalt als auch den Aufbau des Textes vorwegnimmt, sowie Überschriften, Zwischenüberschriften, Abschnitte und Hervorhebungen wichtiger Stellen im Text tragen zur formalen Gliederung bei.

3. Kürze und Prägnanz im Text

Es muss ja nicht gleich Telegramm-Stil sein. Auch Ein-, Zwei- und Dreiwortsätze gelten oft als wenig hilfreich für die Kommunikation. Ebenfalls nicht gut sind allerdings: weitschweifiges Geschwurbel. Bildungsbürgerliche Versatzstücke. Effekthascherische Zitate. Verzierungen und Begleiterklärungen machen vor allem jüngeren Leserinnen und Lesern zu schaffen. Die schalten schnell ab.

Doch auch gestandene Expertinnen und Experten, die eine höhere Frustrationstoleranz sowie eine längere Konzentrationsfähigkeit haben als Digital Natives, sind schnell genervt. Deshalb sollten sich Autoren und Redner immer bemühen, rasch zum Punkt zu kommen.

4. Text-Stimulanz

Die Stimulanz ist die Würze im Text. Man kann auf sie auch verzichten. Aber dann wird’s halt schnell fad. Da dürfen Witz, Bildung und persönlicher Geschmack der Autor*innen durchblitzen. So etwas ist in Ordnung bis gewünscht, je nach Zielgruppe. Grundsätzlich aber gilt, wie bei jeder Würze: Nicht übertreiben.

Fazit

Verständliches Texten ist lernbar. Einfachheit, Gliederung, Kürze und die Prise Stimulanz sorgen dafür, dass die Zielgruppe am Ball bleibt. Und die Botschaft Kopf und Herz von Leserin und Leser erreicht.

Credit: Friedemann Schulz von Thun, Miteinander reden:1, Hamburg 1981